Arthaus Retrospektive: Mr. und Mrs. Smith
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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Arthaus Retrospektive: Mr. und Mrs. Smith:
Vier Premieren und eine Wiederveröffentlichung. Seit langem stehen die unter dem Label „Arthaus“ herausgebrachten DVD-Ausgaben in der Gunst der Cineasten ganz oben. In bester Aufmachung und Qualität erscheinen historisch bedeutende Filme mit vielen Extras. Mit der Reihe „Arthaus Retrospektive“ öffnet Kinowelt jetzt ein weiteres Kapitel mit noch nie oder schon lange nicht mehr veröffentlichten Filmklassiker-Raritäten, auf die viele schon lange gewartet haben. Am Beginn der Reise durch die Filmgeschichte stehen fünf herausragende Schwarz-Weiß-Filme von Regielegenden mit großen Filmstars aus der Zeit von 1941 bis 1964, davon vier DVD-Premieren. Mit der Screwball-Komödie „Mr. und Mrs. Smith“ (1941) zeigt Alfred Hitchcock, dass er nicht nur spannende Thriller inszenieren kann. Das Ehepaar Anne (Carole Lombard) und David Smith (Robert Montgomery) hat sich strenge Regeln auferlegt. Jeden Monat muss eine Frage vom Partner ehrlich beantwortet werden. Dabei gesteht er ihr, dass er nicht noch einmal heiraten würde. Eines Tages erfahren sie von einem Beamten, dass ihre Ehe rechtlich ungültig sei. Anne erwartet einen neuen Antrag von David, doch der lässt auf sich warten. Sie denkt, er will wirklich kein zweites mal mehr heiraten und bandelt mit Davids Freund Jeff (Gene Raymond) an, mit dem sie zusammen Urlaub macht. Nach einigen Missverständnissen gelingt es David schließlich, sie zurückzuerobern. Wie so oft stellt Hitchcock eine starke Frauenfigur ins Zentrum des Geschehens, die es geschickt versteht, die beiden Männer gegeneinander auszuspielen. „Goldes Gift“ (1947) von Jacques Tourneur zählt zu den Prototypen des Film noir mit den dunklen Seiten des amerikanischen Traums. Hier geht es um Verbrechen, Angst, Gewalt, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und der Ohnmacht, diesen bösen Mächten zu entkommen. Lange Schatten und düstere Gegenlichtstimmungen beherrschen die Bildszenen. Robert Mitchum spielt den Helden Jeff Bailey, der sich nicht von seiner Vergangenheit lösen kann und blindlings in Verderben rennt. In Rückblenden erfährt man, dass er einst 40.000 Dollar von Kathie (Jane Greer) holen sollte, die sie seinem Freund Whit Sterling (Kirk Douglas) gestohlen hat. Dabei fällt er auf ihre Verführungskünste herein. Viele Jahre später findet er dieselbe intrigante Frau an der Seite von Whit und möchte mit Ann (Virginia Huston) ein neues Leben beginnen. In dieser raffiniert gesponnen Geschichte um Liebe und Verrat, Macht und Gewalt gerät der traurige Held immer auswegloser in die Klauen von Whit und Kathie. Josef von Sternberg feiert in den 1930er Jahren zusammen mit Marlene Dietrich große Erfolge („Der blaue Engel“, „Marokko“). Sein vorletzter Film „Macao“ (1952) steht unter keinem guten Stern. Er bekommt während der Dreharbeiten Krach mit dem Produzenten Howard Hughes, wird gefeuert, und Nicholas Ray („Denn sie wissen nicht, was sie tun“, „König der Könige“) vollendet den Film. Mit dem Schiff treffen in der damaligen portugiesischen Provinz Macao im südlichen China Nick Cochran (Robert Mitchum) und die Sängerin Julie Benson (Jane Russell) ein. Das beunruhigt den Gangsterboss Halloran (Brad Dexter), der in Nick einen Undercoveragenten vermutet, nachdem ihn der korrupte Polizist Sebastian (Thomas Gomez) informiert hat. Mit einigen Hindernissen kann Halloran gestellt werden und Nick wird mit Julie glücklich. In einer Mischung aus Abenteuerfilm, Krimi und Action beeindruckt auch das exotische Flair in der damaligen Kolonie. Michelangelo Antonionis Melodram „Liebe 1962“ war einige Jahre vergriffen, jetzt steht es in dieser Reihe wieder zur Verfügung. Es