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Dialog mit meinem Gärtner
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Dialog mit meinem Gärtner:
0Jean Lüdeke2009-01-28Von Männern, Freundschaft und Feldsalat, ein Künstler und sein Gärtner: Jean Beckers Melodrama über die Konfrontation zweier konträrer Charaktere und den Kick der Freundschaft.
Nicht nur sonnige Sonntage auf dem Lande: Ein erfolgreicher Maler und Dozent (Daniel Auteuil) verläßt Paris, um in das in das Haus seiner Kindheit zurückzukehren. Der in Scheidung lebende Künstler sucht per Zeitungsannonce jemanden, der sich um den vernachlässigten großen Garten des Grundstücks kümmert. Gleich mit dem ersten Bewerber erlebt er die große Überraschung, weil sich Léo (Jean-Pierre Darroussin), ein Klassenkameraden aus alten Schulzeiten vorstellt. Klar, der Mann wird sofort engagiert.
Die beiden Männer frischen Erinnerungen auf und allmählich entwickelt sich in langen Gesprächen über Gott und die Welt eine enge Freundschaft zwischen dem Intellektuellen und dem pensionierten Eisenbahnarbeiter mit der Leidenschaft fürs Gärtnern. Indem er ihn genau bei seiner Arbeit beobachtet, entdeckt der Maler nach und nach einen Menschen, der ihn durch seine offene und simple Sicht der Dinge immer mehr erstaunt, zumal sich sein Leben in geraden und klaren Handlungsstrukturen bewegt. Ein Glück ohne Glanz, entrissen vom Unkraut der Gier und den Schädlingen von Neid und Eifersucht. Léos Wertesystem unterliegt nur dem klaren Kriterium des gesunden Menschenverstandes.…
Der Maler zweifelt innerlich an seiner Existenz, ein Grund dafür, daß er so wundersam naiv vom rudimentären Savoire Vivre des Gärtners beeindruckt wird. Natürlich kapiert dieser nichts von der Arbeit seines Schulfreundes, weiß aber für, wie man die Sense richtig handhabt. Im übertragenen Sinn verkörpert der Garten-Merlin die ländliche, rudimentäre Republik Frankreichs, in alten Traditionen und rigiden Ideologien eingebettet. Nahezu grotesk augenzwinkernd überspitzt Regisseur Jean Becker das Aufeinanderprallen zwischen gesundem Menschenverstand und intellektueller Ratlosigkeit.
Jeder lernt vom Anderen eine neue Perspektive auf kleine und große Dinge des Lebens kennen. Dujardin und Dupinceau, wie sich die beiden Freunde nach Garten und Pinsel bald nur noch nennen, stehen sich schließlich auch in Krise und Krankheit bei. Auf diese Weise setzen die beiden eine Art verspätete und brüderliche Jugend fort, in der sich alles vermischt: ihre Familien, ihr Wissen, der Salat, die Bohnen und Kürbisse, das Leben, der Tod, die Reise im Flugzeug, die Johannesbeersträucher, die Vorlieben und die Farben. Und indem sie alles mit den Augen des anderen sehen lernen, erneuert jeder sein Weltbild wie aus dem freundschaftlichen Jungbrunnen. Ohne großes Spektakel kann der Betrachter an dieser dezent inszenierten und amüsanten Weiterentwicklungen teilhaben.
Es ist eine melancholische Geschichte über das Leben, die heiteren und traurigen Momente, den Unterschied zwischen irdischem und himmlischem Gewachsenem und über die Frage, ob Gemüse so schön sein kann wie Gauguin.
Becker filmt das ländliche Umfeld mit einer nahezu beiläufig anmutender Selbstverständlichkeit, ohne Stilisierungen und ganz auf seine Figuren konzentriert. In Beckers Film steckt die eigentliche Arbeit in den Dialogen.
Und die fußen auf Henri Cueco, der die literarische Vorlage lieferte, Maler und Radiojournalist; der lieferte die epische Basis für die schöne Story zwischen dem Farb-Fetischisten und den Karotten-King. Denn Léor hat es Regisseur Becker besonders angetan: „Ich war sofort beeindruckt von der Sprache und der Ausdrucksform des Gärtners, von seinen besonderen Überlegungen“, bekräftigt der Macher vom Kultdrama „Mörderischer Sommer“. Autor Henri Cueco muß es ähnlich ergangen sein, denn er veranlaßte einen realen Gärtner, seine Gedanken niederzuschreiben.
