Das Irrlicht
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Das Irrlicht:
Alain Leroy (Maurice Ronet) ist ebenfalls ein30jähriges Irrlicht, das sich schnell im Alk entzündet, um sein kleines Feuer namens Leben viel zu früh selbst zu löschen. Er ist smart, er ist charmant und dank seiner guten Manieren gern gesehener Gast einer feinen Pariser Gesellschaft. Innerlich jedoch bleibt er ein zerrissener, zerbrechlicher Antitypus, der absolut keinen Lebenssinn findet. Nach einer Entziehungskur scheint er seine Alkoholprobleme überwunden zu haben, nach außen scheint er offenbar saniert, doch spürt er seine Isolation mehr denn je; und es bleibt ihm nur ein letzter Ausweg…. Louis Malle, französischer Meister aller Genres und des psychologischen Kinos, entwickelte nach dem Roman von Drieu La Rochelle das zynische Porträt eines jungen Mannes, der die Gesellschaft für seine Probleme verantwortlich macht und aus seiner narzisstischen Verweigerungshaltung heraus Selbstmord begeht. Louis Malle entwickelt aus der Romanvorlage das triste Porträt eines intellektuellen Rebellen gegen bürgerliche Mittelmäßigkeit, deren selbstverknallte Verweigerungs-haltung gleichsam die dunkle Seite des französischen Existentialismus verkörpert. Kühl und distanziert seziert die Kamera dieses Einzelschicksal im Fokus eines gesellschaftlichen Umfeldes, das von Materialismus, Egoismus und Gefühlskälte geprägt ist. Regie-Merlin Malle („Atlantic City“), wichtiger Vertreter der Nouvelle Vague, galt aber immer als Außenseiter, weil er entgegen seiner Kollegen (z. B. Francois Truffaut, André Bazin) selten in den hehren Filmkunst-Kreisen in Paris war und anders als die übrigen Regisseure nicht von der theoretischen Seite kam, sondern als Pragmatiker und Techniker seine Werke in Szene setzte. Diese Vorgehensweise fußt in seiner (30.10.1932 – 23.11.95) Vergangenheit: Die Filmkamera, die ihm sein Vater schenkte, sollte Malles Lebensweg bestimmen. Er studierte auf Wunsch seiner Eltern zunächst Politik an der Sorbonne in Paris, wechselte aber schon bald auf die Pariser Filmhochschule, die er 1953 ohne Abschluß verließ und als Assistent beim Meeresforscher Jacques Cousteau anheuerte. Charakteristisch für Malles Filme waren eine gewisse Unruhe, Provokation und die zeitliche Distanz zu seinen Sujets. Ein Großteil seiner Werke spielt im Vergangenem, wobei er sich nie in einem bestimmten Genre festbiß. Immer wiederkehrende Themen: Einsamkeit, Gefangensein in einer gesellschaftlichen Position und Gesellschaft, Selbstmord, Erfahrungen Jugendlicher mit der Welt der Erwachsenen und umgekehrt. Auch das Angekettetsein durch (un) soziale Herkunft, Verlogenheit der Bourgeoisie durchdringen oftmals die Malleschen Filmstudien. (Jean Lüdeke) alle Rezensionen von Jean Lüdeke ...
"Alain Leroy (Maurice Ronet) hat alles, was das Leben angenehm und lebenswert macht: Er ist erfolgreich, gut aussehend und charmant und dank seines Esprits ein Star der Pariser Gesellschaft. Aber innerlich ist er zerrissen, ein zerbrechlicher Mensch, der zu Melancholie, Schwermut und Selbstmitleid neigt. Er flüchtet sich in den Alkohol, sein Trost sind die Cocktails und durchlebten Nächte in den Bars und Clubs. Nach einer Entziehungskur in einer Privatklinik außerhalb von Paris hat er seine Alkoholprobleme offensichtlich überwunden und wird als geheilt entlassen. Aber schnell wird deutlich, dass er den Versuchungen und Unsicherheiten des Lebens außerhalb der Klinik nicht gewachsen ist. In einem letzten Versuch, wieder an sein altes Leben anzuknüpfen, fährt er nach Paris und besucht jeden seiner alten Freunde. Doch er wird enttäuscht. Ein radikaler Abschied von diesem, ihm sinnlos erscheinenden Dasein, ist für ihn der einzige Ausweg...Pierrot Le Fou, das für Louis Malles DAS IRRLICHT zuständige Label, hat das ursprüngliche Master aus dem Jahre 1963 toll an die heutigen optischen Qualitäten angepasst. So bleibt Rauschen stets auf einem dezenten Level, wodurch die in Anbetracht des hohen Filmalters durchaus sehr gute Schärfe reibungslos zu arbeiten vermag. Dropouts, Fäden, Haare oder ähnliche Verschmutzungen hat Pierrot Le Fou, von zwei bis drei Ausnahmen abgesehen, gänzlich entfernt. Sofern dabei Filter eingesetzt wurden, darf man von einer professionellen Verwendung ausgehen, da typische Auswirkungen (Doppelkanten, Flächenrauschen et cetera) ausbleiben. Der Kontrast liefert ebenfalls gute Werte, womit abschließend von einem durchaus gelungenen Transfer zu sprechen ist.
