Die Schachspielerin
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Die Schachspielerin:
Hèléne, eine bescheidene Frau, die für ihren Mann das Festland verlassen und alles aufgegeben hat, geht auf, in einer Aktivität, die ihr liegt und die nur ihr gehört. Offensichtlich wird diese Metarmorphose in den gemeinsamen Stunden mit Dr. Kröger. Allein mit der Kraft ihrer Mimik verwandelt Sandrine Bonnaire die ernsthafte Hélène in eine fröhlichere, bisweilen ironische, und zunehmend selbstbewusstere Frau. Im Gegenzug werden auch die spröden Gesichtzüge Dr. Schröders, der von Kevin Kline verkörpert wird, zunehmend milder. Ohne viele Worte ist die einander entgegengebrachte Zuneigung offensichtlich. Die Vorahnung einer Liebesromanze macht sich breit. Dass „Die Schachspielerin“ nicht den Mustern klassischer Hollywoodfilme folgt, zeigt sich jedoch schnell. Hélène bleibt Ehefrau und Mutter und beschließt angesichts familiärer Streitigkeiten dem Schachspiel und Dr. Kröger den Rücken zuzukehren. Es sind dann ihr Ehemann und die Tochter, die sie anspornen das Schachspielen weiterzuverfolgen und die auch die gemeinsamen Stunden mit Dr. Kröger hinnehmen. Im Hintergrund der Entwicklung einer besonderen Leidenschaft – dem Schachspielen – steht somit eine sehr durchschnittliche Familie, die lediglich ihren Problemen nicht in jeder Situation gewachsen ist. Zwar bedient sich die Regisseurin Caroline Bottaro in ihrem Debütfilm typischer Klischees - der promovierte ältere Herr bringt seiner Putzfrau das Schachspielen bei. Doch muss man zugeben, völlig zu Recht. Schach ist ein Spiel der akademischen Welt. Dies nicht, weil nur sie Zugang hat, vielmehr käme das durchschnittliche Dienstmädchen nicht auf die Idee, Schach zu spielen. Als wäre es ausgemacht, dass ein körperlich arbeitender Mensch seinen Geist nicht einzusetzen hat. So unrealistisch ist das nicht. Vor der wunderschönen Kulisse Korsikas ist ein tiefsinniger und sehr sinnlicher Film entstanden, dem jeder Kitsch entbehrt, der von ausdrucksstarken Protagonisten gespielt wird und Lust auf Schach spielen macht. (Julia Radonjic) alle Rezensionen von Julia Radonjic ...
Ein meisterliches Werk in Sujet und der Interpretation: : Der König aller Spiele für die französische Königin des charismatischen Autoren-Kinos: Sandrine Bonnaire (“Vogelfrei“)entdeckt die Macht und Magie der Nachdenklichkeit, das Schachspielen. Wie sagte einstens Vladimir Nabukov? „Schachprobleme erfordern dieselben Tugenden wie jede künstlerische Bestätigung, die diesen Namen verdient: Originalität, Einfallsreichtum, Knappheit, Harmonie, Komplexität und erhabene Täuschung.“ Alles Attribute, die Bonnaire als Zimmermädchen Hélène besitzt. In der kleinen korsischen Nobelherberge wienert sie sich durch ein monotones Dasein, bis sie ein Gästepaar beim Tricksen mit Bauer, Turm und Dame entdeckt. Augenblicklich verfällt sie dem schweigsamen Bann von Konzentration und Kontemplation. Beim kauzigen Dr. Kröger (Kevin Kline), der den Optimismus eines Arthur Schopenhauer und die Jovialität eines August Strindberg besitzt, findet sie nach hartnäckigem Bitten und Betteln ihren heimlichen Großmeister und geistigen Vater des „Spiels“. Es ist eine sehr bizarre Beziehung, zwischen dem todkranken Witwer und der Schüchternen, ein knisternder Antagonismus von Ablehnung und Annäherung, obgleich das Mit- und Gegeneinander von allen sexistischen Soßen entfettet bleibt. Helène büffelt heimlich vor dem Schachcomputer, vergisst den familiären Frust und erobert en passent ihre Individualität und Ikonizität zurück. Bald wird sie den gegnerischen König kippen. Schach heilt sie zur Reflektion und Reanimation. Und in der Schluß-Sequenz an der Schiffreling verlässt sie erhaben die Enge der Insel zum Turnier, in ein neues weltoffeneres Leben. Diese letzte Sequenz ist auch eine heimliche Hommage an Maurice Pialats „À nos amours“ aus dem Jahre 1983. Da erkundete sie ebenfalls als renitente Tochter die pubertierende Freiheit. Sandrine (Bonnaire) hieß damals Suzanne und war gerade einmal 16 Jahre jung. Nicht nur wegen der brillanten Darstellung eine grandioses kleine Filmperle, sondern insbesondere der Themati wegen: Diskriminierung Frauen im Männerspiel Sschach: So wurde Susan Susan Polgar, die erste Frau, die