Das Gespenst
Schauspieler / Schauspielerinnen in Das Gespenst:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Das Gespenst:
Achternbusch will mit seinen Filmen bewusst gesellschaftliche Tabus brechen. In „Das Gespenst“ ist es besonders die Bigotterie der katholischen Kirche, die er mit provokanten Szenen verdeutlicht. Besonders getroffen hat die Kirchenleute wohl, dass Achternbusch etwas von der Materie versteht. Denn die von ihm verfassten Dialoge, außer dem Bischof sprechen alle mit bayerischem Akzent, zeugen von einer großen Kenntnis der Abläufe im katholisch-christlichen Ritus. Dadurch trifft seine tragikomische Satire die Adressaten an ihrer empfindlichen Stelle. Oberflächlich betrachtet wähnt man sich beim Passionsspiel in Oberammergau, wären da nicht die originellen Dialoge des herabgestiegenen Christus mit seiner geliebten Nonne. Keiner weiß, wie sich Jesus wirklich in der heutigen Welt zurechtfinden würde. Die Fantasie Achternbuschs zeugt von religiöser Erfahrung und großer künstlerischer Kreativität. Erstmals ist die unzensierte Version dieses Schwarz-Weiß-Films jetzt auf einer Einzel-DVD erschienen. Sie liefert ein glänzendes Zeugnis für die geänderten Zeiten in der Kulturpolitik in den letzten dreißig Jahren. Achternbuschs beabsichtigte Provokation löste einen Proteststurm in der in Bayern bis heute allmächtigen katholischen Kirche aus, die bekannt für ihre doppelbödige Moral und Scheinheiligkeit ist. Wie so oft bei derartigen Satiren verstehen religiös Überzeugte keinen Spaß, wenn es um ihren Glauben geht. Der Hass vieler „Gotteskrieger“ gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen ist ein Beispiel dafür aus jüngerer Zeit. „Das Gespenst“ wurde zunächst verboten, in Österreich offiziell bis heute. Später jedoch verstanden einige Kulturpolitiker die Satire und der Film wurde wieder freigegeben. Einige CSU-Politiker wollten dies jedoch nicht wahrhaben und taten mit ihrer filmpolitischen Wende alles, was sie konnten, um kirchen- und parteikritische Kunstwerke nicht staatlich zu fördern. Leider litten unter dieser Restriktion auch viele andere der Autorenfilmer des neuen deutschen Films. Pech hatte Achternbusch, dass zu Drehbeginn vom FDP-Innenminister 300.000 Mark für das Projekt zugesagt waren, bei Erscheinen jedoch ein CSU-Innenminister in der Regierung war, der die Zahlung der noch ausstehenden Raten von 75.000 Mark verweigerte. Diese öffentlichen Streitigkeiten, die auch viele andere unabhängige Autorenfilmer auf den Plan riefen, brachten dem Film jedoch einen großen Gewinn. Denn jetzt kamen erst recht umso mehr Interessierte in die Kinos und „Das Gespenst“ wurde mit über 150.000 Zuschauern der erfolgreichste Film von Herbert Achternbusch. Glücklicherweise haben sich die Moralvorstellungen im Lauf der Zeit geändert. Was damals als Blasphemie abgetan, zunächst ganz verboten und dann erst ab 18 Jahren erlaubt war, wird heute von der FSK schon ab 12 Jahren freigegeben. Erst viel später erkannten auch die konservativen bayerischen Kulturpolitiker die künstlerische Leistung ihres Landsmannes und veranstalteten 2008 zu seinem 70. Geburtstag in München verschiedene Retrospektiven seines malerischen und schriftstellerischen Werks. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ...
Der bajuwarische Skandal-Autorenfilmer Herbert Achternbusch sorgte mit dieser Film-Groteske für einen handfesten Skandal: Im April 1983 verweigerte die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) die Freigabe des Films. Wie konnte es jemand wagen, gerade im erzkatholischen Bayern, das teilweise gläubiger ist als der heilige Papst, solch eine Verunglimpfung des Herrn auf Zelluloid zu bannen? Nun denn, der Ablehnungsbescheid der FSK wurde in der Revision aufgehoben, das „Machwerk“ freigegeben.
Es ging um das „religiöse Empfinden von Zuschauern und um „Blasphemie“: Und die FBW verweigerte dem Bürgerschreck-Gespenst, Achternbusch ihr Prädikat. Aber ausgerechnet die Juroren der Evangelischen Filmarbeit nominierte diese Persiflage zum "Film des Monats" April, 1983. daraufhin war die katholische Kirche mehr als nur verärgert.
Der inhaltliche Stein des Anstoßes: Ein lebensgroßer Jesus Christus steigt von seinem Kreuz herab, um durch die bayerische Landesmetropole zu flanieren. Dabei zofft sich der neuzeitliche und urbane Messias mit Passanten, einem Bischoff und den Ordnungshütern. Jesus schuftet dann als Ober in der klostereigenen Kneipe, wo er sich mit besoffenen Polizisten und rabiaten Römern herumschlagen muß. Dagegen ist es angenehmer, mit der Oberin durch Bayern zu spazieren, übers Wasser zu latschen und tiefsinnige theologische Fragen zu erörtern: „Wenn das Brot mein Leib ist und der Wein mein Blut, was ist dann dieses Würstchen?“ Die Umsetzung war natürlich dementsprechend theatralisch statisch, in Schwarzweiß produziert und mit Laiendarstellern besetzt, gemahnt dieses umstrittene Film eher an ein gefilmtes Theaterstück. Delikat, aber mitnichten jedermanns Sache. Keine Frage, des Agent Provokateurs Werk stellte die ominöse und alles entscheidende Frage, wie es wohl dem heiligen Herrn ergehen würde, käme er leibhaftig heute nach München. Der Konflikt mit der Kirche, des Bundesinnenministerium sowie der Staatsanwaltschaft währet noch lange und hinterließ einen dauerhaften, faden Nachgeschmack. Sehr zur Freude atheistischer Cineasten. Und arrivierte Alt-68iger werden sicherlich ihre helle Freude an diesem doch einzigartigen Film haben. Es stellt sich nur die Frage, wie würden die Menschen heute auf den Leibhaftigen reagieren? Wahrscheinlich würden ihn die wenigsten dank ihres Bildungsniveaus erkennen, oder er läge vier Stunden später nach schweren Tritten halbtot im Krankenhaus wenn er nicht sofort in der Münchener U-Bahn Samstag nachts sein Handy, Zigaretten und die Kohle herausgerückt hätte.
(Jean Lüdeke)
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