ist der Abschluss einer Filmtrilogie mit dem gemeinsamen Thema von Paaren in der Krise während des wirtschaftlichen Aufschwungs in Italien. Die Geschichte beginnt mit der Trennung von Vittoria (Monica Vitti) und Riccardo (Francisco Rabal). Die Anfangssequenz zeigt in langen Einstellungen ein Paar, das sich nichts mehr zu sagen hat. Das intensive Spiel der beiden Protagonisten lässt die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen hautnah miterleben. Vittoria sehnt sich nach der wahren Liebe. An der Börse lernt sie den Spekulanten Piero (Alain Delon) kennen. Zögerlich nähern sich die beiden an, aber es bleibt schließlich beim Versprechen, sich wieder zu sehen. Antonioni zeigt mit vielen symbolischen Bildern in einer anonymen geschäftigen Großstadtkulisse die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu kommunizieren. Schuld daran ist die vor allem auf Leistung und Konsum ausgerichtete Gesellschaft, beispielhaft dargestellt durch das hektische Geschehen an der Börse. Antonionis abstrakte Bildsprache, in der alltägliche Dinge eine neue Bedeutung bekommen, fordert den Zuschauer durch eine neue Art der Wahrnehmung zum Nachdenken auf. In Cannes wurde der Film mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. Als Bonus gibt der Filmhistoriker José Moure eine Einführung des Filmklassikers. Samuel Fuller scheint ein besonderes Verhältnis zu Beethoven zu haben. Als einziger Hollywood-Regisseur hat er 1972 einen „Tatort“ inszeniert, der in Bonn spielt und den Titel „Tote Taube in der Beethovenstraße“ trägt. In Fullers Drama „Der nackte Kuss“ (1964) gehört eine Beethoven-Büste zum Inventar und der erste Satz der Mondscheinsonate ist zweimal zu hören. Ähnlich wie der „Tatort“ überzeugt dieser in der Mittelschicht einer US-Kleinstadt spielende Krimi durch eine perfekte Kameraführung, gute Schauspieler und eine komplexe Story. Auf der Flucht vor ihrem Zuhälter landet die Prostituierte Kelly (Constance Towers) in einer Kleinstadt. Ihr erster und letzter Kunde dort ist der Sheriff Griff (Anthony Eisley). Sie möchte ein neues Leben als Kinderkrankenschwester beginnen, und verliebt sich in Griffs Freund Grant (Michael Dante), der aus einer angesehen Familie stammt. Obwohl sie ihm von seiner Vergangenheit erzählt, will er sie heiraten. Doch dann trifft sie ihn in seinem Haus an, als er ein kleines Mädchen sexuell belästigt. Er gesteht ihr sein abnormes Verhalten, worauf sie ihn mit dem Telefonhörer erschlägt. Kelly wird verhaftet und von Griff streng verhört. Als sie sich entschuldigen will, folgen zunächst nur Enttäuschungen, denn frühere Bekannte wollen sie verunglimpfen. Erst als das kleine Mädchen als Zeugin gefunden wird, ist sie entlastet und kann die Stadt verlassen. Schön zeigt Fuller, wie eine starke Frau ihr Schicksal trägt und sich nicht von der scheinheiligen Doppelmoral der provinziellen Mittelschicht einschüchtern lässt. Es ist ihr zu gönnen, jetzt endlich ein normales Leben „auf der anderen Seite des Zauns“ führen zu können. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ...
Das junge Ehepaar, Mr. David und Mrs. Anne Smith, gerät aufgrund sehr unterschiedlicher Temperamente und Charaktere häufig in Streit, versöhnt sich aber ebenso häufig wieder. Die immer wieder angedrohte Scheidung wird nie vollzogen, wäre auch nicht nötig, denn wie sich herausstellt, ist die Ehe der Beiden wegen eines Formfehlers ohnehin nicht rechtsgültig, wie David erfährt. Unverheiratet überkommt David wieder die Liebe zu seiner Frau, und er will ihr nichts von der Ungültigkeit der Ehe erzählen. Doch Ann weiß bereits Bescheid, wirft ihn aus dem Haus, nimmt ihren Mädchennamen wieder an, sucht sich einen Job und wendet sich Davids Anwaltskollegen und Freund Jeff Custer zu. Nun setzt David alles daran, die Liebe seines Lebens zurück zu erobern.
