Wholetrain
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Wholetrain:
alle Rezensionen von Thomas Steffens ...
Regisseur und Drehbuchautor Florian Gaag erzählt in seinem fulminanten, vielfach preisgekrönten Meisterwerk WHOLETRAIN die Geschichte einer vierköpfigen Graffiti-Writer-Crew, die sich der Szene mit ihren eigenen Hierarchien, Werten, Regeln und Codes verschrieben hat. Nacht für Nacht ziehen sie los, um die U-Bahnen der Stadt mit ihren opulenten Kunstwerken zu verzieren. Als plötzlich Konkurrenz in Form einer anderen Sprayer-Crew auftaucht, entbrennt ein kreativer Wettstreit, der das Leben aller Protagonisten für immer verändert. Die rohe und ungeschminkte Art des Filmes überträgt sich auch auf die Bilder und ihre Qualität auf der DVD. Inwieweit einige Aspekte auf bildgestalterische Entscheidungen zurückzuführen sind, lässt sich nicht verifizieren. Die Schärfe ist gerade noch gut, zeigt aber wiederholt Mängel auf. Die Farben sind recht blass und sehen trist aus. Der Kontrast ist in Ordnung. Dafür gibt es ein Bildrauschen, was sich quer durch den Film zieht. Immerhin ist das Bild frei von Artefakten jeglicher Art. Der Ton liegt als DD 5.1-Fassung vor. Die Abmischung geriet ein wenig zu frontlastig, geschuldet der Tatsache, dass die hinteren Lautsprecher ihren Beitrag zu leise darbieten. Wenigstens sorgt die etwas lauter gespielte Musik für eine gewisse Räumlichkeit. Ab und zu gibt es aber auch ein paar stärkere Surroundeffekte, die einem ein Rundum-Gefühl vermitteln. Es gibt keinerlei Untertitel. Als erstes Extra vorhanden ist ein Audiokommentar von Regisseur Florian Gaag, der allerdings etwas zu selbstverliebt daherkommt. Außerdem sind seine Ausführungen zu lückenhaft, haben also zu viele Pausen, sind oftmals etwas langweilig und dazu auch noch eintönig und ermüdend intoniert. Seine Kommentare zum Film klingen stets wie abgelesen oder auswendig gelernt. Das ist auf Dauer kein Vergnügen. Viel besser ist da das Making of (ca. 34 min), das sich als recht interessant und informativ erweist. Weiter vorhanden sind vier Interviews (ges. ca. 8 min), ein Making of - Pieces (ca. 6 min), also der Graffitibilder im Film, sieben entfernte Szenen (ges. ca. 10 min), RIP Amok Outtakes (ca. 4 min), Outtakes Wholetrain (ca. 5 min), eine selbstlaufende Bildergalerie und der Kinotrailer. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch eine Aufzählung der Auszeichnungen, der Filmfestivals, auf denen der Film lief, sowie einige Pressestimmen. WHOLETRAIN (BRD, 2007) ist ein Film über die erstaunlich wenig abgebildete Subkultur der Sprayer und des Graffiti. An und für sich ein schwieriges Thema, da hier eine Gratwanderung zwischen ernstzunehmender Kunst/Kultur und schlichter Schmiererei bzw. Vandalismus geführt wird. Sind größere „Pieces“ (also großformatige Bilder) noch als Werk von Interesse zu erkennen, sind schlichte „Tags“ (Signaturen, Namenskürzel) oftmals nichts anderes als optische Umweltzerstörung, die Hauswände und öffentliche Verkehrsmittel beschmutzen. Aus diesem strafrechtlichen Hintergrund lässt sich auch nachvollziehen, warum der Film eine Weile zur Realisierung brauchte, da er von vielen Seiten abgelehnt wurde. Befürchtet wurde eine weitgehende Verharmlosung strafrechtlich relevanter Handlungen sowie der Nachahmungseffekt, der durch diesen Film entstehen könnte. Dementsprechend hat die Deutsche Bahn jegliche Unterstützung verweigert und dafür gesorgt, dass Szenen rund um Bahnanlagen und Züge nicht in Deutschland gedreht werden konnten. Dieses wurde dann in Warschau/Polen realisiert.
