Irina Palm
Schauspieler / Schauspielerinnen in Irina Palm:
Darsteller:
Marianne Faithfull, Miki Manojlovic, Kevin Bishop, Siobhan Hewlett, Dorka Gryllus, Jenny Agutter, Corey Burke, Meg Wynn Owen, Susan Hitch, Flip Webster, Tony O`Brien, Jules Werner, Ann Queensberry, June Bailey, Jonathan Coyne, Tim Plester, Malina Ebert, Peter Sproule, Hassani Shapi, Liam Reilly, Doraly Rosen, Ibrahima Sano, Simon Anderson, Steve Kingett, Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Irina Palm:
Denn hier soll sie im wahrsten Sinne des Wortes kräftig Hand anlegen: Völlig anonym stecken Männer ihr bestes Teil durch eine Öffnung im Mauerwerk und Maggie sorgt mit ihrer Rechten hinter der Trennwand für Erleichterung. Maggie hat es anfangs nicht leicht im diesem Onanier-Paradies, aber Ihre amüsierte Kollegin Luisa (Dorka Gryllus) weiht sie in alles ein, und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine anrührende Freundschaft. Ihr abgebrühter Chef Miki (Miki Manojlovic), ein echter Frauenheld, entwickelt ein Faible für die pflichtbewusste Maggie – und verwandelt sie in die viel gefragte und gefragte "Irina Palm", die ihr Geld mehr als wert ist… Eine herrlich lakonische Marianne Faithfull, die durch eine melancholische Dynamik des Spiels brilliert. Die Pop-Ikone in den besten Jahren, die am Anfang wie ein geprügelter Hund durch die Gegend schleicht und dann nicht nur Selbstbewusstsein gewinnt, sondern auch eine neue Liebe, überzeugt mit grandioser Leinwandpräsenz. Ein Rotlichtmärchen mit einer weitaus überzeugenderen Schauspielerin in der Titelrolle als „Pretty Woman“. Popsängerin Marianne Faithfull (The Ballad of Lucy Jordan) hatte schon zuvor Kinoauftritte (Intimacy, Paris je t’aime, Marie Antoinette), aber nach dieser Vorstellung traut man ihr noch viel viel mehr zu. Notizen am Rande: Marianne Faithfull erhielt bei der Welturaufführung im Rahmen der Berlinale 2007 20 Minuten stehende Ovationen. Das Drehbuch zum Film war fertig, bevor Sam Garbarski seinen ersten Spielfilm „Der Tango der Rashevskis“ geschrieben hatte. Nur durch Probleme bei der Finanzierung des Films ist es dazu gekommen, dass die Geschichte in England spielt. Dazu wurde extra das Drehbuch für das doppelmoralige und prüde postviktorianische Britannien umgemodelt. (Jean Lüdeke) alle Rezensionen von Jean Lüdeke ...
Maggie (Marianne Faithfull) ist einfache und großzügige Mittfünfzigerin, Hausfrau und Witwe und lebt in einem spießigen Londoner Vorort.
Ihr Enkel Olly leidet an einer seltenen Krankheit und die Ärzte erklären der bestürzten Familie schließlich, dass nur noch eine spezielle neue Behandlungsmethode Olly vor dem Sterben bewahren könne. Und diese Behandlung gibt es nur in Australien. Sie sei zwar kostenlos, die Kosten für Flüge, Aufenthalt und Krankenhaus müssen die Eltern tragen. Und das Ganze müsse unbedingt innerhalb der nächsten sechs Wochen stattfinden, denn danach sei Olly zu schwach, um die lange Reise noch überstehen zu können.
Ihrem Sohn Tom (Kevin Bishop) und Schwiegertochter Sarah (Siobhan Hewlett) wächst die Lage langsam über den Kopf, da Tom seit langem arbeitslos ist, und das nötige Geld für eine Erfolg versprechende Behandlung in Australien nicht aufbringen kann.
