Rezension:
Allein seine Präsenz reicht aus, um den Mythos zu erklären, der sich um Alain Delon rankt: Seine stets präsente Persönlichkeit, seine Männer und Frauen betörende Schönheit und sein Charisma sind mehr als genug, um seit Jahrzehnten den Ruf aufrecht zu erhalten, den Delon sich in den 60er Jahren aufbaute. Damals, als die große Stunde der Auteurs geschlagen hatte, war Delon zur Stelle, um in zahlreichen Filmen unvergessliche Rollen zu verkörpern. In seinem Buch „Alain Delon“ zeichnet Roberto Chiesi, Chefredakteur von „Carte di Cinema“, die Spuren nach, die Delon auf seinem Weg durch die europäische Filmgeschichte hinterlassen hat. Filme wie „Nur die Sonne war Zeuge“, „Der Leopard“ oder „Der eiskalte Engel“ machten ihn weltberühmt und verliehen ihm gleichzeitig Unsterblichkeit. Seiner enormen Wandlungsfähigkeit ist zu verdanken, dass das Publikum Delon in den unterschiedlichsten Rollen sehen wollte und er nie auf einen Typ festgelegt wurde. Mit erkennbarer Ehrfurcht vor der Schauspieler-Legende hat Chiesi ein sehr detailliertes Werk geschaffen, das durch seine chronologische Staffelung und das Bildmaterial zu einer reichen Quelle für Fans geworden ist. Das Bildmaterial ist zwar zu einem überwiegenden Mehrteil nur Schwarz-Weiss, doch dafür entschädigen viele profunde Informationen, aus denen klar ersichtlich wird, mit welcher Akribie der Autor zu Werk gegangen ist. Nicht nur Delons schauspielerische Aktivitäten werden von Chiesis cineastischem Skalpell seziert, auch die sonstigen Tätigkeiten von Delon finden Erwähnung: Neben regelmäßigen Auftritten im Fernsehen und bei Theaterstücken produziert er auch und hat einige Investitionen im Mode-Bereich getätigt. Diese Randgebiete werden zwar nur kurz erwähnt, aber runden den guten Eindruck des Buchs noch ab. Für Fans ein Standardwerk!
Fazit: Textintensive und interessante Rekonstruktion einer der schillerndsten und dauerhaftesten Karrieren der europäischen Filmgeschichte. Mit viel Sachkenntnis und Sorgfalt verfasst, kann der Band mühelos seinem Anspruch treu bleiben und bietet einen vollen Einblick in Delons Werk von den Anfängen bis zum heutigen Stand.
(
Tino Hahn)