Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
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Dezember 1944: Der totale Krieg ist so gut wie total verloren. Doch so leicht will Goebbels sich nicht geschlagen geben. Am Neujahrstag soll der Führer mit einer kämpferischen Rede noch einmal die Massen begeistern. Das Ganze hat nur einen Haken: Der Führer kann nicht. Krank und depressiv meidet er ...
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Rezension / Filmkritik von Bernd Hellweg (Review)
Hitler ist im Kino spätestens seit "Der Untergang" hoffähig. Als der in Berlin lebende Schweizer Regisseur Dani Levy sich dann jedoch im Januar 2007 mit "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" an eine Tragikomödie wagte, geriet der Film schnell in die Schlagzeilen.
Darf man über Hitler lachen? Darf man einen Komödianten wie Helge Schneider in diese Rolle schlüpfen lassen? Und darf man, weil er gar so armselig als isolierter, impotenter Bettnässer dargestellt wird, sogar Mitleid mit dem Massenmörder Hitler haben?
Es sollte keine Zeit mit der Frage verschwendet werden, ob und wie man diesen Film machen durfte. Natürlich durfte man das. Auch wenn sich Hauptdarsteller Helge Schneider mit der Endfassung unzufrieden zeigt, ist dies ein Werk, das im deutschen Filmgeschäft eigentlich längst überfällig war.
Die Handlung: Berlin 1944: Die Stadt ist zerbombt, die Russen stehen vor der Tür und sowieso ist alles ziemlich bescheiden gelaufen. Um die Deutschen zu einem letzten, den Feind hinwegpustenden Volkssturm zu mobilisieren, soll der Führer (Helge Schneider) am Neujahrstag die Massen mit einer seiner berühmt-berüchtigten Kampfreden mitreißen. Doch Adolf ist krank, depressiv und hat ganz einfach keinen Bock. Um ihn doch noch rechtzeitig wachzurütteln, lässt Dr. Joseph Goebbels (Sylvester Groth) Hitlers ehemaligen Schauspiellehrer Prof. Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe, Das Leben der Anderen) aus dem KZ Sachsenhausen kommen. Grünbaum soll zum einen gemeinsam mit Hitler an dessen Rede feilen, zum anderen als Jude den Diktator aber auch gleichzeitig zur Weißglut bringen, damit dieser seinen früheren Hass und damit seinen Antrieb wiedererlangt. Hinter den Kulissen laufen unterdessen die Planungen für einen Putschversuch: Goebbels und Heinrich Himmler (Ulrich Noethen) wollen ihren angeschlagenen Führer in die Luft sprengen, um das Attentat anschließend Grünbaum in die Schuhe zu schieben. Und nebenan dreht der gutgläubige Führer als bellender Hund seine arglosen Runden…
Dani Levys Film ist ebenso sehenswert wie interessant, aber leider auch misslungen, da eine Politsatire mehr bieten sollte, als zwischen derber Komödie und sentimentalem Melodram hin und her zu pendeln. Statt dem erwarteten und erhofften Schwachsinn (im positiven Sinne!) bekommt man lediglich komplett durchkalkulierten „Humor“ geboten, der zwar bis in die letzte Faser politisch korrekt, aber nur in wenigen Momenten auch wirklich lustig ist.
So siegte am Schluss doch die Feigheit des Filmemachers vor der eigenen Courage. Denn der Grundton des Films war ursprünglich viel böser, durchsetzt mit bissigem, schwarzen Humor. Ein wenig anarchischen Witz á la Walter Moers („Adolf – Ich hock in meinem Bunker“) hätte dem Film bestimmt gut gestanden.
Doch trotz allem, es darf gelacht werden, der Führer ist als Witzfigur zum Abschuss per Pointe freigegeben. Mit treffenden Dialogen (etwa wenn sich Hitler über Goebbels' Schreibkunst echauffiert: "Wollt ihr den totalen Krieg!" oder wenn der zum jüdischen Lehrer sagt: "Nehmen sie die Endlösung nicht persönlich") funktioniert das Ganze erstaunlich gut. Helge Schneider & Ulrich Mühe spielen absolut überzeugend, und auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt.
Alternativen: Charlie Chaplins „Der große Diktator“, „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch sowie „Schtonk!“ mit Uwe Ochsenknecht.
Zur DVD selbst: Das Bild (16:9) ist durchaus ansprechend. Natürliche Farben sowie zufrieden stellende Schärfe- und Kontrastwerte können hier den Zuschauer überzeugen. Der 5.1-Ton wurde gut abgemischt, auch wenn er sich themenbedingt eher nur in den vorderen Boxen aufhält. Mehr als der Film beeindruckt das Bonusmaterial. Hier führt Dani Levy persönlich durchs Menü. Rechtfertigt hier ein alternatives Ende, schmückt dort die entfallenen Szenen mit einer Anekdote aus. Besonders interessant sind neben dem „Making Of“ die zahlreichen Featurettes, die verrate, wie aus Berlin von heute das Berlin von 1944, und wie aus Helge Schneider Adolf Hitler wurde.
Rezension / Filmkritik von Frank Brenner (Review)
Mit seinem Überraschungserfolg Alles auf Zucker! hat Dani Levy vor zwei Jahren wohl Blut geleckt. Er hat gemerkt, dass man auch hierzulande eine kracherne Komödie über die jüdische Lebensart drehen kann, die nicht von den Feuilletonisten ausgebuht wird, sondern Kritiker und Zuschauer gleichermaßen im Sturm erobert. Nun hat er sich mit Mein Führer noch mehr getraut und eine Parodie auf die nicht abreißende Flut der NS-Aufarbeitung in Film und Fernsehen allererster Güte hingelegt. Warum auch immer alles so bierernst nehmen, was sich doch so trefflich für eine Verhohnepiepelung eignet? Levy erzählt „die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, wie der Untertitel uns wissen macht, aus der Sicht des im KZ Sachsenhausen inhaftierten jüdischen Schauspielers Adolf Grünbaum. Der wird nämlich auf Anweisung Joseph Goebbels zusammen mit seiner Familie wider Erwarten entlassen, weil er zum Jahreswechsel 1944/45 den in einer schweren Krise steckenden Führer moralisch wieder aufbauen soll, damit er in den Ruinen Berlins eine historische Neujahrsrede halten kann. Aufbauend auf diese abstruse Ausgangssituation zieht Dani Levy mit einem formidablen Darstellerensemble sämtliche Register, wenn er in seiner episodenhaften Handlung die gesamte NS-Menagerie der Lächerlichkeit preisgibt. Allen voran natürlich der Hauptübeltäter, der mit Make-up-Hilfe und großartigem Understatement von Helge Schneider gespielt wird. Den sich im Laufe des Films in immer absurdere Gefilde steigernden Witz von Alles auf Zucker! kann Levy hier zwar nicht ganz erreichen, zumal ihm in der zweiten Hälfte zeitweise die Luft ausgeht. Trotzdem ist es dem jüdischen Filmemacher gelungen, die seit Christoph Schlingensiefs Bunker-Ballade 100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker witzigste deutsche NS-Abrechnung abzuliefern.
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