Wenn Maggie den schwindenden Hoffnungen ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter neuen Auftrieb geben und ihren geliebten Enkel retten will, muss sich Maggie etwas einfallen lassen. Doch das ist gar nicht so einfach, die Bank will der hoch verschuldeten Frau keinen Kredit mehr geben, Anfragen nach einem Job auf dem Arbeitsamt enden mit „sie sind zu alt, wir können sie nicht mehr vermitteln“.
Als sie durch Soho streift und an einer Bar das Schild "Hostess gesucht" sieht, will sie die Arbeit annehmen, ohne in ihrer Naivität zu wissen, was sich eigentlich dahinter verbirgt. Doch der Chef des Etablissements Miki (Miki Manojloviæ) macht der verzweifelten Großmutter schnell klar um was es hier wirklich geht, und dass er eigentlich für sie aufgrund ihres Alters keine Verwendung hat. Allerdings hat Maggie zarte Hände, so dass Miki auf die Idee verfällt, der Bittstellerin einen "hand job" anzubieten – sie soll den Clubbesuchern bei Bedarf zur Hand gehen. Trotz allen Ekels nimmt Maggie an, schließlich ist das ihre einzige Chance, das dringend benötigte Geld zusammenzubekommen.
Schon bald genießt sie unter dem Künstlernamen „Irina Palm" (auf Deutsch in etwa: Irina Handteller/Handfläche) in einschlägigen Kreisen einen legendären Ruf, und bringt dort am „Gloryhole" gierige männliche Glieder im Akkord und Minutentakt zum Erguss. Maggie wird zur Virtuosin der Handarbeit, ohne dass die Kunden ahnen, die Schlange stehen, wer sich hinter Trennwand verbirgt.
Zuhause verschweigt sie ihre Aktivitäten lieber, doch wird sie auf Dauer ihr Geheimnis bewahren können?
„Irina Palm“ ist ein origineller, mal wahnsinnig komischer, mal tief trauriger Film, und ist ganz auf die Figur der Maggie zugeschnitten, die von Marianne Faithfull in jeder Minute brillant gespielt wird. Allein mit ihrem traurig-amüsierten Gesicht und ihren kleine Gesten hat sie die Figur voll im Griff und spielt sie mehr als glaubhaft.
Der Film macht sich über niemanden lustig, schon gar nicht über Maggie oder den liebenswerten Miki, noch nicht einmal über Maggies Kunden, die zur reinen Triebabfuhr antreten und aus Maggies Händen genau das bekommen.
"Irina Palm" ist ein echter Feel-Good-Movie aus britischer Küche, ohne den leisesten Hauch von Vulgarität. Plädoyer für die Menschen am Rande der Gesellschaft, dass sich Liebe und Zuneigung auch an ungewöhnlichen Orten verstecken.
Fazit: Sicherlich ist „Irina Palm“ kein Blockbuster für die breite Masse, aber er ist ein Glücksfall, ein absoluter Geheimtipp, ein Film, an dem einfach kein Weg vorbeiführt. Absolut empfehlenswert! Nicht umsonst erhielt Marianne Faithfull bei der Welturaufführung im Rahmen der Berlinale 2007 20 Minuten stehende Ovationen.
Alternativen zum Film: “Personal Service”, “Brassed Off”, “Kalender Girls” und “Grasgeflüster”.
Zu den technischen Daten der DVD: Das 16:9-Bild sowie der Dolby Digital 5.1-Ton bieten zwar keine Höchstleistungen, sind aber durchaus zufrieden stellend. Das Bonusmaterial zum Film ist leider mehr als dürftig, lediglich ein alternatives Ende, eine entfallene Szene und ein Fototermin auf der Berlinale-Pressekonferenz sind neben einer Fotogalerie und dem Trailer zu sehen. Hier hätte man sich ein Interview mit Marianne Faithfull doch mehr als gewünscht!
(Bernd Hellweg)
alle Rezensionen von Bernd Hellweg ...