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Von Männern, Freundschaft und Feldsalat, ein Künstler und sein Gärtner: Jean Beckers Melodrama über die Konfrontation zweier konträrer Charaktere und den Kick der Freundschaft.
Nicht nur sonnige Sonntage auf dem Lande: Ein erfolgreicher Maler und Dozent (Daniel Auteuil) verläßt Paris, um in das in das Haus seiner Kindheit zurückzukehren. Der in Scheidung lebende Künstler sucht per Zeitungsannonce jemanden, der sich um den vernachlässigten großen Garten des Grundstücks kümmert. Gleich mit dem ersten Bewerber erlebt er die große Überraschung, weil sich Léo (Jean-Pierre Darroussin), ein Klassenkameraden aus alten Schulzeiten vorstellt. Klar, der Mann wird sofort engagiert.
Die beiden Männer frischen Erinnerungen auf und allmählich entwickelt sich in langen Gesprächen über Gott und die Welt eine enge Freundschaft zwischen dem Intellektuellen und dem pensionierten Eisenbahnarbeiter mit der Leidenschaft fürs Gärtnern. Indem er ihn genau bei seiner Arbeit beobachtet, entdeckt der Maler nach und nach einen Menschen, der ihn durch seine offene und simple Sicht der Dinge immer mehr erstaunt, zumal sich sein Leben in geraden und klaren Handlungsstrukturen bewegt. Ein Glück ohne Glanz, entrissen vom Unkraut der Gier und den Schädlingen von Neid und Eifersucht. Léos Wertesystem unterliegt nur dem klaren Kriterium des gesunden Menschenverstandes.…
Der Maler zweifelt innerlich an seiner Existenz, ein Grund dafür, daß er so wundersam naiv vom rudimentären Savoire Vivre des Gärtners beeindruckt wird. Natürlich kapiert dieser nichts von der Arbeit seines Schulfreundes, weiß aber für, wie man die Sense richtig handhabt. Im übertragenen Sinn verkörpert der Garten-Merlin die ländliche, rudimentäre Republik Frankreichs, in alten Traditionen und rigiden Ideologien eingebettet. Nahezu grotesk augenzwinkernd überspitzt Regisseur Jean Becker das Aufeinanderprallen zwischen gesundem Menschenverstand und intellektueller Ratlosigkeit.
Jeder lernt vom Anderen eine neue Perspektive auf kleine und große Dinge des Lebens kennen. Dujardin und Dupinceau, wie sich die beiden Freunde nach Garten und Pinsel bald nur noch nennen, stehen sich schließlich auch in Krise und Krankheit bei. Auf diese Weise setzen die beiden eine Art verspätete und brüderliche Jugend fort, in der sich alles vermischt: ihre Familien, ihr Wissen, der Salat, die Bohnen und Kürbisse, das Leben, der Tod, die Reise im Flugzeug, die Johannesbeersträucher, die Vorlieben und die Farben. Und indem sie alles mit den Augen des anderen sehen lernen, erneuert jeder sein Weltbild wie aus dem freundschaftlichen Jungbrunnen. Ohne großes Spektakel kann der Betrachter an dieser dezent inszenierten und amüsanten Weiterentwicklungen teilhaben.
Es ist eine melancholische Geschichte über das Leben, die heiteren und traurigen Momente, den Unterschied zwischen irdischem und himmlischem Gewachsenem und über die Frage, ob Gemüse so schön sein kann wie Gauguin.
Becker filmt das ländliche Umfeld mit einer nahezu beiläufig anmutender Selbstverständlichkeit, ohne Stilisierungen und ganz auf seine Figuren konzentriert. In Beckers Film steckt die eigentliche Arbeit in den Dialogen.
Und die fußen auf Henri Cueco, der die literarische Vorlage lieferte, Maler und Radiojournalist; der lieferte die epische Basis für die schöne Story zwischen dem Farb-Fetischisten und den Karotten-King. Denn Léor hat es Regisseur Becker besonders angetan: „Ich war sofort beeindruckt von der Sprache und der Ausdrucksform des Gärtners, von seinen besonderen Überlegungen“, bekräftigt der Macher vom Kultdrama „Mörderischer Sommer“. Autor Henri Cueco muß es ähnlich ergangen sein, denn er veranlaßte einen realen Gärtner, seine Gedanken niederzuschreiben.
(Jean Lüdeke)
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