Mein bester Freund
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François ist ein erfolgreicher Antiquitätenhändler, der nur für seine Arbeit lebt. Eines Tages ersteigert er gegen den Willen seiner Geschäftspartnerin Catherine eine griechische Vase, die sein Leben völlig verändert. Der Legende nach füllte Achilles, aus Trauer um seinen toten Freund Patroklus, das ...
6.99 Euro
Rezension / Filmkritik von Thomas Steffens (Review)
Insbesondere die jüngsten Arbeiten des französischen Autorenfilmers Patrice Leconte zeichnen sich durch inhaltliche Parallelen aus, die beim Betrachten seines aktuellen Films Mein bester Freund Anlass zu der Spekulation geben, dass der Regisseur hier einem Impuls folgt, einem Drang quasi, eine bestimmte Geschichte immer wieder zu erzählen. In Das zweite Leben des Monsieur Manesquier (2002) war es ein Zufall, der einen raubeinigen Bankräuber (Johnny Hallyday) mit einem penibel-langweiligen pensionierten Lehrer (Jean Rochefort) zusammenbrachte. Die geradezu konträren Protagonisten freunden sich im Laufe des Films dennoch miteinander an, lernen jeweils eine Menge vom anderen, von dem sie sich insbesondere die Seiten abschauen, die ihnen bislang fremd geblieben waren. In Intime Fremde (2004) sind es erneut zwei Unbekannte, die unverhofft zum eingespielten Team werden, als sich Anna (Sandrine Bonnaire) auf dem Weg zum neuen Psychoanalytiker in der Tür irrt und dem ahnungslosen Steuerberater William (Fabrice Luchini) ihre Eheprobleme beichtet. In beiden Fällen thematisierte Leconte schon unterschwellig den Begriff der Freundschaft, den er nun in den Mittelpunkt stellt.
François (Daniel Auteuil) ist ein erfolgreicher Antiquitätenhändler, dessen Defizite sich aber offensichtlich auf den privaten Umgang mit seinen Mitmenschen erstrecken. Als ihn seine Geschäftspartnerin (Julie Gayet) bei einem formellen Essen mit der Erkenntnis provoziert, François hätte keinen wirklichen Freund, wettet dieser dagegen, indem er verspricht, bis zum Ende des Monats seinen besten Freund vorzustellen. Beim Abklappern der Möglichkeiten muss der Geschäftsmann aber schließlich feststellen, dass seine emotionslose Art wirklich nur Bekanntschaften hervorgebracht hat, die sich auf professionelle Bereiche beschränken. Durch einen Zufall begegnet er innerhalb kürzester Zeit zweimal dem gleichen Taxifahrer (Dany Boon), dessen Redseligkeit ihm bei Unbekannten schnell Sympathien verschafft. François versucht, Bruno dazu einzuspannen, ihm dabei behilflich zu sein, in der benötigten Zeit diesen besten Freund aufzutreiben. Dabei übersieht er zunächst, dass Bruno trotz seiner aufgeschlossenen, sympathischen Art selbst keine tiefer gehenden Freundschaften unterhält und in François nun mehr und mehr das zu erkennen glaubt, was für ihn ein bester Freund wäre.
Die Handlungsführung von Mein bester Freund kann man nicht gerade als sonderlich originell bezeichnen, denn man braucht nicht viel Fantasie, um schnell zu durchschauen, dass sich mit dem Taxifahrer nicht nur das Hilfsmittel für François’ Problembeseitigung gefunden hat, sondern die Lösung selbst. Dennoch stößt einem diese Durchschaubarkeit überhaupt nicht so unangenehm auf wie bei einem vergleichbaren Hollywoodfilm. Denn Patrice Leconte ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der ganz genau weiß, wie er seine Story auf den Punkt genau inszeniert und stattet sie mit einem typisch französischen Witz und Charme aus, der aus anderen Filmländern weitestgehend unbekannt ist. Transportiert werden diese von zwei famosen Hauptdarstellern: Daniel Auteuil ist hier gegen sein Standardimage des liebenswerten Sympathieträgers besetzt und spielt einen emotionalen Loser im Dress des erfolgreichen Geschäftsmannes. Ihm zur Seite steht der in Deutschland noch relativ unbekannte Dany Boon, der in Frankreich momentan zu den erfolgreichsten Stand-Up-Comedians zählt. Als belesener Taxifahrer Bruno zieht er das Publikum im Nullkommanichts auf seine Seite, zumal er mit einer großen Portion Lampenfieber ausgestattet ist. Als Kandidat für die französische Variante von „Wer wird Millionär?“ hat er deswegen zunächst kaum eine Chance, weil er trotz phänomenalen Wissens die richtige Antwort im entscheidenden Moment nicht herausbekommt. Leconte lässt seine liebenswerte Freundschaftsgeschichte am Ende dann trotzdem beim populären Fernsehquiz gipfeln, bei dem so manche Erkenntnis gemacht und die dem Kinozuschauer bekannten Konstellationen für einige wunderbare Gags genutzt werden.
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