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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu :
Claude Chabrols Thriller „Die Farbe der Lüge“ erstmals auf Blu-ray Disc
Reifes Meisterwerk des Pioniers der Nouvelle Vague

Der französische Filmregisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler Claude Chabrol (1930-2010) war einer der wichtigsten Vertreter der französischen Nouvelle Vague und bekannt für seine sozialkritischen Filme über die Bourgeoisie. Sein Film „Die Enttäuschten“ war 1958 der erste Film der Nouvelle Vague. Auch in seinen reiferen Filmen bleibt er seiner bevorzugten Thematik treu. Das zeigt der 1999 entstandene dramatische Thriller „Die Farbe der Lüge“ (Originaltitel „Au Coeur du mensonge“), der bei Concorde Home Entertainment in der Reihe Classic Selection erstmals auf Blu-ray Disc erscheint. Das Bonusmaterial enthält den Originaltrailer und kommentierte Szenen. Der Film wurde erstmals auf der Berlinale 1999 vorgestellt und führt die Analyse des Kleinstadtbürgertums fort. Die Aufklärung eines Kindesmords gerät dabei eher in den Hintergrund. Chabrol interessiert sich wie einst Hitchcock eher für das Psychogramm des unschuldig Verdächtigten.

René (Jacques Gamblin), ein gehbehinderter Maler ohne viel Erfolg, und seine Frau, die Krankenpflegerin Viviane (Sandrine Bonnaire), sind neu in das Dorf St. Malo an der bretonischen Küste gezogen. Als eines Tages im Wald die Leiche der zehnjährigen Eloïse gefunden wird, zählt René für die junge engagierte Kommissarin Frédérique Lessage (Varia Bruni-Tedeschi) zum Kreis der Tatverdächtigen, weil Eloïse auf dem Heimweg vom Zeichenunterricht bei ihm war. Durch die Gerüchte im Dorf verliert er nach und nach alle seine Schüler. Seine Frau kämpft entschlossen gegen die Kampagne an, nachdem ihr Mann mit seiner sensiblen Künstlerseele allmählich immer mehr von Selbstzweifeln geplagt wird. Dabei genießt Viviane die Annäherungsversuche des eitlen Fernsehstars und Bestsellerautors Desmont (Antoine de Caunes). Als dieser nach einem Besuch bei Réné und Viviane in der Nähe des Strandes tot aufgefunden wird, zieht sich die Schlinge um den Verdächtigen immer mehr zu. Doch am Ende entpuppt sich Desmots Tod als ein Unfall. Auch der Mord an dem Mädchen wird aufgeklärt, nachdem sich ein biederer Bürger immer mehr in Widersprüche verstrickt hat. Diese spannende Geschichte zeigt wieder einmal, wie im Leben und in der Kunst Misstrauen, Verrat und Lüge vorherrschen.

Chabrol bietet in „Die Farbe der Lüge“ ein elegant inszeniertes Kabinettsstück seiner Kunst. Nach dem konventionellen Beginn im Stil eines klassischen Krimis geht die Handlung schnell in eine Sozialstudie um Heuchelei und Doppelmoral über. Wie so oft in seinen Filmen führt Chabrol seine Protagonisten in Extremsituationen, seien es Gefühle wie Eifersucht, sexuelles Verlangen oder geistige Verwirrung. Ein Netz aus Intrigen und Selbstzweifeln beherrscht die Szenerie. Die aus der Großstadt hinzugezogene Kommissarin wirkt hier in der Provinz, wo sich alle in Schweigen hüllen, wie ein Fremdkörper. Ähnliche Szenerien sind bestens bekannt aus vielen „Tatort“-Folgen. Ein kaltes, unfreundliches Blau als Farbe der Lüge beherrscht über weite Strecken die Szene. Chabrol hat mit diesem Film ein reifes und subtiles Meisterwerk voll psychologischer, philosophischer und filmhistorischer Anspielungen geschaffen. ()

