Yes
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Joan Allen Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Yes:
Mit der famosen Virginia Woolf-Verfilmung „Orlando“ wurde Regisseurin Sally Potter schlagartig zum Liebling einer anspruchsvollen Schicht zumeist weiblicher Kinogängerinnen, die in den Filmen der Regisseurin genau jene Mischung aus Anspruch, Poesie und großen Bildern fand, die andere Filmemacher nicht auf Leinwand zu bannen vermochten. Nach ihrem anfänglichen Erfolg bei Publikum und Kritikern stießen ihre weiteren Filme dann jedoch nur noch auf positive Resonanz bei den Zuschauern, während Kinojournalisten ihr Werk aufgrund der zunehmenden Kitschtendenz und zahlreicher pseudophilosophischer Elemente argwöhnisch betrachteten. Mit „Yes“ mutet die 56jährige Regisseurin ihrem Publikum nun einen Film zu, dessen Dialoge komplett in jambischer Versform vorgetragen werden. Allerdings handelt es sich bei ihrem fünften Kinofilm nicht um ein Kostümdrama, sondern um einen zeitgenössischen Film, der munter mit Versatzstücken der romantischen Komödie jongliert. Den Klischees dieses an Klischees wahrlichen nicht armen Genres versagt sie sich jedoch völlig und reichert ihren Film stattdessen mit einer politischen Dimension an: Die Liebesgeschichte in „Yes“ soll der Dämonisierung der arabischen Welt durch die Nachwehen des 11. Septembers entgegenwirken; deshalb handelt es sich bei der frustrierten Ehefrau um eine Amerikanerin, während der Ehemann ein zynischer und gefühlskalter Politiker ist und sich als dritte Person noch ein herzensguter Flüchtling aus dem Libanon dazugesellt. Diese womöglich aufrichtig gemeinte und wichtige Botschaft geht jedoch in der artifiziellen Umsetzung des Films unter und wird von den gestelzten Dialogen vollkommen erdrückt. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass „Yes“ nur in der Originalversion seine Wirkung entfaltet, denn die deutsche Umsetzung verwandelt den Film allzu oft in eine unfreiwillig komische Komödie, obwohl sich das Synchronstudio redlich Mühe gegeben zu haben scheint. Fazit: Als Film kann „Yes“ nur bedingt bestehen und auch als filmisches Experiment überzeugt Sally Potters fünfte Regiearbeit nicht. Es fehlt sowohl an innerer Spannung als auch an einer tieferen Geschlossenheit, um Alltagsbilder mit Dialogen in Versform für ein größeres Publikum als Studenten der Theaterwissenschaften im ersten Semester goutierbar zu machen. Als reines sprachliches Kunstwerk ohne größeren Unterhaltungsanspruch besitzt „Yes“ jedoch in der Originalversion eine betörende Wirkung. Mehr ein Hörbuch als ein Film. (Tino Hahn) alle Rezensionen von Tino Hahn ...
Sally Potter ist eine wahre Künstlerin. Dass ihre Filme mehr sind als bloße Leinwandunterhaltung, hat sie nicht zuletzt mit Orlando bewiesen. Ähnlich ihrem Landsmann Peter Greenaway vermischt sie in ihren Inszenierungen Elemente aus den unterschiedlichsten künstlerischen Disziplinen und macht die entsprechenden Filme dadurch zu vielschichtigen, zum Nachdenken anregenden Gesamtkunstwerken. So auch in ihrem Film Yes, der auf ungewöhnliche Weise mit Themen umgeht, die seit Jahrhunderten zu den kontrovers diskutiertesten und die Menschheitsgeschichte bestimmenden gehören.
Ein Zimmermädchen führt in die Geschichte ein, indem es in der Tradition des griechischen Chores oder dem Narren aus Shakespeares Werken direkt das Publikum anspricht und das Geschehen kommentiert, ohne von den Protagonisten diesbezüglich zur Kenntnis genommen zu werden. In der Ehe zwischen einem aristokratischen Paar ist es nicht mehr zum Besten bestellt, als ein Koch aus Beirut das Leben der Frau auf den Kopf stellt und ihr eine Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit widmet, die sie seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Aber Arabern begegnen wir seit den Anschlägen des 11. September stets mit einer paranoiden Feindseligkeit, die auch die Affäre in diesem Film vor ernstzunehmende Probleme stellt. Nicht nur die immer wieder in die Handlung eingefügten Auftritte der Zimmermädchen, die (im Falle von Shirley Henderson) das Publikum mit flüsterndem Beiseitesprechen oder durch schlicht entrüstete Blicke in die Kamera amüsieren, erinnern an Stilelemente der klassischen Tragödie. Sally Potter hat nämlich darüber hinaus ihr gesamtes Drehbuch in Versen verfasst, was einem noch nicht einmal auf Anhieb auffällt. Die Regisseurin begründet dieses künstlerisch ungewöhnliche Mittel damit, dass Themen wie Liebe, Tod, Religion oder Politik, die sie allesamt in Yes anspricht, für sie am einfachsten mit reimenden Dialogen angegangen werden konnten. Eine grandiose Idee, die den optisch ebenfalls ansprechend gestalteten Film nur noch weiter adelt. Dazu tragen zweifelsohne auch die erlesenen Darstellerleistungen von Joan Allen, Sam Neill, Simon Abkarian und der bereits erwähnten Shirley Henderson bei. Leider muss man aber auch konstatieren, dass der Film dadurch auf Dauer ziemlich anstrengend wird und am Ende gar ein paar allzu deutliche Längen aufweist. Nichtsdestotrotz ein seinesgleichen suchendes, integres Werk, mit dem Sally Potter spielerisch versucht, kleine Zeichen für mehr Toleranz und ein friedvolles Miteinander zu setzen. Es ist schließlich allemal besser, „Ja” und nicht „Nein” zu sagen. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Yes, DVD:
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Weitere Filminfos zu Yes: Originaltitel: Yes Land / Jahr: Großbritannien / USA 2004 Produktion: Mark Canton, Elie Samaha Musik: Marco Beltrami Kamera: Piotr Sobocinski Ausstattung: Dean Tavoularis Kostüme: Marie-Sylvie Deveau Schnitt: Jerry Greenber Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Yes:
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