Rezension:
„Der Verrückte auf dem Gleiter flog Angriffe auf Spider-Man. Maschinengewehrmündungen waren an beiden Flügeln ausgefahren worden. Kugeln schlugen im Boden ein, und Spider_Man bewegte sich schneller, als Mary-Jane es für möglich gehalten hätte.
Spider-Man sprang auf und verschoss gleichzeitig dabei sein Netz. Es spannte sich und riss ihn mit nach oben, wo er dem Kugelhagel aus dem Weg gehen konnte. Er schwang sich über den großen Wagen eines Rastas, als der Irre auf dem Gleiter himmelwärts verschwand.
Auf einmal erklang ein knirschendes Geräusch von der Ehrentribüne. Mit einem Knirschen gaben die Streben nach, die Metallnieten knallten heraus wie vorher die Champagnerkorken.“
Spannende Handlung, miserabel geschrieben: Mit diesen zwei Halbsätzen lässt sich der Roman zum Blockbuster dieses Jahres leicht und prägnant umschreiben. Wie fast jedes Buch zum Film, so ist auch „Spider-Man – Der Roman“ wenig mehr als ein weiteres Gimmick für Filmfans, die jedes Merchandisingprodukt noch begierig kaufen, ohne seine Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Denn wie sinnvoll kann ein knapp 380seitiges Buch zu einer Comic-Verfilmung sein? Die Antwort zu dieser Frage dürfte jedem sofort im Kopf klar werden, so dass es keinerlei Grund gibt, dieses Buch zu kaufen. Nach längerem Überlegen fällt mir vielleicht doch noch einer ein: Grundschülern mit notorischer Lesefaulheit könnte man den Besuch von Spider-Man erst dann erlauben, wenn sie sich durch das Buch gequält haben. Doch die Gefahr ist zu groß, dass sie danach niemals wieder ein Buch in die Hand nehmen und man könnte es ihnen noch nicht mal verübeln...
Das einzige wirkliche Pro-Argument sind einige vertiefte und erweiterte Handlungsstränge, die der offensichtlich überforderte Autor dennoch niemals zum Leben erwecken konnte.
Fazit: „Spider-Man – Der Roman“ ist ein misslungener Versuch, die Merchandisingproduktkette zum Blockbuster des Jahres zu bereichern. Den Fans wird es egal sein, doch qualitativ kann das Buch in keiner Weise überzeugen, denn nicht ohne Grund ist Spider-Man ein Comic und keine Romanserie.
(
Tino Hahn)