Wer bei dieser Inhaltsangabe, der 1941 entstandenen Screwball-Comedy mit dem Titel „Mr. und Mrs. Smith“, nun an Komödien-Spezialisten Ernst Lubitsch, Howard Hawks, Frank Capra oder Billy Wilder denkt, liegt hier völlig falsch. Bei diesem Werk, mit Carole Lombard, die wenig später bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte, und Robert Montgomery in den Hauptrollen, saß Suspense-Meister Alfred Hitchcock auf dem Regiestuhl. Abgesehen von einigen unbedeutenden Stummfilmen und der 1932 entstandenen Komödie „Endlich sind wir reich“, ist dies die einzige Komödie, die Hitchcock je drehte. Hitchcock drehte den Film nach eigener Aussage aus Freundschaft zu Carole Lombard, die ihn eines Tages fragte, ob er denn nicht Lust hätte, mit ihr gemeinsam einen Film zu drehen. Da die Lombard zu den ganz wenigen Frauen der Branche gehörte, die Hitch als gleichberechtigte Partnerin ansah, sagte er zu und bemühte sich darüber hinaus Cary Grant für die männliche Hauptrolle zu bekommen, was jedoch scheiterte, da dieser für eine andere Produktion verpflichtet worden war. Nach einer Reihe von Absagen durch weitere Filmstars wie Fredric March und George Brent wurde eine Woche vor Drehbeginn Robert Montgomery für die Rolle verpflichtet. Seine Gage überstieg sogar die von Hitchcock. Mit 110 000 US-Dollar pro Woche erhielt Montgomery 40 000 Dollar mehr. Die Dreharbeiten fanden vom 5. September bis 2. November 1941 statt und waren von einer selten ausgelassenen Stimmung geprägt, für die vor allem Carole Lombard mit einer Flut erfindungsreicher Streiche sorgte. Sie war hochintelligent und schlagfertig und besaß denselben Sinn für skurrilen Humor wie der große Regisseur. So nahm sie z. B. Hitchcocks Bemerkung, alle Schauspieler seien Vieh, wörtlich. Als Hitchcock im Studio eintraf, fand er drei Käfige vor. In jedem stand eine Kuh, versehen mit den Namen der Hauptdarsteller (Lombard, Montgomery, Raymond). Doch zurück zum Film selbst. „Mr. und Mrs. Smith“, der nach dem Drehbuch von Norman Krasna („Indiskret“, „Machen wir´s in Liebe“, „Sonntag in New York“) inszeniert wurde, reicht sicherlich nicht an die Klassiker wie etwa die von Lubitsch heran, braucht sich aber auch nicht vor ihnen zu verstecken. „Mr. und Mrs. Smith“ ist eine herrlich witzige, turbulente und locker inszenierte Ehekomödie, die voller witziger Eheturbulenzen um die Themen Eifersucht, Misstrauen und Gewohnheit bestens zu unterhalten weiß. Hitchcock schreckte auch nicht davor zurück, einige Seitenhiebe auf die sinnlose Bürokratie und die überzogenen Moralvorstellungen Amerikas der Dreißiger- und Vierzigerjahre (seinerzeit Tabuthemen in Hollywood) zu platzieren. Zur Freude aller Hitchcock-Fans und Liebhabern origineller Screwball-Comedys veröffentlicht nun Kinowelt Home Entertainment in der Arthaus Retrospektive „Mr. und Mrs. Smith“ auf DVD. Präsentiert wird der Film, bedenkt man das Alter des Streifens, mit einem recht ordentlichen Bild (Vollbild/ 1.33:1) und einem gut verständlichen Dolby Digital 1.0-Ton. Bonusmaterial ist leider nichts vorhanden, aber wenigstens gibt es ein Wendecover, so dass das unbeliebte FSK-Zeichen verschwindet. Übrigens: Hitchcocks berühmter Cameo-Auftritt findet in der 41. Minute statt. Auf der Straße geht er an Mr. Smith vorbei. Alternativen zum Film: „Es geschah in einer Nacht“ (1934) von Frank Capra mit Claudette Colbert und Clark Gable oder auch die Leo McCarey-Komödie „Die schreckliche Wahrheit“ (1937) mit Cary Grant und Irene Dunne. (Bernd Hellweg) alle Rezensionen von Bernd Hellweg ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Arthaus Retrospektive: Mr. und Mrs. Smith, DVD:
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Weitere Filminfos zu Arthaus Retrospektive: Mr. und Mrs. Smith: Originaltitel: Mr. und Mrs. Smith Land / Jahr: USA 1952 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Arthaus Retrospektive: Mr. und Mrs. Smith:
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