Paranoid Park
Schauspieler / Schauspielerinnen in Paranoid Park:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Paranoid Park:
Mit der Amerika-Trilogie, in der er sich authentischer Tragödien seines Vaterlandes annahm, hat sich der Independent-Filmemacher Gus Van Sant zu einem der interessantesten US-Regisseure weiterentwickelt. In Gerry, Elephant und Last Days hatte er allen überflüssigen Hollywood-Ballast über Bord geworfen und die Geschichten sowohl inhaltlich als auch filmisch auf das Essenziellste reduziert. In Paranoid Park führt er diesen minimalistischen Stil nun einerseits fort, andererseits beschreitet Van Sant auch wieder völlig neue Wege. Thematisch reiht sich der Film, der auf einem Roman von Blake Nelson basiert, in die düsteren Vorgänger ein. Der junge Skateboarder Alex (Gabe Nevins) ist in den gewaltsamen Tod eines Wachmannes verwickelt, was seinen Alltag zunehmend aus den Fugen geraten lässt. Aus Elephant kennen wir Einstellungen, in denen die Kamera hinter dem Protagonisten herschleicht – diese werden hier aber nur beiläufig zitiert. Ebenfalls von seinen letzten Werken bekannt, verzichtet Van Sant auch nach wie vor auf ermüdende Schnitt-Gegenschnitt-Visualisierungen und fokussiert bei Dialogen viel lieber eine der Personen für die gesamte Zeit. Bei ihm dürfen Teenager noch Pickel haben und sehen nicht allesamt aus wie einem Modelkatalog entsprungen. Den Authentizitätsanspruch stellt er dann schon lieber inszenatorisch in Frage, wenn er den Originalton komplett ausblendet und Skating-Szenen mit Geräuschen, Stimmen und sphärischer Musik unterlegt. Überhaupt spielt der Einsatz von non-diegetischer Soundtrack-Musik zum ersten Mal seit Langem bei Van Sant wieder eine wichtige Rolle. Auch mit einer noch so unspektakulären Geschichte und geringem produktionstechnischen Aufwand kann das einstige Enfant terrible nach wie vor überzeugen. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ...
Stanley Kubrick ist der Lieblingsregisseur von Gus Van Sant. Der 1952 geborene US-amerikanische Filmemacher Van Sant, der als einer der bekanntesten Vertreter der New-Queer-Cinema-Bewegung gilt, erzählt ebenso wie Kubrick gern in eleganten Kamerafahrten, extravaganten Perspektiven und in einer durchkomponierten, „kühlen“ Cinematografie. Und wie Kubrick gelingt Van Sant stets die Neudefinition als Filmemacher und Künstler.
Seit 1985, als er mit „Mala Noche“ auf sich aufmerksam machte und 1987 den Los Angeles Film Critics Award for Best Independent/Experimental Film erhielt, begeistert er Kritiker und Publikum. Van Sant hat viele Werke geschaffen, die zu den Meilensteinen des Independent-Films der späten Achtziger- und der Neunzigerjahre gehören, insbesondere „Drugstore Cowboy“ (1989), „My Own Private Idaho“ (1991) und „Even Cowgirls get the Blues“ (1993). Als er Ende der neunziger Jahre plötzlich Filme in Hollywood drehte („Good Will Hunting“, 1997, „Finding Forrester“, 2000), schien das eine endgültige Abkehr von seinen Wurzeln als unabhängiger Filmemacher zu sein. Umso überraschender kamen die formalen Experimente der aus den Filmen „Gerry“ (2002), „Elephant“ (2003) und „Last Days“ (2005) bestehenden „Trilogie des Todes“. Anstelle einer Handlung gab es bloße Szenarien, denen sich Van Sant mit meditativen Steadicam-Fahrten, einer Durchbrechung der Chronologie und wechselnden Erzählperspektiven näherte. Nach diesen eigenwilligen Aufarbeitungen realer Ereignisse wie dem Columbine-Amoklauf