alle Rezensionen von Johannes Kösegi ...
In Westfrankreich liegt die malerische Region der Bretagne, die zugleich das Bild einer Halbinsel besitzt. Schließlich wird die bretonische Region vom Atlantik umgeben und bietet die Gelegenheit zu idyllischen Spaziergängen entlang der Küstenlandschaft. Es finden sich dort zahlreiche Oasen zum Entspannen und Erholen. Doch auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten bestimmen das Bild der Region, vor deren Küste noch über 800 Inseln das Bild bereichern. Dabei handelt es sich um die Blumeninsel Ile-de-Brehat, die westlichste Insel Ouessant sowie um die Glenan-Inseln, deren einzigartige Landschaft den tropischen Ländern ähnelt. Zusätzlich zeichnet sich auch das Festland durch einige besondere Fischerdörfer aus, wobei jetzt die Bretagne im Mittelpunkt des Filmes "Die Farbe der Lüge" steht.

In dem kleinen Fischerdorf an der Bretagne war das Leben bis vor kurzem ganz normal. Man ging seiner Arbeit nach und in der Schule wurde unterrichtet. Gäste kamen und sahen sich das Dorf an. Doch plötzlich gerät das Leben dort völlig aus den Fugen. Die kleine Eloise ist nur zehn Jahre alt, als sie ermordet aufgefunden wird. Noch schlimmer ist es dann, als herauskommt, dass sie vergewaltigt wurde. Umgehend beginnt die Polizei mit ihren Ermittlungen. Zuständig dafür ist Kommissarin Frederique Lesage. Dabei finden sie heraus, dass Eloise sich auf dem Weg nach Hause befand. Sie hatte zuvor Zeichenunterricht gehabt. Dies führt dazu, dass plötzlich ihr Zeichenlehrer Rene sogar als Hauptverdächtiger angesehen wird. Problematisch wird die Situation für den Lehrer schon dadurch, dass der behinderte Maler kein Alibi vorweisen kann. Schnell wächst die Unruhe im Dorf, so dass sich auch die kleinsten Gerüchte sich im Dorf und der Region verbreiten. Eines Tages stellt der Lehrer, der privat unterrichtet fest, dass er keine Schüler mehr hat. Trost kann ihm da seine Frau Viviane bieten. An seine Unschuld glaubt sie noch. Allerdings führt sie ein Doppelleben. Sie hat nämlich eine Affäre, was zu weiteren Komplikationen führt.

In den Hauptrollen sind Sandrine Bonnaire, Jacques Gamblin sowie Antoine de Caunes und Valeria Bruni Tedeschi zu sehen. Verantwortlich für die Regie war Claude Charbrol.

Als Format für den deutschen und den französischen Ton liegt DTS-HD 2.0 vor. Angezeigt werden die deutschen Untertitel auf dem Bildformat von 16:9 Anamorph 1.66:1. Die Freigabe von der FSK erhielt der Film ab 12 Jahren. Für die Veröffentlichung des 113minütigen Filmes war Concorde Video verantwortlich.

Das ist ein Film, der ein hohes Diskussionspotential in sich bietet. Besonders problematisch ist nämlich die Welt schon deshalb, weil Gerüchte viel zu schnell in der Welt herumgetragen werden. Dabei ist oft noch nicht einmal geklärt, ob an diesen Gerüchten etwas wahres dran ist. Das zeigt sich nun auch in diesem Film, in dem der Zeichenlehrer plötzlich all seine Schüler verliert, obwohl seine Schuld noch nicht einmal als sicher erwiesenist. Schwierig ist außerdem auch noch, dass sich noch viel mehr Seiten aufzeigen, da die Welt in dem Dorf doch nicht so in Ordnung ist, wie es den Anschein hatte. Dies ist sehr geschickt inszeniert worden und zeigt auf, wie zerbrechlich doch manches sein kann. Insofern lohnt es sich einmal, in diesen Film reinzuschauen. ()

alle Rezensionen von Marina Teuscher ...
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Medien-Typ: DVD
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