Marcel Reich-Ranicki
An ihm kommt keiner vorbei, er ist ein gefeierter Medienstar, obwohl er – außer in Dokumentationen überhaupt nichts mit Kino oder TV im engeren Sinne gemein hat. Er entscheidet aber über die Vorlagen, ...
Biografie zu Marcel Reich-Ranicki
An ihm kommt keiner vorbei, er ist ein gefeierter Medienstar, obwohl er – außer in Dokumentationen überhaupt nichts mit Kino oder TV im engeren Sinne gemein hat. Er entscheidet aber über die Vorlagen, eben die Bücher, aus denen dann Filmträume gedreht werden: Marcel Reich-Ranicki sorgte im Oktober 2008 bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am in Köln für einen Eklat: Der Literaturkritiker lehnte die Auszeichnung für sein "Literarisches Quartett" ab. Der 88jaährige Ranicki sagte, er habe nicht gewusst, was ihn bei der Preis-Gala erwarte, sagte ein entrüsteter Reich-Ranicki bei der Aufzeichnung der Preisverleihung. "Ich finde es schlimm, was wir uns über Stunden hier ansehen mussten", bekräftige Reich-Ranicki und nannte die mit dem Fernsehpreis ausgezeichneten Sendungen "Blödsinn". Es gehöre nicht hier her, stellte der Preisträger klar. 1920 im polnischen Wloclawek geborenen Marcel Reich-Ranicki. Nach seiner Schulzeit in Berlin bleibt ihm als Jude das Studium in Deutschland verwehrt. Im Herbst 1938, wenige Monate nach seinem Abitur, wird er nach Warschau deportiert, 1940 ins Getto umgesiedelt, wo er in größter Not auch die Liebe seines Lebens findet: Der Hochzeitstag mit Teophila (genannt "Tosia") fällt zusammen mit dem Beginn der Räumung des Gettos.
Ranickis Eltern, sein Bruder und Tosias Mutter werden in die Vernichtungslager deportiert und dort umgebracht. Im Februar 1943 gelingt Marcel mit seiner Frau die Flucht aus dem Getto in den Warschauer Untergrund. In den 50er Jahren entschließen sich beide zu einem ungewöhnlichen Schritt: sie gehen in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Marcel Reich-Ranicki wird der deutsche "Kritiker-Papst". Er war von 1960 bis 1973 ständiger Literaturkritiker der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" und leitete von 1973 bis 1988 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Redaktion für Literatur und literarisches Leben. In den Jahren 1968/69 lehrte er an amerikanischen Universitäten, von 1971 bis 1975 war er ständiger Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten von Stockholm und Uppsala, seit 1974 ist er Honorarprofessor an der Universität Tübingen, in den Jahren 1991/1992 bekleidete er die Heinrich-Heine-Gastprofessur an der Universität Düsseldorf. Seit 1988 leitet er das "Literarische Quartett" im Zweiten Deutschen Fernsehen. Marcel Reich-Ranicki erhielt unzählige Auszeichnungen. Einem großen Publikum wurde Reich-Ranicki durch das "Literarische Quartett" im ZDF bekannt, das er 13 Jahren lang bis 2001 leitete. Aus dem Literaturkritiker wurde ein Medienstar mit Kultstatus. Sobald er ein Buch vorstellte, es lobte oder verriss - die Verkaufszahlen schnellten in die Höhe. Ranicki sorgte stets für Thermik in der Literaturszene. Jetzt ist es ruhiger um ihn geworden, soll aber nicht heißen, dass frau/man nichts mehr von ihm hören und sehen wird…. (Jean Lüdeke)
Filme auf DVD oder Blu-ray Disc mit Marcel Reich-Ranicki
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