Requiem
Schauspieler / Schauspielerinnen in Requiem:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Requiem:
Anfang der 70er: Michaela Klingler (Sandra Hüller) wächst in einem kleinen Dorf unweit Tübingens auf. Durch die streng katholische Erziehung ihrer Eltern ist auch für sie der Glaube an Gott ganz natürlich und so sieht sie es als Zeichen auf all ihre Gebete, dass sie an der Universität Tübingen angenommen wird. Dank der Rückendeckung ihrs Vaters (Burghart Klaußner) schafft sie es, trotz Ablehnung und Einwände ihrer Mutter (Imogen Klogge), aus dem Dorf in die Welt hinaus. Mit dem Ziel Lehrerin zu werden beginnt sie das Grundstudium voller Enthusiasmus und erlebt zum ersten mal in ihrem Leben das Glück in Form von Freiheit. Dieses Glück wird durch, seit ihrer Kindheit wiederkehrenden, epileptischen Anfällen und damit auftretenden religiösen Wahnvorstellungen getrübt. Als ihr die neugewonnene Freundin Hanna (Anna Blochmeier) zu einer Psychiatrischen zusätzlich zu der bereits laufenden ärztlichen Behandlung rät, wendet sie sich verzweifelt an Pfarrer Landauer (Walter Schmidinger), der sie mit dem jungen Pastor Martin Borchert (Jens Harzer) zusammenbringt. Dieser geht schnell auf Michaelas Äußerung, von einer dämonischen Besessenheit ergriffen zu sein, ein und setzt einen vom Bistum abgesegneten Exorzismus durch. Die körperlich und geistig geschwächte Michaela begibt sich, trotz Rettungsversuch ihrer Freundin, in die Hände der Kirche. „Requiem“ ist ein melancholischer und trauriger Abgesang auf ein zerstörtes Leben geworden. Eine junge Frau, ohne Kindheit erwachsen geworden unter einer streng maßregelnden Mutter und der demütigen Glaubenshaltung der ganzen Familie, will sich endlich von der Vergangenheit lösen und ihre Lebenszeit in den Dienste Anderer stellen. Ähnlich ihrem Vorbild, einer leidgeprägten Schutzheiligen, sieht auch sie sich, durch die Prüfungen ihrer Krankheit gezeichnet, an der Reihe ihre Aufgabe im Leben zu erfüllen. Durch die immensen Hoffnungen, dass nun alles gut wird, da sie endlich den richtigen Weg einschlagen darf, wirkt sich die darauffolgende Enttäuschung, als es trotz erster Erfolge im Studium und der neugewonnenen Freundschaften wieder zu Anfällen kommt, niederschmettert auf Michaela aus. Der größte Konflikt wird von Michaelas Mutter verursacht, die ihr immer noch die Annerkennung verweigert, nach der sich Michaela ihr ganzes Leben gesehnt hat. Ohnmächtig muss man mit ansehen, wie sich Michaela fallen lässt, sich Gott und seinen „Dienern“ anvertraut und sich von dem Leben, dass sie wirklich leben wollte, verabschiedet. Dies mit anzusehen ist mehr als traurig, es ist herzzereisend. Die Ratlosigkeit, mit der ihre Umgebung auf sie und ihre Wahnvorstellungen reagiert, ist erschütternd. Nicht zuletzt die Zweifel, die Pfarrer (er rät ihr zu einer ärztlichen Behandlung) und Pastor in Anbetracht eines Exorzismus hegen, und die Durchführung trotz dieser Zweifel, belegen den Sieg vom Glauben über den gesunden Menschenverstand. Sandra Hüller leistet großartige Arbeit bei der Interpretation ihrer Michaela Klingler. Die schlaksige Körpersprache, die Natürlichkeit eines „echten Menschen“ (keines Gespielten) und die Selbstaufgabe in Gewaltausbrüchen und Geschrei, sind erschreckend und beeindrucken nachhaltig. Sie schafft es eine Figur zum Leben zu erwecken, die nicht durchweg sympathisch ist, sondern mit ihrem Verhalten auch abstoßen, ja regelrecht anwidern kann. Hierdurch fällt es dem Zuschauer auch nicht leicht sich anhand der gesehenen Ereignisse ein festes Bild von Michaelas Charakter zu bilden, was zusätzlich zur persönlichen „Nachbearbeitung“ des Films anregt. (Jan Heesen) alle Rezensionen von Jan Heesen ...
Wie unterschiedlich zwei Filmemacher mit der gleichen Geschichte umgehen können, lässt sich eindrucksvoll mit zwei innerhalb des letzten halben Jahres gestarteten Produktionen aktuell belegen. Die Tatsache ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass das tatsächliche Ereignis, das beiden Filmen als Vorlage diente, mittlerweile fast dreißig Jahre zurück liegt. Dennoch entschieden sich sowohl Scott Derrickson mit Der Exorzismus der Emily Rose als nun auch Hans-Christian Schmid mit Requiem nahezu zeitgleich für eine filmische Verarbeitung der Ereignisse aus dem Jahr 1976. Damals wurde im unterfränkischen Klingenberg an der 23jährigen Pädagogik-Studentin Anneliese Michel mit Zustimmung des Bischofs ein Großer Exorzismus durchgeführt, der zum Tod der kranken jungen Frau führte. Michel heißt hier Michaela Klingler und wächst in einem streng religiösen, ländlich-geprägten Elternhaus auf. Obwohl sie schon seit mehreren Jahren unter epileptischen Anfällen leidet, deren Behandlung sich mangels einer eindeutigen Diagnose als äußerst schwierig erweist, beginnt sie in Tübingen ihr heiß ersehntes Studium. Doch auch fernab ihrer einengenden Familienverhältnisse treten die Symptome wieder auf. Das Mädchen steigert sich zusehends in einen religiösen Wahn hinein, den ein Priester schließlich als Besessenheit deutet.
In der Schilderung der sozialen Realität und des familiären Umfeldes Mitte der 70er Jahre erweist sich Hans-Christian Schmid aufs Neue als meisterhafter Regisseur. Gerade ohne großes Brimborium bleiben die Ereignisse durchgehend glaubwürdig und objektiv nachvollziehbar. Filmdebütantin Sandra Hüller ist für die Hauptrolle schlichtweg eine vorzügliche Wahl – die Darstellerin gewann dafür bereits den Nachwuchspreis des Bayerischen Filmpreises. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Requiem, DVD:
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Weitere Filminfos zu Requiem: Originaltitel: Requiem Land / Jahr: Deutschland 2005 Buch: Bernd Lange Produktion: Dagmar Knöpfel für Dagmar Knöpfel Filmproduktion Vorlage: Treatmen von Hans Magnus Enzensberger Musik: Joschi Schumann Kamera: Igor Luther Ausstattung: Silke Buhr, Anette Ingerl Kostüme: Birgitta Lohrer Schnitt: Edith Eisenstecken Maske: Tatjana Krauskopf Ton: William Franck Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Requiem:
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