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Schauspieler / Schauspielerinnen in Aghet - Ein Völkermord:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Aghet - Ein Völkermord:
Preisgekrönte Dokumentation über den ersten Genozid im 20. Jahrhundert. In dem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Aghet - Ein Völkermord“, einer Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, erinnert der NDR-Journalist Eric Friedler an eines der dunkelsten Kapitel im 20. Jahrhundert. Mehr als zwei Jahrzehnte vor dem Holocaust gab es während des Ersten Weltkriegs einen systematischen Völkermord an armenischen Christen, bei dem bis zu 1,5 Millionen Menschen im Osmanisch-Türkischen Reich ums Leben kamen. Zum 96. Jahrestag bringt Studio Hamburg dieses erschütternde Filmdokument auf DVD heraus. Im Gegensatz zu den Deutschen mit ihren Verbrechen an den Juden wollen die Offiziellen in der Türkei die historische Tatsache des Genozids an den Armeniern bis heute nicht anerkennen und fordern noch immer Beweise dafür. Viele türkische Intellektuelle und Journalisten, die darauf hinweisen und eine Aufarbeitung der Vergangenheit wollen, werden kriminalisiert oder sogar ermordet. Die internationale Staatengemeinschaft, allen voran die USA, hüllt sich in Schweigen zu diesem Thema, obwohl der Völkermord an den Armeniern historisch längst bewiesen ist. Zu wichtig ist die geostrategische Lage der Türkei an der Nahtstelle zwischen Europa und den Kriegsgebieten im Irak und in Afghanistan, als dass man sich mit dem NATO-Partner anlegen könnte. Die türkischen Machthaber wissen das geschickt auszunutzen. Während der Bush-Regierung war die Beschwichtigungspolitik noch ausgeprägter als heute. Im Film sieht man die damalige Außenministerin Rice, die das vor einem Untersuchungsausschuss offen zugibt. Der demokratische Senator Obama hat 2007 auf die Verbrechen hingewiesen, aber bei seiner Rede als Präsident vor dem türkischen Parlament kein Wort darüber verloren. Es ist unverständlich, warum die Türkei dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte nicht wie die Deutschen auch aufarbeiten will. Rückgängig kann man es nicht machen, aber zumindest sich dafür entschuldigen. Bei einem Staatsbesuch des türkischen Regierungschefs in dem mittlerweile selbständigen Armenien wurde nur über neue Grenzöffnungen gesprochen. Dabei wollen sich auch in der Türkei immer mehr Menschen ein eigenes Bild von der jüngeren Geschichte ihrer Nation machen. 200.000 Türken demonstrierten nach der Ermordung eines Journalisten, der darauf hingewiesen hatte. Eric Friedler hat für seinen Beitrag ein völlig neues Konzept entwickelt, eine Mischung aus Dokumentarfilm und Doku-Drama. Neben originalen Filmen und Fotos sind wie in anderen historischen Fernsehbeiträgen auch in „Aghet“ (armenisch Katastrophe) Zeitzeugen zu sehen, die hautnah von den Ereignissen berichten. Weil jedoch fast 100 Jahre danach niemand mehr von ihnen am Leben ist, zitieren 23 bekannte Schauspieler wie Martina Gedeck, Sandra Hüller, Hannah Herzsprung, Axel Milberg, Gottfried John oder Ulrich Noethen, was Botschafter, Konsule, Missionsschwestern, Sanitätsoffiziere oder Überlebende damals aufgezeichnet haben. Man musste sich nicht einmal die Mühe machen, sie in damalige Kleider zu stecken oder ihnen die Haar- und Barttracht der Zeit zu verpassen. Ihre Berichte sind so eindringlich, dass man sie nicht mehr vergisst und davon Albträume bekommen kann. Neben schrecklichen Details informiert der Film auch über wichtige historische Eckdaten in der explosiven Zeit, die zum ersten Weltkrieg führte. Ende des 19. Jahrhunderts bilden Armenier, das älteste christliche Volk der Welt, eine wohlhabende Oberschicht in den Städten des Osmanischen Reiches. Bereits 1895 werden in Pogromen mehr als 200.000 von ihnen ermordet. 1908 übernehmen nach einer Revolution nationalistische Jungtürken die Macht, der Einfluss des Sultans wird immer geringer. Ab 1913 gibt es ein Einparteiensystem unter dem Triumvirat Talaat Pascha, Enver Pascha und Djemal Pascha. Ihr politisches Ziel ist ein ethnisch homogener türkischer Staat. Das Gebiet des armenischen Volkes wird aufgespalten und gehört jetzt zu Persien, Russland und dem Osmanischen Reich, das im Ersten Weltkrieg mit den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn und Bulgarien verbündet ist. Im Kampf gegen Russland gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen deutschem und türkischem Militär. Die verheerende Niederlage gegen Russland und Gebietsverluste werden den Armeniern zugeschrieben. 1915 werden über 2000 intellektuelle Armenier verhaftet und ermordet. Das ist der Beginn des systematischen Völkermords. Die Armenier werden in Viehwaggons der mit deutscher Hilfe errichteten Bagdad-Bahn in die mesopotamische Steppe oder syrische Wüste deportiert, wo sie verhungern oder grauenvoll ermordet werden. Schließlich überleben etwa 500.000 Menschen, meist Frauen und Kinder, besonders durch die Unterstützung von Missionsschwestern in Waisenhäusern. Die meisten Überlebenden kommen in Harems oder werden als Haussklavinnen gehalten. 1918 nach dem Waffenstillstand fliehen Enver Pascha, Talaat Pascha und andere für den Völkermord verantwortliche jungtürkische Politiker mit deutscher Hilfe aus dem von Alliierten besetzten Konstantinopel nach Berlin. 1921 wird Talaat Pascha dort von einem Armenier erschossen. 1943 wird seine Leiche in die Türkei überführt. Noch heute gibt es dort viele Straßen, Plätze und Gebäude wie Schulen, die nach den Paschas benannt sind. Im Film wird kritisch angemerkt, was wäre, wenn bei uns heute noch Straßen nach Adolf Hitler benannt würden. Für ihn waren die straffrei davongekommenen türkischen Machthaber ein Vorbild für seinen Genozid an den Juden. Neben den durch Schauspieler wiederbelebten Zeitzeugen kommen Historiker, Politiker und Wissenschaftler aus der Türkei, Deutschland, den USA oder Armenien zu Wort, als bekannter Vertreter der armenischen Diaspora der Boxer Arthur Abraham. Den Verantwortlichen in der Türkei wird empfohlen, sich 96 Jahre nach diesen schlimmen Ereignissen zu ihrer Vergangenheit zu bekennen, besonders in Hinblick auf die gewünschte Aufnahme in die Europäische Union. Und andere Regierungen sollten überdenken, warum sie über den Holocaust oder die Völkermorde in Ruanda oder Kambodscha reden, beim armenischen Völkermord aber noch immer diplomatische Zurückhaltung üben. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Aghet - Ein Völkermord, DVD:
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