Der ganz grosse Traum
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Der ganz grosse Traum:
Wie der Fußball nach Deutschland kam. Obwohl auch hierzulande einige mit Fußball überhaupt nichts anfangen können, gibt es kaum etwas, das derart die Massen bewegt wie diese Sportart. Der DFB ist der mitgliederstärkste, reichste und mächtigste Einzelsportverband der Welt. Zigtausende von Freizeitkickern treten jedes Wochenende in Amateurmannschaften gegen den Ball, Millionen fiebern mit den Bundesligaprofis ihrer Mannschaft. Alle zwei Jahre kommt seit der ersten gewonnen Weltmeisterschaft 1954 das große kollektive Anfeuern der Nationalmannschaft bei einem internationalen Turnier dazu. Für viele scheint der Bundestrainer bedeutender als der Bundeskanzler, Fußball ist eine nationale Angelegenheit von größter Bedeutung. Doch bei all der Begeisterung weiß kaum jemand, wann und von wem der Fußball nach Deutschland gebracht wurde. Es war der Lehrer Konrad Koch 1874 in Braunschweig, der aus England zurückkam und in seinem Gepäck einen Fußball mitbrachte. Doch leicht hatte er es anfangs nicht. Er hatte mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen wie 100 Jahre später die Frauen, als sie Fußball für sich durchsetzen wollten. Frei nach dieser wahren Begebenheit um Konrad Koch erzählt der Spielfilm „Der ganz große Traum“, wie der Fußball nach Deutschland kam. Regisseur Sebastian Grobler gibt sein vielbeachtetes Kinodebüt, renommierte Produktionsfirmen wie Senator und ARD Degeto sind beteiligt. Die Hauptrolle spielt Daniel Brühl („Good Bye, Lenin!“, „Inglourious Basterds“), ein bekennender Fußball-Fan des FC Köln und FC Barcelona. Auch die Nebenrollen bis zu den Kinderdarstellern sind mit engagierten Schauspielern besetzt, darunter Burghart Klaußner („Das weiße Band“, „Der Vorleser“), Justus von Dohnányi („Männerherzen“), Thomas Thieme („Das Leben der Anderen“), Kathrin von Steinburg („Shoppen“) und Axel Prahl („Halbe Treppe“). Passend zum Bundesligastart erscheint der Film jetzt mit vielen Extras bei Universum Film auf Blu-ray Disc. 1874 herrscht im Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum im Unterricht der Jungen-Untertertia der strenge preußische Drill vor. In Geschichte wird die glorreiche Schlacht von Sedan 1871 durchgenommen, der Turnunterricht besteht ganz frisch, fromm, fröhlich und frei aus Geräteturnen und Exerzieren. Doch das soll sich ändern, als eines Tages der junge Lehrer Konrad Koch nach vier Jahren Studium in England an die Schule zurückkommt. Er bringt neben englischen Tugenden wie Fair Play und Kameradschaft auch einen Lederball mit. Auf der Insel hat er eine neue, in Deutschland völlig unbekannte Sportart namens Fußball kennengelernt. Der reformfreudige Rektor von Merfeld (Burghart Klaußner) hat Koch als einen der ersten Englischlehrer überhaupt an einem deutschen Gymnasium angestellt. Koch ist entsetzt von den strengen Umgangsformen an einer deutschen Schule, wobei sich besonders der Geschichtslehrer Dr. Roman Bosch (Thomas Thieme) hervortut. Er züchtigt den Schüler Joost Bornstedt (Adrian Moore), weil er angeblich einen Zeigestock zersägt hat. In Wirklichkeit war es sein Mitschüler Felix Hartung (Theo Trebs), der Wortführer der Klasse. Sein Vater (Justus von Dohnányi) ist ein einflussreicher Geschäftsmann in der Stadt. Als Vorsitzender des Fördervereins der Schule kennt er nur Zucht, Disziplin und Gehorsam. Er möchte keine Arbeiterkinder wie Joost an der Schule. Koch kann den Jungen nur mit großen Schwierigkeiten die englische Sprache beibringen. Zur Abwechslung bringt er seinen Lederball mit und spielt mit ihnen Fußball in der Turnhalle. Dabei bringt er den „Gentlemen“, wie er sie nennt, auf praktische Art das englische Fußball-Vokabular bei. So macht ihnen auch die Sprache Spaß. Doch die Lehrerkollegen und Honoratioren der Stadt halten nichts von diesen Unterrichtsmethoden. Für