13 Tzameti
Rezension / Filmkritik von Jean Lüdeke (Review)Mit seinem extraordinären Regiedebüt ist Gela Babluani ein fesselnder Thriller über die Reise eines jungen georgischen Immigranten in die Abgründe der menschlichen Seele gelungen. Russisch Roulette macht als morbide Metapher ungerechte Zufälligkeiten möglich: Und gerecht geht es in dieser beklemmenden lmodifizierten Film Noir-Nuance über Tod und Gier nie vor. Aus Michael Ciminos Vietnamdrama “The Deer Hunter“ klebt jene Szene, in der Robert De Niro und Christopher Walken in einem wahnwitzigen Revolver-Spiel um ihr Leben kämpfen, noch in unseren Köpfen. Krasser kann Kino kaum sein. Oder? Doch, denn Gela Babluani überrumpelt den Betrachter durch seine noch quälerische Variante. Es mag weltweit Fight Clubs und nicht nur in Japan die Suicide Circles geben, diese fatalere Form des gefährlichsten aller Spiele. Aber mit seiner degenerierten Menschenverachtung und misanthropischer Dekadenz toppt Babluani alles: Ein unwissender Teilnehmer in dem Tötungs-Turnier ist der junge Sébastien (George Babluani), dem zufällig gelungen ist, sich ins „Spiel“ einzuschleichen. Was ihn in der abgelegenen „Villa“ erwartet, weiß er indes nicht; als es erfährt, ist es zu spät. Dreizehn Männer - Sébastien ist die Nummer 13 - stehen im Kreis und reichen jeweils einen Revolver auf den Kopf ihres Vordermannes. In jedem Revolver ist nur eine scharfe Kugel neben einer Reihe von Platzpatronen. Die groteske Runde findet unter "Aufsicht" einer Gruppe wohlhabender, aber eher "passiv" veranlagter Mitspieler statt: Sie wetten untereinander, wer überleben und wer sterben wird. Sébastien überlebt das Spiel. Doch dann muss er erfahren, dass dies nur die erste Runde war. Die Revolver werden erneut geladen. Denn dieses ominöse Unterfangen zwischen Geldsegen und Genickschuß, den dekadente Geldsäcke zum persönlichen Kick organisieren, erlaubt kein Kneifen: Rien ne va plus.… Es ist, als hätte Franz Kafka die literarische Vorlage geliefert, Aki Kaurismäki das Drehbuch verfasst, Robert Bresson die Kamera geführt und Krzysztof Kieslowski die Farbdramaturgie gestaltet. In düsteren und desolaten schwarz-weißen Tableaus entfaltet sich die bizarre Geschichte, deren sensitive Unheimlichkeit der Ohnmacht in unerträgliche Spannung umschlägt. Insbesondere fällt aucf, dass dieser Schwarzweißfilm die bedrohliche Atmosphäre versiert und perfide bis zur Unerträglichkeit die dramaturgische Spannung aufbaut.. Und so penetrant mechanisch war eine in Französisch befehlende Stimme schon ewig nicht mehr, wie die des Speakers beim tödlichen Wer-Erschießt-Wen?-Spiel. Selten wurde ein Debüt mit so vielen Preisen belohnt: Von Venedig bis Sundance räumte diese Allegorie auf Tragik und Tod, Würde und Wertlosigkeit alles ab. Rezension / Filmkritik von Frank Brenner (Review)
Sébastien repariert als Dachdecker eine Villa am Strand. Als der Hausherr einer Überdosis erliegt, kommt Sébastien zufällig in den Besitz eines Zugtickets und einer Hotelreservierung. Er weiß, dass sich dahinter ein lukrativer Job verbirgt und macht sich unter falschem Namen auf den Weg, ohne zu wissen, auf was er sich einlässt. Schonungslose Gesellschaftsstudie.
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