Rezension:
Nachdem sich der deutsche Film jahrelang in einer Talsohle befand und das höchste Lob für einen einheimischen Film der Satz „Für einen deutschen Film war er ja ganz gut…“ war, geht es spätestens seit dem Kinoerfolg von „Goodbye, Lenin“ und dem Oscar für „Nirgendwo in Afrika“ wieder stetig bergauf. Grund genug für die Autoren Manfred Hobsch, Ralf Krämer und Klaus Rathje, zusammen mit weiteren Verfassern ein inoffizielles Who is Who des jungen deutschen Films zu veröffentlichen. Das im Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag veröffentlichte Werk enthält 250 Portraits auf 490 Seiten und beantwortet Fragen wie: Wann sind diese Jungstars das erste Mal in Erscheinung getreten und woran arbeiten sie momentan?
Da es sich um eine Sammlung der wichtigsten jungen deutschen Stars handelt, wird natürlich mit Lob und Superlativen nicht gegeizt, gleichzeitig bewahrt sich das Autorentrio aber auch die objektive Distanz und übt Kritik, wo sie angebracht ist. Die Kurzbiographien lesen sich erfrischend einfach und sind trotz der Informationsfülle keine staubtrockene Faktenwüste. Kleine Anekdoten, O-Töne und Inhaltsangaben der wichtigsten Filme würzen die Porträts und machen sie zum idealen Snack für wissbegierige Filmfreaks.
Einige Kritikpunkte lassen sich natürlich dennoch finden: So wird etwa in dem ohnehin recht knapp ausgefallenen Beitrag zu Andreas Kleinert dessen sehenswerter Film „Wege in die Nacht“ nicht erwähnt. Stattdessen stürzt sich der Autor auf die Zusammenarbeit von Kleinert und Götz George und vernachlässigt den ungleich wichtigeren „Wege in die Nacht“ völlig. Kritikpunkte dieser Art wird jeder Leser finden, doch einen Anspruch auf Vollständigkeit kann kein noch so umfangreiches Werk erheben. Im Vordergrund sollten aber auch nicht diese marginalen Mängel, sondern die Fülle an lesenswerten Beiträgen stehen, die „Filmszene D“ so besonders macht. Wer sich für die Personen hinter dem neuen deutschen Filmboom interessiert, sollte unbesorgt zugreifen. Stunden voller Lesespaß und viele interessante Neuentdeckungen warten. Da die Filmindustrie niemals schläft und Papier geduldig ist, werden weitere Biographien zu neuen Stars und Sternchen im Internet unter www.filmszene-d.de veröffentlicht.
Fazit: „Filmszene D“ enthält Kurzbiographien der 250 wichtigsten jungen deutschen Stars aus Kino & TV und überzeugt durch den gelungenen Mix aus Fakten, Anekdoten und filmischen Betrachtungen. Empfehlenswerte Fleißarbeit, die dazu beitragen kann, bisher unentdeckte Sterne am deutschen Filmhimmel für sich selbst zu entdecken.
(
Tino Hahn)