13 Tzameti
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu 13 Tzameti:
alle Rezensionen von Jean Lüdeke ...
Sébastien repariert als Dachdecker eine Villa am Strand. Als der Hausherr einer Überdosis erliegt, kommt Sébastien zufällig in den Besitz eines Zugtickets und einer Hotelreservierung. Er weiß, dass sich dahinter ein lukrativer Job verbirgt und macht sich unter falschem Namen auf den Weg, ohne zu wissen, auf was er sich einlässt. Schonungslose Gesellschaftsstudie.
Der aus Georgien stammende, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade mal 26jährige Géla Babluani hat mit seinem Langspielfilmdebüt eine atmosphärisch äußerst stimmungsvolle, immer wieder effektvoll an den Nerven der Zuschauer zerrende Gesellschaftsstudie inszeniert, die sehr harmlos beginnt und im Laufe der Spielzeit einen gehörigen Sog entwickelt. Von Anfang an bleibt der Debütregisseur mit seiner überaus passenden Schwarz-Weiß-Kamera an seinem Protagonisten Sébastien dran. Das Publikum begleitet den 22jährigen jungen Mann von der spärlich eingerichteten Wohnung, die er sich mit vier anderen Familienmitgliedern teilt, zur geräumigen, aber überaus baufälligen Villa seines Auftraggebers. Dieser scheint ständig high zu sein, bis er sich schließlich in der Badewanne den Goldenen Schuss setzt und für Sébastien die eigentliche Handlung ins Rollen bringt. Da der junge Dachdecker das Geld, das sich hinter dem Zugticket und der damit verbundenen Aufgabe zu verbergen scheint, nur allzu gut gebrauchen kann, macht er sich entschlossen und einigermaßen furchtlos auf den Weg. Ohne zuviel von dem, was ihn am Ende einer spannenden Schnitzeljagd erwartet, verraten zu wollen, sei gesagt, dass es Babluani hier in einem perfiden Todesspiel vorzüglich gelingt, die Perversionen der menschlichen Psyche schonungslos bloßzustellen. Man mag „13 Tzameti“ mitunter anmerken, dass er mit einem eher bescheidenen Budget in Szene gesetzt wurde. Die immer spärlicher gesäten Dialogzeilen und der beständig reduzierte Einsatz der Filmmusik tragen aber gleichermaßen dazu bei, dass die sich immer weiter zuspitzende Situation den Zuschauer nachhaltig zu fesseln versteht. Die ebenfalls von Regisseur Babluani erdachte Story steht in der besten Tradition von Genreklassikern wie „Das Todesspiel“ oder „Running Man“, ist also schon vom thematischen Gesichtspunkt aus sicherlich nichts für Leute mit schwachen Nerven oder empfindlichem Magen. Dass der Film trotzdem darauf verzichtet, in seiner Gewaltdarstellung allzu explizit zu werden, erweist sich als weiterer Pluspunkt. (5/6) (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ...
Mit seinem extraordinären Regiedebüt ist Gela Babluani ein fesselnder Thriller über die Reise eines jungen georgischen Immigranten in die Abgründe der menschlichen Seele gelungen. Russisch Roulette macht als morbide Metapher ungerechte Zufälligkeiten möglich: Und gerecht geht es in dieser beklemmenden lmodifizierten Film Noir-Nuance über Tod und Gier nie vor. Aus Michael Ciminos Vietnamdrama “The Deer Hunter“ klebt jene Szene, in der Robert De Niro und Christopher Walken in einem wahnwitzigen Revolver-Spiel um ihr Leben kämpfen, noch in unseren Köpfen. Krasser kann Kino kaum sein. Oder? Doch, denn Gela Babluani überrumpelt den Betrachter durch seine noch quälerische Variante.
Es mag weltweit Fight Clubs und nicht nur in Japan die Suicide Circles geben, diese fatalere Form des gefährlichsten aller Spiele. Aber mit seiner degenerierten Menschenverachtung und misanthropischer Dekadenz toppt Babluani alles: Ein unwissender Teilnehmer in dem Tötungs-Turnier ist der junge Sébastien (George Babluani), dem zufällig gelungen ist, sich ins „Spiel“ einzuschleichen. Was ihn in der abgelegenen „Villa“ erwartet, weiß er indes nicht; als es erfährt, ist es zu spät. Dreizehn Männer - Sébastien ist die Nummer 13 - stehen im Kreis und reichen jeweils einen Revolver auf den Kopf ihres Vordermannes. In jedem Revolver ist nur eine scharfe Kugel neben einer Reihe von Platzpatronen. Die groteske Runde findet unter "Aufsicht" einer Gruppe wohlhabender, aber eher "passiv" veranlagter Mitspieler statt: Sie wetten untereinander, wer überleben und wer sterben wird. Sébastien überlebt das Spiel. Doch dann muss er erfahren, dass dies nur die erste Runde war. Die Revolver werden erneut geladen. Denn dieses ominöse Unterfangen zwischen Geldsegen und Genickschuß, den dekadente Geldsäcke zum persönlichen Kick organisieren, erlaubt kein Kneifen: Rien ne va plus.…
Es ist, als hätte Franz Kafka die literarische Vorlage geliefert, Aki Kaurismäki das Drehbuch verfasst, Robert Bresson die Kamera geführt und Krzysztof Kieslowski die Farbdramaturgie gestaltet. In düsteren und desolaten schwarz-weißen Tableaus entfaltet sich die bizarre Geschichte, deren sensitive Unheimlichkeit der Ohnmacht in unerträgliche Spannung umschlägt. Insbesondere fällt aucf, dass dieser Schwarzweißfilm die bedrohliche Atmosphäre versiert und perfide bis zur Unerträglichkeit die dramaturgische Spannung aufbaut.. Und so penetrant mechanisch war eine in Französisch befehlende Stimme schon ewig nicht mehr, wie die des Speakers beim tödlichen Wer-Erschießt-Wen?-Spiel. Selten wurde ein Debüt mit so vielen Preisen belohnt: Von Venedig bis Sundance räumte diese Allegorie auf Tragik und Tod, Würde und Wertlosigkeit alles ab.
(Jean Lüdeke)
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