Hartung hat das „weibliche Getrete an einer deutschen Schule keinen Platz“. Als eine Delegation die Turnhalle betritt, wird der Pastor von einem Ball getroffen. Nun hat Hartung endlich etwas gegen Koch in der Hand. Er droht ihm mit Rausschmiss, wenn nicht sofort der Fußball aus dem Unterricht verschwindet. Und auch Joosts Mutter (Kathrin von Steinburg) stellt Koch zur Rede, weil er die Zukunft ihres Sohnes leichtfertig aufs Spiel setze. Aber so schnell gibt Konrad Koch seinen großen Traum nicht auf. Für ihn kann der Fußball die „germanischen Fesseln lösen“. In der Schule hält er sich an das Verbot, nachmittags trifft man sich in einem Park zum Fußballspielen. Nach und nach wird die Klasse eine richtige Mannschaft. Doch die Fußballgegner geben nicht auf und hetzen Polizisten auf die Sportler. Der Rektor beauftragt eine Kaiserliche Delegation zur Beurteilung, ob Fußball als ergänzender Lehrinhalt eingesetzt werden darf. Da trifft sich gut, dass gerade eine englische Fußballmannschaft aus Oxford eingetroffen ist, die Koch eingeladen hat. Nachdem der Pastor von diesem barbarischen Sport gepredigt hat, der wider die Natur sei und gerade den Segen spendet, wird lautstark zum Spiel gegen die Engländer eingeladen. Für die Mitglieder der Kaiserlichen Delegation ist diese „Engländerkrankheit“ zunächst anarchistisch, undeutsch und fördert den sittlichen Verfall der Jugend. Doch bald können auch sie sich begeistern für die Einfachheit des Spiels und den Mannschaftsgeist. Als Folge der Legalisierung gründen Konrad Koch und seine Schüler 1875 einen Fußballverein. In den folgenden Jahren breitet sich die neue Ballsportart im ganzen Deutschen Reich aus. Aber in vielen Regionen bleibt Schülern und Lehrern das Spiel weiterhin verboten, in Bayern noch bis 1927. Stellvertretend zur allmählichen Einführung des Fußballs ändert sich auch die Musik, vom Radetzky-Marsch über „Heil Dir im Siegerkranz“ auf die Melodie von „God save the Queen“ bis Auld Lang Syne („Should auld acquaintance be forgot“, deutsch „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss“) zum Abspann. Ein Vorbild zu diesem Film scheint „Der Pauker“ mit Heinz Rühmann gewesen zu sein, wenn es hier auch nicht um Fußball geht. Das Making-of berichtet von den Dreharbeiten im Schlossgymnasium Wolfenbüttel, das als Schule umgebaut wurde. Die genau choreographierten Spielszenen sind alle vorher am Reißbrett entworfen worden. Zwei Drehtage nimmt allein das abschließende Fußballspiel in Anspruch. Viel Aufwand machen die Stunt-Szenen. Wie in einem Kinofilm üblich fließt neben klischeehaften Verkürzungen auch viel Fantasie in die Spielhandlung ein, so angedeutete Liebesgeschichten als Zeitfüller, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben. Dagegen scheint die Angebotserweiterung des Turngerätefabrikanten Schricker (Axel Prahl) um neue Lederbälle mit Schweinsblase realistisch. Das trifft auch auf die strengen Züchtigungsmaßnahmen der Schüler wie Arrest im Karzer oder stundenlanges schmerzhaftes Knien auf einen Holzscheit zu. Der Film zeigt „frei nach wahren Begebenheiten“, wie sich der Fußball hierzulande allmählich trotz einiger Geburtswehen durchsetzen konnte. Dabei zählt noch der leidenschaftliche Aspekt des Spiels von elf Freunden, der heute durch die Professionalisierung auf der großen Fußballbühne keine Bedeutung mehr hat. Der Film möchte auch daran erinnern, dass der Sport ein soziales Phänomen um die Themen Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Integration sein kann. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Der ganz grosse Traum, BLU-RAY:
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Weitere Filminfos zu Der ganz grosse Traum: Originaltitel: Der ganz grosse Traum Land / Jahr: Deutschland 2010 Medien-Typ: Blu-ray Disc Bonusmaterial zu Der ganz grosse Traum:
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