Ein ganz gewöhnlicher Jude
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Ein ganz gewöhnlicher Jude:
Über die jüdische Gemeinde Hamburgs erreicht den Journalisten Emanuel Goldfarb der Brief eines ihm unbekannten Lehrers namens Gebhardt, der höflichst einen Juden einlädt, seinen Sozialkundeunterricht zu besuchen, um sich den Fragen der Schüler zu stellen. Man leitete den Brief an Emanuel Goldfarb(Ben Becker)weiter, da er als Journalist sicher einen guten Erzähler abgeben würde. Doch der 1959 in Deutschland geborene Jude will nicht vor Schülern stehen und seine Geschichte erzählen. Der Journalist setzt sich an seine betagte Schreibmaschine und beginnt, dem Lehrer seine Absage zu formulieren. Was als knappe Erklärung gedacht war, entwickelt sich zu einem überraschenden Dialog zwischen Goldfarb und seinem imaginierten Gegenüber. Goldfarb liest den Brief des engagierten Pädagogen wieder und wieder und steigert sich zunehmend in eine gedankliche Auseinandersetzung mit Gebhardt hinein, und dieser Dialog geht über zu einer Bilanz seines Lebens und seiner persönlichen Beziehung zum Judentum. "Die permanente Solidarität geht mir auf die Nerven. Ich kann Leute nicht verstehen, die morgens nach dem Aufwachen immer erst mal zehn Minutensolidarisch sind, bevor sie sich die Zähne putzen. Ich weiß ja, dass es gut tut, ein guter Mensch zu sein, aber zieht mich da nicht rein! Ich will die Sonderrolle nicht haben. Nicht im Schlechten und nicht im Guten. Ein ganzgewöhnlicher Mensch möchte ich sein. Ein ganz gewöhnlicher Jude." Fazit: Ähnlich wie bereits in "Mein letzter Film" mit Hannelore Elsner inszenierte Oliver Hirschbiegel einen Monolog, der von Beginn an packt. Dank eines einmal mehr beeindruckenden Ben Becker geht das gesprochene Wort manchmal gar an die Nieren. Ein fesselndes Film-Experiment. Brillante Texte! Bild(16:9) und Ton (DD 2.0) sind einwandfrei, hier gibt es nichts zu meckern. Die Schärfe und der Kontrast sind sehr gut, man kann sogar einzelne Poren des Schauspielers erkennen. Die Farben sind natürlich und dezent. Verschmutzungen sind hier kaum auszumachen. Der Ton ist wirkt sehr räumlich und Beckers Dialog einwandfrei zu verstehen. Bonusmaterialist zwar wenig, aber ausreichend und gut. Neben einem Interview mit Regisseur Oliver Hirschbiegel (5:34 Min.) gibt es noch ein Interview mit Ben Becker (6:56Min.)sowie ein kleine Trailershow (2 Titel). Kurz-Info zu Ben Becker: - ein lebhafter, energiegeladener Schauspieler von vielseitigem Talent. Am 19. Dezember1964 in Bremen als Sohn des Schauspieler-Ehepaars Monika Hansen und Rolf Becker geboren, wuchs Ben Becker mit seiner Schwester Meret in Berlin bei seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Otto Sander, auf. Nach der Schauspielausbildung hat Ben verschiedene Theater-Engagements, tritt in unterschiedlichen Film- und Fernsehproduktionen auf. Sein Filmdebüt gibt er 1983 in dem Spielfilm "Eine Liebe in Deutschland" mit Hanna Schygulla und Armin Mueller-Stahl. Becker hat ein besonderes Gespür für schwierige Charaktere, Schurken mit Gefühl, Außenseiterfiguren, solche mit vielschichtigen Emotionen. Ben inszeniert eigene Theaterstücke wie "Sid and Nancy" mit Schwester Meret Becker in der Hauptrolle, schreibt Kurzgeschichten und bringt 1997 seine erste CD heraus: "Und lautlos fliegt der Kopf weg". Für seine schauspielerische Leistung in Bernd Böhlichs TV-Film "Landschaft mit Dornen" (1992) wurde er mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet. Einen Grimme Preis in Gold erhielt er 1994 für seine Darstellung des Jobst Dettmann in der "Polizeiruf 110 - Totes Gleis". 1998 folgte die Goldene Kamera für seine Darstellung des Robert Biberti im Kinoerfolg "Comedian Harmonists"(1997) und im selben Jahr die Auszeichnung mit dem Berliner Publikumspreis Goldener Vorhang für seine mit überschwänglichen Kritiken und stehenden Ovationen begleitete schauspielerische Leistung in "Berlin, Alexanderplatz"(2000/1) am Maxim Gorki Theater Berlin. (Bernd Hellweg) alle Rezensionen von Bernd Hellweg ...