Doch auch wenn eine bestimmte Verharmlosung nicht geleugnet werden kann, es also eine gewisse Glorifizierung gibt, so muss man aber auch konstatieren, dass die Handlung zudem eine abschreckende Entzauberung der Szene beinhaltet. Die Figuren sind zu großen Teilen berufliche und persönliche Versager, die nichts im Leben erreicht haben, sich mit Minijobs, wenn überhaupt, durchschlagen und nur für ihre Graffiti-Aktivitäten leben. Sie stehlen, was sie für ihre Aktivitäten brauchen und sind regelmäßig Gäste in Gerichtssälen. (Der Regisseur äußert sich übrigens gegen verhängte hohe Geldstrafen bei Vandalismus. Seine einseitige und triviale Weltsicht lautet natürlich: „Graffiti is not a crime.“). Will der Film außergewöhnlich sein und einer Subkultur gerecht werden, so merkt man bei genauerem Hinsehen aber doch, dass es sich bei der Umsetzung um ein überaus konventionelles Drama handelt, das lediglich ein wenig gezeigtes und somit exotisches Thema behandelt. Narrativ ist dagegen alles Standard. Es gibt die typischen Konflikte in einer klassischen Drehbuch-Struktur. Die Figuren sind praktisch allesamt Klischee-Charaktere, die lehrbuchmäßig eingeführt und abgehandelt werden. Da gibt es den alten Meister und Crewleader, den neuen unbedarften Schüler, den unbesonnenen Draufgänger, den Verrückten und den Eifersüchtigen. Jede Figur wurde für einen bestimmten Zweck entworfen und der wird auch voll ausgespielt. So gibt es auch keine Entwicklung der Charaktere. Alle tun, was sie von Anfang an tun. Überraschungen sind ausgeschlossen. Ist das Drehbuch nicht mehr als eine gewöhnliche Anhäufung von notwendigen Elementen, so ist die Inszenierung schon etwas für sich. Der oftmals rohe, manchmal dreckige dokumentarische Stil ist eine Authentifizierungsmaßnahme, die dem Film das gewisse Etwas gibt. WHOLETRAIN ist dabei durchaus dynamisch in Szene gesetzt worden, wurde gut und temporeich geschnitten und dazu mit einem Hip-Hop-Soundtrack unterlegt, der alles zusammenhält und dem Geschehen einen guten Rhythmus verschafft. Der Film kommt in der Darstellung der Subkultur weitgehend authentisch daher. Schließlich kommt der Regisseur selbst aus der Münchner Szene. Der verwendete Sprachcode (so wie „Wholecar“ und „Wholetrain“) ist echt und für die im Film gezeigten „Pieces“ engagierte der Regisseur einige der besten Sprayer aus Europa und Deutschland. Auch wenn WHOLETRAIN kein ganz großer Wurf ist, so darf man doch den Respekt nicht vergessen. Florian Gaag hat alle Schwierigkeiten der Produktion gemeistert und dieses ungeliebte Projekt nach sechs Jahren letztendlich doch in Personalunion (Drehbuch, Regie, Koproduktion und Soundtrack) realisiert. Auch wenn der Regisseur in seinen eigenen Ausführungen manchmal etwas zu unbedarft, unreflektiert und zu selbstverliebt daherkommt, so muss man die Leistung, die dahintersteckt auch anerkennen können. Fazit: Nicht ganz makelloses, junges deutsches Kino abseits eingefahrener Wege. (Carlito Brigante) alle Rezensionen von Carlito Brigante ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Wholetrain, DVD:
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Weitere Filminfos zu Wholetrain: Originaltitel: Wholetrain Land / Jahr: Deutschland 2006 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Wholetrain:
Kinotrailer, Kapitel- / Szenenanwahl, Making Of, Animiertes DVD-Menü, DVD-Menü mit Soundeffekten, Interviews, Making of Graffiti-Artworks, Deleted Scenes, Audiokommentar
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