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- Einige Marktteilnehmer wollen neue Common Interface Norm einführen Chaos pur?

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DigitalVD.de News-Reader DigitalVD.de bei Facebook DigitalVD.de bei Twitter   2008-12-27 13:12:01 - Autor: Patrick Fiekers - Titel bei Amazon.de kaufen!

CI Plus gängelt Zuschauer – TV-Sender bestimmen damit künftig was wie lange aufgezeichnet werden kann.


- Einige Marktteilnehmer wollen neue Common Interface Norm einführen Chaos pur?

Seit über 10 Jahren betreiben die Pay-TV-Anbieter in Deutschland Marktabschottung und zwingen den Zuschauern proprietäre Receiver auf, die nicht kompatibel zu den Konkurrenzprogrammen sind. Nur damit ja keine Konkurrenz entstehen kann. Dabei könnte digitales Fernsehen so einfach sein: Der Zuschauer kauft sich einen Receiver oder Digitalfernseher mit Universalschnittstelle (Common Interface) und steckt dann das Pay-TV-Modul seines gewünschten Abo-Kanals ein. Doch offiziell wird dies von den großen Anbietern wie Premiere, Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg, Unitymedia und TeleColumbus blockiert.

Daran wird auch die mögliche neue Norm CI Plus, die sich einige Marktteilnehmer ausge-dacht haben, nicht viel ändern. Das sind die Gründe, weshalb Zuschauer CI Plus ablehnen sollten:

Selbst aktuellste CI-Receiver und CI-Digitalfernseher sind nicht nachrüstbar! Ein CI Plus-Modul sieht zwar rein äußerlich aus wie ein herkömmliches CI 1.0 Modul, es funktioniert jedoch vollständig nur in einem Digitalreceiver oder Digitalfernseher, der zusätzliche Hardware (insbesondere Kopierschutz- und Rechtemanagement-Funktionen) integriert hat. Die über Millionen von verkauften CI-Geräten können definitiv NICHT für die mögliche CI Plus-Norm fit gemacht werden, sondern wären quasi Elektronikschrott.

CI Plus-Empfänger können nachträglich per TV-Signal gesperrt werden: Ein CI Plus-Modul prüft beim Einstecken, ob es sich in einem CI Plus-tauglichen und aktuell als "sicher" eingestuften Empfangsgerät befindet. Nur dann wird der CI Plus-Modus aktiviert. Wird es in ein herkömmliches CI 1.0 Gerät eingesteckt, so verhält es sich maximal wie ein herkömmliches CI 1.0 Modul. Der Verbraucher kann jedoch nicht davon ausgehen, dass sein teuer erstandenes CI Plus-Gerät dauerhaft im CI Plus-Modus arbeiten darf! Die CI Plus-Spezifikation sieht vor, dass über das TV-Signal regelmäßig Widerrufslisten ("re-vocation list") ausgestrahlt werden, mit denen die CI Plus-Funktionalität über das TV-Signal deaktiviert werden kann. Käme ein Pay-TV-Sender zu der Ansicht, dass CI Plus-Receiver des Herstellers möglicherweise manipulierbar wären, könnte er alle im Umlauf befindlichen Exemplare dieses Herstellers oder dieser Modellreihe für Pay-TV-Empfang stilllegen. Für die Zuschauer wäre das eine "Enteignung im eigenen Wohnzimmer". Beispiel aus der Vergangenheit: Nur weil viele Verbraucher ihre d-box2 Receiver lieber mit einem freien Linux-Betriebssystem betreiben, hätte Premiere - wenn es damals bereits CI Plus gegeben hätte - alle anderen d-box2 Geräte, auf denen noch die offizielle Betanova-Middleware läuft, für den Pay-TV-Empfang deaktivieren können. Der Aufschrei in der Bevölkerung wäre groß gewesen! Wer zahlt den Konsumenten Schadensersatz?

Totale Kontrolle 1 (Content Control): Der Fluss des decodierten TV-Signals vom Modul in das Empfangsgerät soll bei CI Plus künftig verschlüsselt stattfinden. Auf deutsch: In einem CI Plus-Modul wird die Verschlüsselung des Sendewegs decodiert (bei Premiere wäre dies beispielsweise Nagravision oder NDS). Anschließend wird das Signal wieder mit einem Content Control Key codiert an das Empfangsgerät weitergegeben, das dann das TV-Signal endgültig decodiert. Damit soll die theoretisch mögliche, in der Praxis jedoch nie praktizierte Möglichkeit den Content an der CI-Schnittstelle abzugreifen, verhindert werden. Dies stopft jedoch nur ei-nes von Tausend vorhandenen Löchern innerhalb der DVB-Sendenorm. Wer Content abgreifen will, wird das auch künftig machen. Selbst lizenzierte Digitalreceiver sind weiterhin manipulierbar. Es wird parallel zu CI Plus-Welt weiterhin Empfangsgeräte und Module geben (z. B. aus dem Ausland), die sich nicht an die Wünsche der Rechteinhaber halten werden.

