Rezension:
Mit Klatsch, Tratsch und leicht verdaulichen Infohäppchen schuf die Familie Burda ein Millionen-Imperium und ihre Publikationen bevölkern viele deutsche Haushalte: Ihr Verlag erobert wöchentlich Millionen von Lesern mit „Freundin“, „Elle“, „Freizeitrevue“, „Focus“ und „Bunte“. Doch wie begann die beispiellose Erfolgsgeschichte dieser Mediendynastie? Der Autor Peter Köpf hat einen enormen Rechercheaufwand auf sich genommen und die Aufstiegsgeschichte der Burdas detailliert und mit vielen Anekdoten versehen in Buchform gegossen. Neben privaten Einblicken in das Liebesleben der Burdas widmet der Autor sein Hauptaugenmerk allerdings dem Weg, den die kleine Druckerei, mit der die Burdas begannen, bis zum Unternehmen von internationalem Ruf zurücklegte.
Für sein 316 Seiten umfassendes Buch durfte Peter Köpf auch in den unveröffentlichten Memoiren von Franz Burda recherchieren und zerrte so manches wenig schmeichelhafte Detail ans Tageslicht: Beispielsweise druckte Burda Landkarten für das Dritte Reich und entging so dem Marschbefehl nach Stalingrad, der für unzählige Deutsche zu einer Reise ohne Wiederkehr wurde. Direkte Urteile oder Meinungen spart sich der Autor allerdings an dieser und vielen anderen Stellen und geht vielmehr seiner Pflicht als gewissenhafter Chronist nach, der ohne Wertung positive und negative Seiten aufweist.
Mehrere Farbtafeln im Mittelteil geben den Blick frei auf private Eindrücke aus dem Leben einiger Mitglieder der Burda-Dynastie: Die Fotos zeigen die Kommunion von Aenne Burda im Jahre 1919 sowie ihre Verlobung und Hochzeit, die gut zehn Jahre später folgten. Weitere Bilder zeigen Momentaufnahmen aus dem Leben von Hubert Burda. Darunter befinden sich auch Aufnahmen, die ihn an der Seite seiner Frau Maria Furtwängler zeigen.
Den Abschluss des informativen und flüssig zu lesenden Sachbuchs bildet ein mehrseitiger, chronologisch sortierter Überblick über die wichtigsten Stationen auf dem Weg der Familie Burda zur einflussreichen Mediendynastie.
Fazit: „Die Burdas“ liest sich stellenweise spannend wie ein packender Roman und würde der Autor Peter Köpf nicht über eine real existierende Familie schreiben, wären ihm die Kritikerlorbeeren sicher. Aber auch als Sachbuch, das den Aufstieg einer der mächtigsten Mediendynastien Deutschlands minutiös nachzeichnet, eine klare Empfehlung wert.
(
Tino Hahn)