Königreich Arktis
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KÖNIGREICH ARKTIS zeigt zwei arktische Stars, das Eisbärenmädchen Nanu und das Walrossmädchen Seela, in einer liebevoll und kindgerecht erzählten Geschichte über besonderen Familienzusammenhalt, Mut und Überlebensinstinkt. Realistisch, spannend und hautnah begleitet die Kamera die zunächst noch ...
Rezension / Filmkritik von Tino Hahn (Review)
Knut und Flocke haben einen Eisbären-Hype losgetreten, der zeitweise hysterische Züge trug: Selbst die banalsten und in der Entwicklung jedes Tiers vorkommenden Ereignisse wurden von einem Medienecho begleitet, das um die ganze Welt schallte. Wesentlich weniger aufgeregt und deshalb umso angenehmer kommt hingegen „Königreich Arktis“ daher und konnte es dennoch – oder gerade deshalb – zu soliden Besucherzahlen im Kino bringen. Die Naturdokumentation erzählt parallel die Geschichte eines jungen Eisbärenmädchens und einem weiblichen Walross während des arktischen Sommers. In nie gesehenen Bildern erzählt der Film dabei von der kräftezehrenden Nahrungssuche der Eisbären, die sich auf die Spuren der Walrösser geheftet haben. Ohne deren Fleisch können die Eisbären den kommenden Winter nicht überleben.
„Königreich Arktis“ tappt nicht in dieselbe Falle wie die deutsche Synchronfassung von „Die Reise der Pinguine“: Auf die Vermenschlichung der Tiere verzichtet wird in „Königreich Arktis“ verzichet; zwar erliegt das Regisseurs-Duo immer wieder kurz der Versuchung, den Kuscheltier-Charakter zu stark zu betonen, doch über weite Strecken wird klar, dass es sich um wilde Tiere handelt, die leben, um zu überleben. Dadurch büßt die Doku zwar vielleicht beim jüngsten Publikum an Überzeugungskraft ein, dennoch wird ein Effekt vermieden, der auch bei der ‚pädagogisch wertvollen‘ Zeichentrickserie „Es war einmal…Das Leben“ zu beobachten war - oder welchen Eltern verursacht es kein Magengrimmen, wenn der Nachwuchs denkt, dass im menschlichen Körper Bagger abgestorbene Viren beseitigen oder eben Pinguine mit menschenähnlichen Motiven durch die Antarktis wandern?
Trotz dieser Vorzüge muss jedoch auch bei „Königreich Arktis“ stets klar sein, dass die Rahmenhandlung von Menschen erdacht wurde und nicht zufällig vom Kamerateam eingefangen wurde. Auch beim Anprangern der Auslöser für die Klimakatastrophe ist die Naturdokumentation jedoch bei Weitem nicht konsequent genug, um über ihren reinen Unterhaltungsaspekt hinwegtäuschen zu können. Die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung wird nur am Rande thematisiert, denn offenbar würde es den Unterhaltungswert senken, wenn Fakten statt Geschichten erzählt würden. So erfährt man über das Leben der Walrosse stattdessen, dass zu viel verzehrte Muscheln zu üblen Flatulenzen führen können. Für kleine Zuschauer sicherlich ein Heidenspaß, doch der Lerneffekt ist doch eher gering.
Fazit: „Königreich Arktis“ ist eine optisch imposante Natur-Doku, die sich ganz auf die von der Klimakatastrophe bedrohte Tierwelt der Arktis konzentriert und sich weitgehend dagegen verwahrt, die gezeigten Tiere zu vermenschlichen. Auch die musikalische Untermalung passt sich ganz den gezeigten Bildern auf und widersteht der Versuchung, den gezeigten Bildern ein Klangkleid voller Emotionen überzustülpen. Klar im Vordergrund steht jedoch dennoch der Unterhaltungsfaktor, sodass vielversprechende Dokumentations-Ansätze geopfert werden, um Kinder zum Lachen und Mitfiebern zu bringen.
Rezension / Filmkritik von Frank Brenner (Review)
Thierry Piantanidas im letzten Jahr gezeigter Dokumentarfilm Der weiße Planet, in dem man u.a. die Aufzucht zweier Eisbärjungen beobachten konnte, schloss mit der Warnung, dass das Paradies der Arktis durch die jährlich weiter schmelzende Polkappe extrem bedroht ist. Königreich Arktis weist auf diesen Fakt bereits nach kurzer Einführung hin und macht ihn zum Dreh- und Angelpunkt seiner in eine Dramaturgie gegossenen Handlungsführung. Dies dürfte nicht zuletzt dem Mitwirken von Al Gores Tochter Kristen am Drehbuch geschuldet sein, die das Engagement für eine Aufklärung über den weltweiten Klimawandel von ihrem Vater geerbt zu haben scheint. Das Regieehepaar Adam Revetch und Sarah Robertson hat in über 15 Jahren das Filmmaterial für diesen aufschlussreichen Dokumentarfilm zusammengetragen.
Im Zentrum stehen die kleine Eisbärendame Namu und das Walrossfräulein Seela, deren Heranwachsen auf dem arktischen Eis mittlerweile noch komplizierter geworden ist, als es ohnehin schon immer war. Das Eis taut früher und kommt erst später wieder zurück, was das Überleben für diese beiden Spezies zu einem wahren Abenteuer macht. In dieser Weise haben die beiden Filmemacher das Geschehen auch aufgearbeitet. Das spielerische Erlernen der lebensnotwendigen Fähigkeiten ist dabei ebenso Teil des fiktionalen roten Fadens wie die zermürbende Jagd nach Futter oder die endlose Suche nach einem sicheren Zufluchtsort. Popsongs und eine im didaktisch-märchenhaften Tonfall gehaltene Erzählstimme begleiten die fantastischen Naturaufnahmen zwar nicht immer vorteilhaft, schaffen es aber, das Gezeigte zu personalisieren und damit vor allem für ein junges Publikum besser verständlich zu machen. Der Niedlichkeitsfaktor eines Knuts tritt hier in den Hintergrund zugunsten einer realistischen Beobachtung dieser Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum.
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