Totale Kontrolle 2 (Content Security): Die TV-Sender wollen bei CI Plus künftig über die Art der Nutzung bestimmen können ("content usage rules"). TV-Sender wie RTL oder Pro Sieben könnten damit ihren Zuschauern vorschreiben, ob und falls ja wie lange der Content privat aufgezeichnet werden darf. Die CI Plus-Spezifikation sieht hier für die analogen Signalausgänge die Aktivierung eines Kopierschutz-Signals vor (Analogue Protection System, kurz APS). Bei Empfangsgeräten mit integrierter Festplatte sollen die TV-Sender die totale Kontrolle über die Art der Aufzeichnung haben. RTL und Co. könnten so bestimmen, dass z. B. Spielfilm XY nur für ca. 2 Stunden aufgezeichnet werden kann (z. B. für eine reine zeitversetzte Wiedergabe = Time Shift), anschließend würde die Aufnahme ungültig und vom Gerät selbstständig wieder gelöscht. Ebenso wäre möglich, dass Serie ABC nur 1 Woche auf der Festplatte gültig ist. Wer diese Folge später noch ansehen will, könnte dies nur noch kostenpflichtig im Videoportal des jeweiligen Senders nachholen. Der Zuschauer würde damit seine Hoheit über sein Aufnahmegerät verlieren.

Schneller Vorlauf bei Werbepausen blockierbar: Auch bei der Wiedergabe aufge-zeichneter Sendungen kann der TV-Sender dem Zuschauer mittels CI Plus-Spezifikation gewisse Vorschriften erteilen. Beispielsweise könnten Privatsender signalisieren, dass Werbepausen innerhalb aufgezeichneter Spielfilme NICHT übersprungen, sondern nur in Originalgeschwindigkeit wiedergegeben werden können. Dies kennt man beispielsweise von den Urheberrechtshinweisen am Anfang jeder DVD. Auch diese können nicht über-sprungen werden.

Deshalb bringt CI Plus gar nichts
Angenommen Hersteller würden nun in all ihre digitalen Empfangsgeräte CI Plus einbauen, die Pay-TV-Veranstalter würden offiziell CI Plus unterstützen, CI Plus Module erlauben und passende Smartcards anbieten. Dann gäbe es trotzdem folgende Empfangsszenarien in den Haushalten:

a) Pay-TV-Haushalte mit proprietären Receivern
Diese würden Free-TV und Pay-TV wie bisher empfangen. Der Pay-TV-Betreiber hat hier Zugriff auf die Receiver und kann auch bei Bedarf Zwangsupdates durchführen (zuletzt von Premiere im Sommer im Rahmen des CA-Wechsels von Nagravision auf NDS bei einigen Modellreihen durchgeführt).
Der Zuschauer ist in gewissen Bereichen eingeschränkt, so lassen sich beispielsweise die Kanäle nicht beliebig in der Reihenfolge sortieren (z. B. bei Premiere- oder Kabel Deutsch-land-Receiver). Andere Pay-TV-Angebote können meist mit diesen Geräten nicht abonniert werden. Mit proprietären Receivern soll der Markt/Haushalt gegenüber der Konkurrenz ab-geschottet werden.

b) Pay-TV-Haushalte mit CI Plus Fernseher und CI Plus Modul
Der Zuschauer kann ähnlich wie bei einem proprietären Pay-TV-Receiver alle Pay-Angebote abonnieren. Branchenexperten bestätigen, dass CI Plus-Geräte am Markt immer nur einen Teilbereich einnehmen werden. Der Konsument hat also auch hier nur eine eingeschränkte Auswahl beim Gerätekauf. Außerdem gibt er mit dem Kauf eines CI Plus-Geräts seine Hoheit im Bereich Aufzeichnungen und zeitversetzte Nutzung von Sendungen komplett in die Hände der TV-Sender. Dafür zahlt er auch noch mehr Geld für eine CI Plus-Empfangseinheit, als für ein herkömmliches CI-Modell.

Diese beiden Varianten wären das Ideal aller CI Plus-Befürworter. Doch es gibt noch andere Empfangsszenarien:

c) Haushalt mit CI 1.0 Empfangsgerät will Pay-TV (oder auch nur die grundverschlüsselten Privatsender im Kabel) empfangen
Ein CI Plus-Modul würde erkennen, dass es nicht in einem CI Plus-Empfangsgerät steckt. Damit würde die Funktionalität blockiert, eine Entschlüsselung wäre nicht möglich. Der Zus-chauer weicht deshalb auf ein CI 1.0 Modul aus, in dem die Pay-TV-Smartcard trotzdem funktioniert. Er kann problemlos alle Premium-Pay-TV-Inhalte mit herkömmlichen CI-Geräten empfangen und aufzeichnen. Dies lässt sich durch CI Plus NICHT verhindern. Durch Upda-tes werden auch künftige Smartcard-Generationen in bisherigen CI 1.0 Modulen funktionie-ren.

Es wird somit IMMER ein Parallelmarkt existieren. Je mehr die Pay-TV-Betreiber die Zus-chauer durch CI Plus und Co gängeln, desto mehr Zuschauer werden sich offene Emp-fangsgeräte zulegen. Der Receivermarkt entgleitet dadurch immer mehr in zwei verschiede-ne Welten.

Besser wäre es wie im PC-Bereich auch auf offene Schnittstellen zu setzen, die bereits mil-lionenfach ausgeliefert wurden. Kopierschutz hemmt nur den Konsum, bestes Beispiel ist der Audio-Downloadmarkt. Dieser kam erst in Schwung, seit die Anbieter auf den nervigen Ko-pierschutz verzichten und auf offene Standards setzen.

MASCOM ist innerhalb kürzester Zeit in der Lage, ein CI Plus Modul auf den Markt zu brin-gen, lehnt diese Technologie jedoch ab. "CI Plus bringt für Zuschauer nur Nachteile", so Heinz Gruber. "Das widerspricht unserer Firmenphilosophie."

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Quelle: MASCOM GmbH
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