Viel ist gesagt, geschrieben und gefilmt worden über das belastete Verhältnis der Deutschen und der Juden, das die Bürde der Geschichte mit sich bringt. Eine Historie, die viel größer ist, als dass sie von der Handvoll Juden getragen werden könnte, die es heutzutage noch in Deutschland gibt. So formuliert es Charles Lewinsky sinngemäß an einer Stelle seines Buches „Ein ganz gewöhnlicher Jude“, das Ausnahme-Regisseur Oliver Hirschbiegel kammerspielartig auf Zelluloid bannte. Eineinhalb Stunden verfolgt man hier den Monolog eines Mannes, der sich mit seiner Position als jüdischer Deutscher einmal mehr auseinandersetzen muss, weil er von seiner Umwelt dazu gedrängt wird.
Die jüdische Gemeinde in Hamburg erreicht der Brief eines engagierten Lehrers, der in seiner Klasse die Frage des Judentums am liebsten durch eine Frage-Antwort-Situation mit einem „echten Juden“ veranschaulichen möchte. Die Bitte wird postwendend an den erfolgreichen Journalisten Emanuel Goldfarb weitergereicht, da dieser schon von Berufs wegen gut formulieren kann und deswegen ideal geeignet erscheint. Doch Goldfarb weiß schon schnell, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. Die Entschuldigung, die er dem Lehrer zukommen lassen will, erweitert sich in seinem Gedankenfluss auf ein zig Seiten umfassendes Statement darüber, was es bedeutet, als Jude in Deutschland zu leben. Oliver Hirschbiegels Film steht und fällt mit seinem Hauptdarsteller Ben Becker. Nicht jeder Darsteller hat das Format, einen ganzen Spielfilm im Alleingang zu bestreiten, die gesamte Spielzeit die Leinwand zu füllen und pausenlos seine Gedanken in ein Aufnahmegerät zu sprechen, zu schreien oder zu flüstern. Wer bislang an Beckers Schauspieltalent zweifelte, muss sich mit Ein ganz gewöhnlicher Jude eines Besseren belehren lassen. Die Faszination des Lewinsky-Monologes kann Becker jedenfalls uneingeschränkt an das Publikum weiterreichen. Von der eingangs erwähnten Last der jüdischen Geschichte hangeln sich die Gedanken weiter über persönliche Erinnerungen an die Vorfahren und das eigene Unvermögen, die Religion in den persönlichen Alltag zu übertragen, bis hin zu der Frage nach dem Staat Israel und der eigenen Einstellung zu deren aktueller Politik. Auch wenn die Äußerungen stets geschliffen scharf ausformuliert sind, fällt es einem nicht schwer, den Entstehungsprozess des Gedankenflusses als solchen nachzuvollziehen. Hirschbiegel hat nämlich zusammen mit seinem Kameramann Carl-Friedrich Koschnick eine ausgetüftelte Bildkomposition entwickelt, die Ben Becker aus allen möglichen Perspektiven einfängt, dem Schauspieler durch Räume hinweg folgt und seine Ruhelosigkeit adäquat in den filmischen Raum übertragen kann. Ein tiefgründiges intellektuelles Vergnügen, kurzweilig und wahrhaftig. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Ein ganz gewöhnlicher Jude, DVD:
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Weitere Filminfos zu Ein ganz gewöhnlicher Jude: Originaltitel: Ein ganz gewöhnlicher Jude Land / Jahr: Deutschland 2005 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Ein ganz gewöhnlicher Jude:
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