durch ihre Turnierergebnisse den Großmeistertitel der Männer errang, systematisch benachteiligt: So weigerte sich der Ungarische Schachverband etliche Jahre, sie zu Turnieren ins Ausland zu schicken oder nominierte sie trotz erfolgreicher Qualifikation nicht für die Teilnahme am Interzonenturnier – mit der plötzlichen Begründung, dort dürften nur Männer spielen. Heute jedoch genießen Spielerinnen wie Alexandra Kosteniuk, Antoaneta Stefanova, Humpy Koneru oder auch Shahade die Vorzüge als Frau in der Schachwelt zu leben. Gleichwohl: Offensichtlich werden Frauen in der Schachwelt heute nicht in erster Linie wegen ihres starken Spiels bevorzugt behandelt, sondern weil sie Frauen sind. Und wenn sie überdies attraktiv sind, ist es für sie noch vorteilhafter, weil eben scach eine maskulin dominierte Welt ist. Packend zu erfahren in dem Buch „Chess Bitch“ von der Internationalen Meisterin Jennifer Shahade. (Jean Lüdeke)
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2009 zog es den amerikanischen Schauspieler Kevin Kline nach Frankreich, genauer gesagt auf die französische Insel Korsika, um für den Debütfilm, der aus Deutschland stammende Regisseurin Caroline Bottaro, „Die Schachspielerin“, vor die Kamera zu treten. An seiner Seite eine fantastische Sandrine Bonnaire.
Der Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Bertina Henrichs basiert, erzählt von der Verwandlung einer einfachen Frau, die bisher brav funktioniert hat und keine eigenen Ansprüche stellte. Im überschaubaren Insel-Alltag sorgt das für einigen Wirbel. Während die Romanvorlage auf einer griechischen Insel spielt, verlegte die Regisseurin die Handlung des Films auf Korsika.
Etwas mehr zur Handlung: Im Leben von Hélène (Sandrine Bonnaire) ist eigentlich alles in Ordnung: Sie führt eine einigermaßen glückliche Ehe mit ihrem Mann, der allerdings nur wenig Interesse an den Gedanken und Gefühlen seiner Frau zeigt. Dazu kommen eine launische Teenager-Tochter und ihr eintöniger Beruf als Zimmermädchen in einem Hotel. Doch Hélène ist eine genügsame Frau, die sich und ihre Bedürfnisse stets hinten anstellt und mit ihrem leidenschaftslosen Leben arrangiert hat.
Doch dann beobachtet sie eines Morgens bei ihrer Arbeit ein verliebtes Paar (die Frau wird übrigens von Jennifer Beals gespielt) beim Schachspiel. Hélène versteht nichts vom Schach, ist aber augenblicklich fasziniert von dem Spiel. In den Tagen darauf wird sie den Gedanken an das geheimnisvolle Spiel nicht mehr los, hinter dem sich für sie eine neue, ungeheuer aufregende Welt verbirgt. Mit einem elektronischen Schachbrett, welches sie ihrem Mann zum Geburtstag geschenkt hat, erarbeitet sie Nacht heimlich die Grundregeln. Das stellt sie bald aber nicht zufrieden, und so bittet sie den brummigen Witwer Doktor Kröger (Kevin Kline) um Hilfe. Dieser ist nicht unbedingt davon begeister mit einer Putzfrau Schach zu spielen, doch als er das Potential seiner Schülerin erkennt, ändert er seine Meinung.
Während Hélène immer besser wird gerät ihr eingespieltes Familienleben aus den Fugen. Zunächst erscheint Hélène vielen nur verdächtig, weil sie sich anders benimmt, als sonst, aber als publik wird, dass sie Schach spielt, wird sie von allen verspottet und aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt.
Fazit: „Die Schachspielerin“ bietet eine berührende, schöne und kluge Geschichte, der allerdings etwas die wahre Leidenschaft zum Spiel fehlt. Dennoch wird hier eine Literaturverfilmung vom Feisten geboten. Das ist Arthouse-Kino pur.
Die DVD präsentiert den Film in einem schönen Widescreen-Bild (1.85:1 – anamorph), was vor allem der sehr schönen Landschaft zu Gute kommt. Der Ton (Dolby Digital 5.1) ist zu jeder Zeit gut zu verstehen, kann sich allerdings themenbedingt natürlich nicht ausspielen. An Bonusmaterial gibt es ein Making-of sowie den Trailer zum Film.
(Bernd Hellweg)
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Weitere Filminfos zu Die Schachspielerin: Originaltitel: Joueuse Land / Jahr: Frankreich / Deutschland 2009 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Die Schachspielerin:
Kinotrailer, Kapitel- / Szenenanwahl, Making Of, Animiertes DVD-Menü, DVD-Menü mit Soundeffekten
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