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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu SZ-Cinemathek Dokumentarfilm Wirtschaft: Food Inc.:
Themenbereiche Umwelt, Wirtschaft und Musik Die Süddeutsche Zeitung ist in Deutschland ein Pionier bei der Nebenprodukte-Vermarktung elektronischer Medien. Seit 2005 erscheinen DVD-Reihen der „SZ-Cinemathek“, zunächst 100 Filmklassiker, später französische Krimis, Jugendfilme und Screwball-Komödien. Mehr als sechs Millionen verkaufter Exemplare sprechen für ihre Beliebtheit. Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten, bald bot auch der SPIEGEL in Zusammenarbeit mit Kinowelt und Universum mehrere thematische DVD-Reihen an. Die SZ-Redaktion dagegen will ihre Qualitätsauswahl nicht auf bestimmte Rechteverwerter beschränken. Das hat den Nachteil, dass die Lizenzen nach wenigen Jahren auslaufen und die Titel von der SZ nicht mehr angeboten werden dürfen. Deshalb sind von den Spielfilm-Cinematheken nur noch die Berlinale-Edition, Politthriller und deutsche Fernsehthriller lieferbar. Bei den früheren Cinematheken ist man auf Restbestände oder Gebrauchtartikel angewiesen. Noch länger lieferbar sind verschiedene Dokumentarfilmreihen in fünf Bereichen mit je drei Filmen. Die Themen Natur und Politik/Zeitgeschichte werden jetzt um Umwelt, Wirtschaft und Musik ergänzt. Die Auswahl zeigt, dass auch Dokumentationen spannend wie Thriller sein können. Viele skandalöse Zustände vor allem in den USA und in Entwicklungsländern sind zu sehen. Aktuelle Beispiele aus dem Bereich Umwelt sind die Fastfood-Kultur, gentechnisch verseuchte Nahrungsmittel oder die Massentierhaltung, in der Wirtschaft die negativen Auswirkungen eines radikalen Raubtierkapitalismus und die soziale Erosion des Mittelstandes. Besonders drastisch geht Michael Moore unter dem ironischen Titel „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ mit dem Wirtschaftsliberalismus ins Gericht. Angesichts der weltweiten Finanzkrise prangert er den Raubtierkapitalismus skrupelloser Opportunisten an und fordert als Alternative eine echte Demokratie. Auf realsatirische Art werden ernste Themen wie Arbeitslosigkeit, Zwangsversteigerung oder Korruption in Wirtschaft und Politik vorgestellt. Der dramaturgische Höhepunkt ist erreicht, als er mit einem Geldtransporter in der Wall Street vorfährt und von den Investmentbankern 700 Milliarden Dollar zurückfordert, die die Steuerzahler zur Rettung des Bankensystems aufbringen mussten. In „Workingman’s Death“ zeigt der Österreicher Michael Glawogger mit abschreckenden Bildern, dass die Arbeiterklasse und körperliche Schwerstarbeit noch lange nicht abgeschafft sind. Zu sehen ist dies bei illegalen Minenarbeitern in der Ukraine, Schwefelabräumern in Indonesien oder einem Schlachthof in Nigeria. Eine typische Geschichte vom Aufstieg und Fall einer Internetfirma um die Jahrtausendwende bietet „Startup.com“. Da nützt selbst der euphorische amerikanische Optimismus nichts mehr, wenn die Spekulationsblase nach einer viel zu langen Überbewertung an der Börse platzt. In der Umweltdokumentation „11th hour - 5 vor 12“ wird mit Leonardo DiCaprio ein glaubwürdiges Testimonial eingesetzt. Seine Mahnung lautet ähnlich wie in Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“, die Erde noch rechtzeitig vor dem Klima- und Ökokollaps zu retten. Über 50 Wissenschaftler, Publizisten und Ökomoralisten kommen zu Wort und konfrontieren uns mit der Ausbeutung der Erde, etwa mit den Kohle- und Ölvorräten, die in 400 Millionen Jahren gespeicherte Sonnenenergie enthalten. Die Kehrseite des Raubbaus an der Natur sind katastrophale Überschwemmungen, Feuersbrünste oder Erdrutsche. Wie wenig wir über unsere Nahrung wissen, zeigt der Oscar-nominierte Film „Food, Inc.: Was essen wir wirklich?“ Wenige Großkonzerne bestimmen, was wir essen und was wir darüber wissen dürfen. Fließbandproduktion und Monokulturen haben eine Industrie geschaffen, in der Tiere gequält, Tierhalter erpresst und illegale Einwanderer zu Hungerlöhnen beschäftigt werden. Produziert wird billige Massenware für die Fast-Food-Kultur. Das Perverse dabei ist, dass besonders die Armen unter ernährungsbedingten Wohlstandskrankheiten leiden, weil sie sich keine teure gesunde Nahrung leisten können. Früher gab es Religionskriege, heute geht es ums Öl, morgen um sauberes Trinkwasser. Das ist das Resümee von Irena Salinas Film „Flow - Wasser ist Leben“. Täglich sterben weltweit 4000 Kinder an den Folgen von Wasserverschmutzung. Die Privatisierung natürlicher Wasserquellen durch internationale Großkonzerne verschärft diese Situation, denn Wasser wird so zum Privileg der Reichen. Alle diese Filme sollten uns die Augen öffnen, dass wir unser „Elend“ hierzulande relativ sehen und nicht immer nur jammern sollten. Leider werden solche Filme meist nur von denjenigen gesehen, die ohnehin sensibilisiert für Umwelt und soziale Gerechtigkeit sind. Nach so viel bitterer Wahrheit lassen sich die Musik-Dokumentationen wie ein entspannendes Bad nach harter Arbeit genießen. Vorgestellt werden drei amerikanische Legenden der Stilrichtungen Folk, Rock und Country. Den Werdegang Bob Dylans, der Stimme des neuen Amerika, begleitet Martin Scorsese in „Bob Dylan: No Direction Home“. Joan Baez und andere Weggefährten sprechen über ihr Verhältnis zu dem jungen Sänger, der die Popmusik für immer veränderte. Jonathan Demme hat in „Neil Young: Heart of Gold“ den Country-Sänger bei einem Livekonzert zur Premiere seines Albums „Prairie Wind“ an historischer Stätte in Nashville mit acht Kameras beobachtet. Es ist nicht nur ein Konzertfilm, sondern ein außergewöhnliches Porträt einer sensiblen Künstlerseele. Durch welche Jammertäler viele Popmusiker gehen, zeigt eindrucksvoll „Townes Van Zandt: Be Here to Love Me“. Das intime Portrait zeigt die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen, die Mischung aus Genie und Wahnsinn und das manisch-depressive Wesen dieses Barden. Alle genannten DVDs sind zum Einzelpreis von 12,90 Euro oder günstiger im 3er-Set für 29,90 Euro über www.sz-shop.de erhältlich. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu SZ-Cinemathek Dokumentarfilm Wirtschaft: Food Inc., DVD:
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