Die zweigeteilte Frau - Home Edition
Rezension / Filmkritik von Jean Lüdeke (Review)Liebe, Lust und Eifersucht, die Hauptmerkmale dieses Geist-ist-geil-Dramas: Altmeister Claude Chabrol, vor einem halben jahrhundert Mitbegründer der Nouvelle Vague, liefert hier ein klassisches Sujet ab, das wieder einmal zeigt, dass auch verlogene Liebe zu dritt nur im leiden enden kann: In der auf der Lebensgeschichte eines New Yorker Star-Architekten basierenden Geschichte gerät die hübsche Gabrielle (Ludivine Sagnier) zwischen zwei Männer. Eines schicksalsverbrämten Tages begegnet sie dem berühmten Schriftsteller Charles Saint-Denis (François Berléand). Der ist ein stattlicher Mann um die sechzig, und ein französischer Lebemann, wie man ihn sich vorstellt - ein Hedonist und Gourmet, langjähriger Ehemann und Frauenheld, ebenso egoistisch wie schlau und natürlich charmant. Mit senilem Kennerblick sieht er sofort, was für treffliche Gespielin Gabrielle abgeben würde, und beginnt mit ihr zu flirten - und rennt offene Türen ein. Ein Vaterersatz? Mag sein, aber da ist noch was Anderes in dieser Beziehung, das sich nicht so leicht erklären lässt, das sie dazu verleitet, sich Hals über Kopf in eine heftige Liebesaffäre zu stürzen. Doch noch jemand anderes hat ein scharfes Auge auf die berückende Giselle geworfen: Paul Gaudens (Benoît Magimel). Er ist der einzige Sohn einer begüterten Industriellenfamilie, ein smarter, verwöhnter und arroganter junger Schnösel der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat als das elterliche Vermögen beidhändig aus dem Fenster zu schaufeln. Normalerweise sind Frauen für ihn einfach nur ein weiterer Teil seiner käuflichen Lust, das, was andere Liebe nennen ist für ihn platte Attitüde. Doch Giselle, der Goldfisch im Haibassin, rührt ihn irgendwie. Hier kann kohle kaum kompensieren. Kann so etwas etwa Liebe sein? Wer bislang glaubte, Claude Chabrol habe schon umfassend über die Anti-Ethik der Bourgeoisie gefilmt, wird hier auf zynisch-unterhaltsame Weise eines viel besseren belehrt. Kaum ein Regisseur beherrscht die Gratwanderung vermeintlich wahrer Liebe, sexueller Hörigkeit und der humanen Gemeinheit dieses Schlachtfeld wie dieser meisterliche Filmemacher. Chabrol steckt das naive Fräulein in die trügerische Welt des TVs und setzt somit der Täuschung die Krone auf. Gleichzeitig zerstört er diese Welt des Trugbilds, die in eine Society des schönen Scheins wütet, die ihr wahres ich moralisch kontaminiert. Falsches Lächeln wird zur offenen Pflicht, und Desinteresse treibt wundersame Blüten der Illusion. Die zweigeteilte Frau (der Filmtitel stammt vom altbekannten und antiquierten Varieté-Zaubertrick) ist das fesselnde Drama einer fatalen Dreiecksbeziehung, und gleichzeitig ein Gleichnis auf das Wesen der Liebe selbst: Mit ruhiger Hand, weichem und wahrem Geist malt Altmeister Chabrol ein präzises Porträt aus dem humanen Hades: irritierend, insistierend und infam. Rezension / Filmkritik von Frank Brenner (Review)Wenn der französische Vielfilmer und Altregisseur Claude Chabrol einen neuen Film vorlegt, weiß man seit geraumer Zeit, was man zu erwarten hat. In den elitären Kreisen der französischen Bourgeoisie geht es um sexuelle Begierden, menschliche Abgründe und nicht selten auch um Mord. Hat Chabrol eine Romanvorlage adaptiert, ist das Ergebnis häufiger noch deutlich überzeugender als wenn er sein Lieblingsthema mal wieder nach eigenem Gutdünken seziert. Die zweigeteilte Frau ist keine Literaturadaption. Gabrielle (Ludivine Sagnier) ist eine 25jährige Jung-Moderatorin, die sich unsterblich in den Erfolgsschriftsteller Saint-Denis (François Berléand) verliebt, der ihr Vater sein könnte. Doch dann ist da auch noch Paul Gaudens (Benoît Magimel), der millionenschwere Spross einer Industriellenfamilie, der Gabrielle den Hof macht. Zwischen den eigenen Begehrlichkeiten und den Begehrlichkeiten anderer droht Gabrielle entzweizubrechen. Chabrol inszeniert seinen Film in Settings, die man aus unzähligen seiner vorherigen Filme zu kennen glaubt. Teure Designervillen und traditionelle Landsitze geben sich ein Stelldichein, dazwischen ist der Film auf exklusiven Empfängen und Auktionen angesiedelt. Das Schicksal der selbstgefälligen Protagonisten lässt einen dabei aber dermaßen kalt, dass man sich schon recht bald gepflegt zu langweilen beginnt. Wären da nicht einige verspielte Details, die Chabrol als Running Gags in Szene setzt, und ein paar ironisch-süffisante Szenenwechsel, könnte man am Talent des einstigen Regiemeisters zu zweifeln beginnen. |
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