Malevil
Schauspieler / Schauspielerinnen in Malevil:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Malevil:
Der sanftere Horror, im Grunde nicht harmloser, findet sich in diesem wichtigen wie wegweisenden Film aus dem Jahre 1981. Die atomare Katastrophe überlebt nur eine Handvoll Menschen in einem unterirdischen Weinkeller auf der einstens so idyllischen Burg Malevil (übersetzt könnte es „schlechte Stadt“ heißen) in Südfrankreich und wenige andere in einzelnen Orten wie beispielsweise im Eisenbahntunnel. Die Handvoll Überlebender versucht mit kleiner Landwirtschaft, da das Korn noch gottlob keimfähig ist, ihre Existenz zu sichern. Aber kaum versucht man sich zu organisieren, versucht man sich zu diskreditieren. Doch schon kurze Zeit später kommt es zu Streitigkeiten innerhalb der eigenen Gruppe, mit anderen Überlebenden aus dem Nachbarort, die ein neues Gesellschaftssystem ausgerufen haben und mit Banden, die sich nehmen wollen, was die Leute von Malevil neu erschaffen haben. Eine Schreckenstopographie der Days After, gleichzeitig aber eine Allegorie im orwellschen Sinne: Die Menschheit bleibt auch im kargen Neuanfang unfähig, friedlich und demokratisch miteinander umzugehen. Das kennen wir aber schon aus William Goldings „Herr der Fliegen“, wo selbst gestrandete Kinder sich gegenseitig bekämpfen. Die kleinen Atombomben wohnen eigentlich in uns selber. Schon im gleichnamigen Roman von Robert Merle (1973) wird auf das Biblische und gleichzeitig versteckt Böse verwiesen: Alle Mitwirkenden haben bekannte Namen. Emanuel, der einstmals bekennende Atheist, wird zum Gläubigen, zum Priester und Führer seiner Gruppe. Damit macht er seinem Namen alle Ehre, denn dieser stammt von Immanuel ab und das bedeutet Gott mit uns…. (Jean Lüdeke) alle Rezensionen von Jean Lüdeke ...
Zu Beginn der 1980er Jahre war der Kalte Krieg zwischen Ost und West auf seinem Zenit angelangt. Die angespannte Lage, in der das Wettrüsten einen Dritten Weltkrieg und damit die atomare Katastrophe in greifbare Nähe gerückt hatte, brach sich auch in so mancher filmischen Endzeitversion Bahn. Zu den bekanntesten Vertretern gehören der schockierende amerikanische Fernsehfilm „The Day After“ von Nicholas Meyer, in dem eben jene globale Ost-West-Auseinandersetzung eindringlich bebildert wurde. Der britische Zeichentrickfilm „Wenn der Wind weht…“ blieb hingegen wesentlich unverbindlicher, indem er sich auf ein älteres Ehepaar und deren naiven Umgang mit den Folgen einer Atomexplosion befasste – wer da jetzt genau gegen wen die Bombe geworfen hatte, wurde nicht thematisiert. Ähnlich ging auch Christian de Chalonge bei seiner freien Verfilmung eines Romans von Robert Merle in „Malevil“ vor. Es ist ein ruhiger Tag in der französischen Provinz. Der Bürgermeister des Städtchens Malevil (Michel Serrault) hat sich mit einer Handvoll anderer Dorfbewohner in seinem Weinkeller getroffen, wo man bei einem guten Tropfen Modernisierungen besprechen möchte. Plötzlich kommt es zu einem Stromausfall, die Temperatur steigt ins Unermessliche. Als man sich nach Minuten des fassungslosen Schweigens nach draußen wagt, hat sich die Landschaft verändert. Eine Atomexplosion hat Menschen und Tiere verbrannt, die Umgebung ist ein einziges Trümmerfeld. In den nächsten Tagen versuchen die wenigen Überlebenden, sich mit der Extremsituation zu arrangieren. Nach einer Weile treffen sie schließlich auf eine Gruppe anderer Menschen, die sich einem despotischen Prediger angeschlossen haben und in den Überresten eines Zuges in einem Tunnel hausen. Ein Konflikt ist vorprogrammiert…
Das experimentelle Endzeitdrama hat den Test der Zeit gut überstanden, weil es sich eben auch nicht um eine politische Einordnung schert, sondern menschliches Verhalten angesichts einer Extremsituation analysieren möchte. Die erste Filmhälfte bebildert zunächst die positive Variante, in der sich die Überlebenden in einer gut funktionierenden Gruppe organisieren und schon fast wieder eine Normalität herstellen können. Dann lässt de Chalonge sie mit einem selbstherrlichen Gegenentwurf kollidieren, einer Gemeinschaft, die von einem Rädelsführer dominiert und unterdrückt wird. „Malevil“ ist voller sehenswerter Kameraeinstellungen und durchweg überzeugender Darstellerleistungen, und bietet auch heutzutage noch reichlich Diskussionsstoff und sehenswerte Unterhaltung. Die Erstveröffentlichung auf DVD lässt zwar hinsichtlich der Ton- und Bildqualität noch so manche Wünsche offen, ist aber äußerst liebevoll gestaltet. Bei den animierten Menüs hat man sich Einiges einfallen lassen und den Silberling zusätzlich mit knappen, aber interessanten Extras versehen. In zwei Minidokumentationen aus den 1950er Jahren kann man US-Atomtests und deren Auswirkungen aus nächster Nähe beobachten. Hinzu kommen Kurzbiografien von Gaststar Jean-Louis Trintignant (in der Rolle des diktatorischen „Monsieur le Directeur“) und des Autoren der Romanvorlage, Robert Merle, in Texttafeln, sowie eine animierte Fotogalerie mit Werbematerialien zum Film; des weiteren schließlich noch die Hörvariante einer Kurzgeschichte von Jacques Futrelle („The Thinking Machine“), die in englischer Sprache im DVD-Rom-Teil der Scheibe enthalten ist. Bei letzterem fragt man sich allerdings ein wenig nach dem Sinn, weil dieser zusätzliche Bonus den Bezug zum Film gänzlich vermissen lässt. (Frank Brenner) alle Rezensionen von Frank Brenner ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Malevil, DVD:
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Weitere Filminfos zu Malevil: Land / Jahr: Frankreich 1981 Produktion: NEF Diffusion/Les Films Gibé Telecip/Antenne 2/Stella/Anthea Vorlage: Roman von Robert Merle Musik: Gabriel Yared Kamera: Jean Panzer Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Malevil:
Kapitel- / Szenenanwahl, Animiertes DVD-Menü, DVD-Menü mit Soundeffekten, Slideshow, Dokumentarfilme, Hintergrundinfos, Hörbuch als ROM Part, Trailer zu Ikarie XB 1, Malevil - Erfindung des Verderbens, Die Nackte und der Satan
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