Walhalla Rising
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Walhalla Rising:
Der Junge Are (Maarten Stevenson), der Einauge schon während der Gefangenschaft versorgt hat, folgt ihm in sicherer Entfernung. Beide treffen auf eine Gruppe Kreuzfahrer und, mit Are als Einauges Sprachrohr, schließen sich ihnen auf ihrer Fahrt nach Jerusalem an. Während der Überfahrt gerät die kleine Gruppe mit dem Schiff in einen Nebel, der sie tagelang orientierungslos auf der offenen See treiben lässt. Als sich der Nebel lichtet müssen die Kreuzfahrer feststellen, dass sie nicht das Heilige, sondern ein neues, unbekanntes Land erreicht haben. Sie versuchen ins Landesinnere zu gelangen, doch stoßen bald auf unsichtbare Gegner, die sie aus dem Hinterhalt mit Pfeilen beschießen. Die Kreuzfahrer, geschwächt und dem Delirium nahe, beginnen an ihrer Mission zu verzweifeln. Eigentlich wollte ich nicht eine so ausführliche Inhaltsangabe verfassen, denn im Grunde ist dies schon die gesamte Handlung von Nicolas Winding Refns letztem Werk. Lange hat es nicht mehr einen Film gegeben, in dem so viel geschwiegen wird und in dem die Landschaft, in der sich die Menschen völlig verlieren, die tragende Hauptrolle spielt. Vergleiche zu Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972), Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) und Annauds „Am Anfang war das Feuer“ (1981), aber auch Jarmuschs „Dead Man“ (1995) sind, und da stimme ich zu, bereits hergestellt worden. Besonders Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis‘“ (1899), dessen Geschichte Coppola in die Zeit des Vietnamkrieges verschob, erscheint mir als wichtigster Stimmungsgeber für die Zusammenarbeit Refns mit dem Schriftsteller Roy Jacobsen an dem Drehbuch zu „Walhalla Rising“. Lese ich in den gängigen Filmforen die Kommentare zu „Walhalla Rising“ kann man zu dem Film nur eine Meinung haben. Entweder man ist fasziniert oder völlig angeödet – dazwischen existiert nichts. Neben wissenschaftlichen Analysen stehen Kommentare, die sich in wütendsten Beschimpfungen über die „verlorene Zeit“ ergehen, die derjenige mit dem Sehen des Films vertan zu haben glaubt. Hierzu mein Hinweis (ich habe mir den Film bereits zweimal angesehen): Wenn spätestens bei der Bootsfahrt (eine echte Geduldsprobe) das Interesse vollends verloren geht, den Film ohne zu zögern ausmachen und nicht mehr weiter drüber nachdenken. Für die Gore- und Splatterfraktion gibt es auf youtube einen zeitsparenden Zusammenschnitt aller brutalen Stellen des Films. Aufgrund des Trailers ist es auch verständlich, wenn sich die Zuschauer auf einen actionlastigen Film gefreut haben und sich stattdessen mit langatmigem Arthauskino konfrontiert sehen, das obendrein auch noch ohne Bedienungsanleitung in Form von kontinuierlicher Erläuterung des Geschehens und dem Innenleben der Charaktere daherkommt. Nicolas Winding Refn wollte schon in jungen Jahren einen Film drehen, der auf der wissenschaftlichen Entdeckung beruht, dass Wikinger vor den Spaniern den amerikanischen Kontinent betreten haben. Mit Mikkelsen zusammen hat er an der Figur des „Einauge“ gearbeitet. Ein Mann ohne eigene Ziele, dem blutrote Visionen der unmittelbaren Zukunft die Richtung vorgeben, die er einschlagen wird. Zuerst kam die Idee mit dem fehlenden Auge, wodurch Einauge einen Bezug zu dem heidnischen Gott Odin entsteht, der eines seiner Augen als Pfand hergab, um seherische Fähigkeiten zu erhalten. Stumm und ohne deutbares Mienenspiel, ist es fast schon Verschwendung Mikkelsen für die Hauptrolle zu besetzen. Trotzdem ist seine Präsenz als Darsteller, auch in dieser ausschließlich körperlichen Rolle, außerordentlich. Ein bekannter Actionheld á la Statham oder ein gänzlich unbekanntes Gesicht hätten hier nicht funktioniert. Mikkelsen hat als „Einauge“ so wenig Menschliches an sich, wie die karge Natur, die dem sinnlosen Treiben der Menschen völlig gleichgültig gegenübersteht. Wobei das auch nicht stimmt. Die Natur ist feindselig gegenüber dem Menschen, möchte ihn lieber jetzt als später zermalmt sehen und ihn sich wieder vollständig einverleiben. Das Innere der Menschen hat sie bereits bezwungen. Was genau uns Refn mit „Walhalla Rising“ sagen will ist nicht klar auszumachen. Aus den umfangreichen Themenfeldern religiöser Fanatismus, menschlicher Status quo und der Analyse menschlicher Gewalttätigkeit (siehe auch Refns Film „Bronson“, 2008) kann sich der Zuschauer eine für ihn gültige Deutung zurechtbasteln. Oder aber, und dass favorisiere ich, den Film einfach auf sich wirken lassen. Womit ich mich dann auch als jemand oute, dem der Film gefallen hat. Auch ich fand, nach dem der Trailer erschien, die Idee eines Films, in dem Mads Mikkelsen als primitiver Schädelknacker unterwegs ist, äußerst verlockend. Erste Filmberichte aus dem Ausland hatten mich jedoch schnell wieder von dem Kurs runter. Trotzdem war ich sehr begierig den Film zu sehen und wurde nicht enttäuscht, da mich auch die oben genannten Filme und Conrads Buch äußerst fasziniert haben und es in regelmäßigen Abständen immer wieder tun. Die apokalyptische und beklemmende Atmosphäre, die fantastischen Landschaftsaufnahmen, der hypnotische Pulsschlag des Films – das alles macht „Walhalla Rising“ zu einem Filmerlebnis abseits der Formelhaftigkeit und dem bereits zu Tode dechiffrierten des täglichen, marktschreierisch umworbenen Konsumfilms. Das muss (und kann) nicht jedem gefallen. (Jan Heesen) alle Rezensionen von Jan Heesen ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Walhalla Rising, DVD:
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Weitere Filminfos zu Walhalla Rising: Originaltitel: Walhalla Rising Land / Jahr: Dänemark / Großbritannien 2009 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Walhalla Rising:
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