Sehr gute sechs Punkte.DAS IRRLICHT wurde lediglich in Dolby Digital 2.0 Stereo (Deutsch und Französisch) auf DVD gepresst. Hinsichtlich des hohen Filmalters war dies jedoch durchaus zu erwarten. Die Klangqualität des sehr dialoglastigen Filmes leidet unter hörbarem Rauschen, einer zuweilen leicht schrillen Stimmenwiedergabe sowie einer allgemeinen Dumpfheit, wobei dies insbesondere auf die deutsche Tonspur zutrifft.""Die untertitelte Dokumentation ""Jusqu'auv 23 Juillet"" geht sehr hintergründig und vor allem detailliert auf den Hauptfilm ein. Zu Wort kommen Mathieu Amalric (Schauspieler), Didier Daeninckx (Schriftsteller) und Pierre-Henri Deleau (langjähriger Leiter des Réalisateurs Festival de Cannes). Die Objektivität wird dabei erfreulicherweise gewahrt. Weitere Features hat Pierrot Le Fou nicht bereitgestellt, was aufgrund der Tatsache, dass viele Mitwirkende mittlerweile leider schon verstorben sind, jedoch durchaus nachzuvollziehen ist.Der gebürtige Franzose Louis Malle, der leider 1995 in Los Angeles verstorben ist, gilt als einer der extraordinärsten und kreativsten Regisseure Frankreichs. Wiederkehrende Themen seiner zahlreichen Werke waren unter anderem Tabuverletzungen und menschliche Beziehungen, das Gefangensein in einer gesellschaftlichen Position, Selbstmord, Verlogenheit der Bourgeoisie sowie die Erwachsenenwelt aus der Sicht eines Kindes. DAS IRRLICHT, basierend auf einer Vorlage von Pierre Drieu la Rochelle, war nach DIE SCHWEIGENDE WELT, FAHRSTUHL ZUM SCHAFFOTT, DIE LIEBENDEN, ZAZIE und PRIVATLEBEN Malles sechster Spielfilm. Der vehement dramatische Handlungsplot versteht sich dabei als Eigenporträt eines Mannes, der zwar eigentlich alles hat, wofür es sich zu Leben lohnt, innerlich aber ein zerbrechlicher Mensch ist, der zu Schwermut, Melachonie und Selbstmitleid neigt. In der heutigen hastigen, sehr erfolgsbestrebten Gesellschaft spielen derartige Gefühlsprobleme durchaus keine untergeordnete Rolle, weswegen das besagte Sujet prinzipiell sehr gefällig wirken mag. Die Inszenierung dessen darf durchaus als genial apostrophiert werden, wobei dazu der glaubwürdig agierende Akteur Maurice Ronet sicherlich einen großen Teil beträgt. Malle macht sein Handwerk auf der anderen Seite ebenfalls großartig. Das Leiden des Protagonisten stellt er gewohnt exzessiv und vor allem opulent detailbezogen dar. Jedes Gefühlssegment bis hin zum leider unvermeidlichen Suizid wird ausführlich abgehandelt. Auch meistert es Malle, die Komplexität und die Undurchschaubarkeit des Menschen stilvoll ins Geschehen zu integrieren. So äußert der Protagonist eines Abends lapidar, er werde sich am nächsten Tage umbringen. Doch als er am nächsten Morgen aufwacht, scheint er seltsam motiviert und seinem eigentlichem Ziel ferner als je zuvor… Nun assoziiert das Drehbuch das Tun der Hauptperson verständlicherweise auch mit diversen Antagonisten, was – für ungeduldige Gemüter – wohl zur „Auflockerung“ dienen mag, in erster Linie allerdings dazu da ist, die Handlung des Protagonisten in eine bestimmte Richtung zu rücken. Vornehmlich steuert sie dabei zum Selbstmord, oder, wie man neuerdings so schön sagt, zur Selbsttötung. Dem Hauptcharakter mangelt es nämlich an der Fähigkeit, intensivere, wirklich bedeutende Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, was ihn allmählich in den Wahnsinn treibt. Dabei kommt die stark atmosphärische Musikuntermalung sehr gelegen, die zwar nicht unbedingt häufig gefordert wird, in den richtigen Augenblicken jedoch durchaus zu berühren weiß. Zusammen mit der superben Inszenierung, der tollen schauspielerischen Leistung von Maurice Ronet sowie der allgemein sehr interessanten Story entsteht so ein vortrefflicher, emotional stark mitnehmender Gesamteindruck. Nicht nur für Fans von Louis Malle zu empfehlen. Das Bild zeigt sich dem hohen qualitativen Niveau des Hauptfilms angemessen, während der Ton unter diversen Mankos leidet. Die Ausstattung ist auf eine 29-minütige Dokumentation begrenzt. Subjektive Filmwertung: 9 von 10 Suizidfällen" (Fabian Sell) alle Rezensionen von Fabian Sell ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Das Irrlicht, DVD:
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Weitere Filminfos zu Das Irrlicht: Originaltitel: Le feu follet Land / Jahr: Italien 1963 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Das Irrlicht:
Kapitel- / Szenenanwahl, Animiertes DVD-Menü, DVD-Menü mit Soundeffekten, Dokumentation Jusqu`au 23 Juillet
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