und dem Selbstmord Kurt Cobains nimmt sich Van Sant 2007 in seinem Film „Paranoid Park“ einer Geschichte basiert auf einem Roman von Blake Nelson á la „Schuld und Sühne“ an. Van Sant beleuchtet hier die Verwirrung und die Schuld des 16-jährigen Alex - ein junger Durchschnittsteenie und passionierter Skater. Skateboarden ist sein Lebensinhalt, weder für die Scheidung seiner Eltern noch für den ersten Sex mit seiner Freundin hat er wirkliches Interesse. Bei einer nächtlichen Tour springt Alex mit einem Skaterkollegen auf einen Güterzug. Ein Wachmann verfolgt die Szene und will die beiden vom Zug scheuchen. Alex will den Wachmann mit seinem Skateboard abwehren, dieser gerät ins straucheln, fällt und wird von einem Zug überrollt. Außenseiter, Erwachsenwerden, Identität, Individuum und Gesellschaft, Freundschaft, Familie, Jugendkultur, Schuld und Sühne: das sind die Themen die Gus Van Sant hier verarbeitet. Er stellt das bislang überzeugendste Stimmungsbild einer Jugend dar, die vor den Erwartungen und den Rollen, die für sie bereitgehalten werden, überfordert zurückgesteckt hat. Anders als in bei den anderen Filmen von Van Sant liegt in „Paranoid Park" der dramaturgische Höhepunkt der Narration in der Vergangenheit und kann nur rückblickend erzählt werden. Der Film steuert folglich nicht auf die Katastrophe zu, sondern kehrt in der Erzählung immer wieder zu ihr zurück. „Hübsch“ anzusehen ist die Szene, in der der überfahrene Bahnwärter in seinen letzten Lebenssekunden auf den jungen Alex zukrabbelt; er krabbelt natürlich nur noch mit der oberen, von der Hüfte zum Kopf hinaufreichenden Hälfte, während eine Spur aus Blut, Gedärm und Gekröse aus dem offenen Rumpf hinter ihm im nächtlichen Bahnhofsboden versickert. Das ist nicht nur von der digitalen Bilderzeugung tadellos getrickst, sondern in seiner schockhaften Durchschlagung ein wahrhaft erinnerungswürdiger Moment. Einen interessanten Punkt spielt auch die Musik im Film. Gus van Sant verwendete Filmmusik aus Fellinis Filmen „Giulietta degli Spiriti" und „Amarcord", dazu kommen noch unterschiedliche musikalische Stile wie Folk, Hip Hop und Hardcore. Der Einsatz der Musik ist dann nur selten eine rein illustrative Funktion. Der Soundtrack wird nicht vom Originalton dominiert, sondern die Dialoge werden durch die Musik ersetzt und geben die Gefühlsrichtung der Schauspieler an. Die großartige Kameraarbeit stammt von Christopher Doyle, der in Super-8, dem Medium der meisten Skate-Filme, und im 35mm-Format gedreht hat. Die Darsteller sind Amateure (vor der Kamera, nicht auf den Boards), die Van Sant übers Internet rekrutiert hat. Das alles ist ungewöhnlich - und was dabei herausgekommen ist, ist es ebenfalls. Aber durchaus sehenswert! Alternativen: „Ken Park“ oder auch der James Dean-Klassiker „…denn sie wissen nicht was sie tun“ Die DVD selbst bietet einen schönen Ton (Dolby Digital 5.1) der vor allem seinen schönen Soundtrack zur Geltung bringt. Das Bild (Vollbild/ 1.33:1) ist aufgrund seiner verschiedenen Aufnahmetechniken wechselhaft – von Scharf bis gewollt grobkörnig ist hier alles dabei. An Bonusmaterial gibt es neben einem Interview mit Gus Van Sant noch ein „Making Of“ sowie Trailer zu Van Sant-Filmen „Paranoid Park“, „Mala Noche“ und „Last Days“. (Bernd Hellweg) alle Rezensionen von Bernd Hellweg ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Paranoid Park, DVD:
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