Die Kritiker und das Publikum auf der diesjährigen Berlinale hatte Marianne Faithfull mit ihrer Darstellung der Titel gebenden Heroine in Sam Garbarskis neuem Film geradezu im Sturm erobert. Für die meiste Zeit des großen deutschen Filmfestivals galt die Skandal umwitterte Popikone der Swinging Sixties auch als konkurrenzlose Favoritin im Rennen um den Silbernen Bären für die beste weibliche Schauspielleistung. Dass sie am Ende hauchdünn gegen Nina Hoss in Christian Petzolds Yella verlor, lässt sich einzig durch die Unaufgeregtheit und scheinbare Emotionslosigkeit erklären, die Faithfulls Part kennzeichnet. Nichtsdestotrotz ist es aber genau dieser Minimalismus, der ihre Irina Palm zu einer faszinierenden und dem Publikum ans Herz wachsenden Filmfigur werden lässt. Man kann sich am Ende des Films kaum eine andere Schauspielerin in dieser Rolle vorstellen – Gelegenheitsmimin Faithfull scheint die einzig richtige Wahl zu sein!
Witwe Maggie (Faithfull) hat ein großes Problem, das sie Tag und Nacht beschäftigt. Ihr Enkelsohn leidet unter einer seltenen Krankheit, und die Ärzte in London sehen seine letzte Chance in einer Behandlung in Australien. Doch Geld ist knapp, denn Maggies Sohn Tom ist arbeitslos, und sie selbst hat bereits ihr Haus verkauft, um dem kleinen Olly die Krankenhauskosten zu bezahlen. Kredite will man ihr nicht mehr gewähren, einen Job bekommt sie in ihrem Alter auch nicht mehr angeboten. Durch Zufall stolpert sie in Soho über einen Aushang, auf dem gegen gute Bezahlung jemand für einen „Hostessendienst“ gesucht wird. In ihrer Verzweiflung willigt Maggie ein, auch, nachdem sie erfahren hat, dass ihre eigentliche Aufgabe darin besteht, in dem Sexklub hinter einer anonymisierenden Wand den geilen Besuchern einen herunterzuholen. Die biedere Hausfrau wird unter dem Pseudonym Irina Palm zur Soho-Sensation, für deren Dienste die Männer Schlange stehen. Nach seinem Erstling Der Tango der Rashevskis hat sich Regisseur Sam Garbarski mit seinem Nachfolgewerk Irina Palm in ganz neue Gefilde begeben und nach dem komplexen jüdischen Familiendrama einen Film inszeniert, der sich im Wesentlichen auf seine Titelheldin und deren persönliche Entwicklung konzentriert. Im ersten Moment scheint die Besetzung der unschuldig in den Sex-Moloch der Großstadt taumelnden Oma mit dem It-Girl der Flower-Power-Zeit, die an der Seite der Rolling Stones auf den Partys jener Tage sicherlich nichts ausgelassen hat, wie ein Widerspruch in sich. Aber in Garbarskis Inszenierung wird Marianne Faithfull glaubhaft zu jener unscheinbaren Hausfrau, die aus der Not äußerst erfolgreich eine Tugend macht und durch ihre Erfahrungen mit dem Sex Business zu einer selbstbewussteren Frau reift. Trotz der heiklen Thematik verzichtet der Filmemacher übrigens konsequent auf explizite Bilder, die er auch ohnehin gar nicht nötig hätte. Die Inszenierung ist durchweg eher gemächlich und unspektakulär, schöpft aber gerade aus dieser Ruhe ihre Kraft. Mit durchdacht gesetzten Fade Outs ins Schwarze beendet Garbarski seine wichtigsten Szenen, und gibt seinen Zuschauern in jenen Momenten noch einige wohldosierte Sekunden zur Reflexion mit auf den Weg. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Irina Palm, DVD:
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Weitere Filminfos zu Irina Palm: Originaltitel: Irina Palm Land / Jahr: Belgien / Luxemburg / GB / Deutschland 2007 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Irina Palm:
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