Kaspar Hauser
Schauspieler / Schauspielerinnen in Kaspar Hauser:
Darsteller:
André Eisermann, Udo Samel, Jeremy Clyde, Katharina Thalbach, Cécile Paoli, Hansa Czypionka, Hermann Beyer, Dieter Mann, Johannes Silberschneider, Peter Lohmeyer Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Kaspar Hauser:
Einem Papier zufolge, welches er bei sich trug, sollte er am 7. Oktober 1812 einem armen, kinderreichen Taglöhner „gelegt worden" sein. Kaspar Hauser schrieb der des Sprechens offensichtlich nicht besonders Kundige auf ein Papier, als er nach seinem Namen gefragt worden war. Später, im Sprechen geübter, erzählte er, in einem dunklen engen Verließ aufgewachsen zu sein, wo jeden Morgen Brot und Wasser neben der Schlafstelle gestanden hätten. Ab und zu habe das Wasser bitter geschmeckt. Wenn er nach dem Verzehr jenes Wassers aus dem Schlaf aufgewacht sei, habe jemand seine Kleidung gewechselt und seine Nägel geschnitten gehabt. Eines Tages sei ein Mann zu ihm gekommen, habe ihn gelehrt, „Kaspar Hauser" zu schreiben und den Satz zu sprechen: „Ein Reiter will ich werden, wie mein Vater einer war." Wie er nach Nürnberg gekommen war, wusste er nicht. Professor Daumer, der den Jungen in Nürnberg sieht, interessiert die Geschichte und er will sich um die Erziehung des Jungen kümmern. Mit Daumers Hilfe lernt Kaspar sprechen, lesen und „denken". Allerdings gibt es auch weiterhin Menschen, die Kaspars Entwicklung argwöhnisch verfolgen und gar nicht wollen, dass der Junge irgendwelche Fortschritte macht. Allen voran hier Lord Stanhope, den der badische Hof als „Beobachter" entsandt hat, denn ein Gerücht behauptete, Hauser sei der 1812 geborene Erbprinz von Baden, den man gegen einen sterbenden Säugling vertauscht und beiseite geschafft habe, um einer Nebenlinie des badischen Fürstenhauses die Thronfolge zu ermöglichen. Am 14. Dezember 1833 kam Kaspar Hauser mit einer schweren Stichverletzung im Unterleib nach Hause und berichtete von einem Attentat im Ansbacher Hofgarten. Drei Tage später starb er an den Folgen der Verletzung. Das diese Geschichte, die bislang so viele Menschen beschäftigte und deren Gemüter erregte, natürlich auch für die Leinwand adaptiert wurde, ist wohl klar. Der erste Film „Die Tragödie des Kasper Hauser“ entstand schon 1915, 1966 gab es eine 3-teilige Fernsehserie unter dem Titel „Der Fall Kaspar Hauser“, und 1974 nahm sich Regisseur Werner Herzog („Fizcarraldo“) den Stoff unter dem Titel „Jeder für sich und Gott gegen alle“ an, dem es allerdings nicht um einen bloße filmische Aufbereitung der Historie oder den kriminologischen oder zeitkritischen Aspekt geht, sein Interesse war eher, wie erfährt ein Mensch die Welt, jemand, der bis ins Erwachsenenalter hinein in absoluter Isolation gehalten wurde und bar jeder Erfahrung und jeden Wissens ist. Ganz anders die vorliegende DVD „Kaspar Hauser“, eine Verfilmung aus dem Jahr 1992 von Regisseur Peter Sehr („Obsession“ mit Heike Makatsch und Daniel Craig). Hier ist nicht so sehr die philosophischen oder pädagogischen Aspekte der Geschichte im Mittelpunkt, sondern vielmehr die historische Kriminalgeschichte, die den Film bei weitem spannender und auch unterhaltsamer macht. Regisseur Peter Sehr schafft es, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, das die Geschichte sich genau so zugetragen hat, wenngleich sich der Zuschauer von Anfang an darüber klar sein muss, dass natürlich auch diese Adaption keine „wahre" Lösung anbieten kann. Besonders beeindruckend ist die schauspielerische Leistung von André Eisermann als Kaspar Hauser (sein Leinwanddebüt). Mit einer außergewöhnlichen Intensität und allen denkbaren Facetten spielt André Eisermann diese Rolle und erweist sich als Idealbesetzung. Zur DVD selbst: Das Bild (nicht wie angegeben 4:3 sondern 16:9) wirkt etwas unscharf ist zudem noch leicht verdreckt, ist aber nicht besonders störend. Der Ton (Dolby Digital 2.0) bietet bezüglich seiner Dialoglastigkeit natürlich keine Effekte, ist aber jeder Zeit gut verständlich und schafft eine einigermaßen nette Räumlichkeit. An Bonusmaterial gibt es das Übliche auf Texttafeln wie z. B. Filmhintergründe, Biografien der Darsteller und des Filmteams sowie Trailer. Übrigens, wer sich erstmals im Hauptmenü befindet, sollte nicht auf „Film Fortsetzen" gehen, den dann geht alles wieder von vorne los, Sprich Mawa / VCL Logo etc. Einziger Weg zum Film ist „Film Start". Fazit: Ein brillanter Film auf einer leider keineswegs überzeugenden DVD. Aber was soll’s, den Film sollte man kennen. Doch noch einmal zurück zu Kasper Hauser selbst! Die Frage, die bis heute die Gemüter bewegt, ist, wer war Kaspar Hauser? Wo kam er her? Wo war er vor seinem Auftauchen in Nürnberg? Im Wesentlichen gibt es zwei große Lager in der Kaspar-Hauser-Forschung. Die einen sagen, er sei ein Betrüger und Hochstapler gewesen, der alle Welt bis auf den heutigen Tag hinters Licht führt. Die anderen sind der festen Überzeugung, Kaspar Hauser sei der erstgeborene Sohn des badischen Großherzogs Karl (1786 - 1818) und Stephanie Beauharnais (1789 - 1860). Eine endgültige Klärung der wahren Herkunft Kaspar Hausers konnten auch die Gen-Untersuchungen im Jahr 1996 nicht bringen, die das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" veranlasst hatte. Fest steht seither nur, dass das Blut auf der Kleidung Kaspar Hausers vom Attentatstag keine Übereinstimmung mit den Nachkommen der Schwestern des Erbprinzen hat, für den Kaspar Hauser gehalten wird. 2002 führten Wissenschaftler des rechtsmedizinischen Instituts aus Münster eine weitere Genanalyse durch, die durch eine ARTE-Dokumentation bekannt wurde. Sie nutzten sechs Proben toten Gewebematerials (u.a. Haare) und fanden heraus, dass dessen genetischer Code nicht mit dem von der Unterhose Kaspar Hausers stammenden Blut identisch ist. Dagegen sei die genetische Übereinstimmung mit weiblichen Nachfahren der Stephanie de Beauharnais relativ hoch. Ein endgültiges wissenschaftliches Gutachten steht indessen noch aus. (Bernd Hellweg) alle Rezensionen von Bernd Hellweg ... 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