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Carl-A. Fechner, Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Die 4. Revolution:
Deutschlands erfolgreichster Kino-Dokumentarfilm des Jahres 2010. Überall ist die Rede vom Klimawandel und den Folgen. Doch nur wenige wissen, was man konkret dagegen tun kann. Endlich hat einmal ein Film dieses Thema aufgegriffen. Statt nur zu klagen oder gegen alles zu sein, bietet er realistische Handlungsanleitungen. Damit hilft man nicht nur der Umwelt, sondern langfristig auch dem Geldbeutel und Gewissen. Der Dokumentarfilm „Die 4. Revolution“, der jetzt auf DVD herauskommt, plädiert für einen globalen Umstieg auf erneuerbare Energien. Durch die Reaktorkatastrophe in Japan hat er noch an Brisanz gewonnen. Der Titel des Filmes erinnert an die drei die früheren wirtschaftlichen Umwälzungen in der Landwirtschaft, im Industriesektor und in der Computerwelt. Die vierte Revolution bezieht sich auf den Energiesektor, wo die endlichen fossilen Energieträger von erneuerbaren Energieformen wie Sonne, Wind und Wasserkraft ersetzt werden. Durch schwindende Ressourcen bleiben höchstens noch 30 Jahre für die Umstellung von konventioneller auf erneuerbare Energie. Der einzige Schurke im Film, der Türke Fatih Birol, Chef-Ökonom und Direktor der „Internationalen Energie Agentur“ (IEA), die vor allem die wirtschaftlichen Interessen der reichen OECD-Staaten vertritt, nennt das unrealistisch. Es ist kein Zufall, dass Birol zuvor ein Lobbyist der erdölexportierenden Länder (OPEC) war. Hermann Scheer fordert dagegen die Entkoppelung von Energiequellen und Energienutzung und plädiert für Energieautonomie durch kostenlose Energie aus der Natur. Der Film war 2010 der erfolgreichste Dokumentarfilm und löste zahlreiche Aktionen, Demonstrationen und Diskussionen aus. Regisseur Carl-A. Fechner und sein engagiertes Team begleiten Hermann Scheer, Vorstand des Weltrats für Erneuerbare Energien. Seine Vision ist eine weltweite Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, für jeden erreichbar, bezahlbar und sauber. Eine globale Umstrukturierung soll Machtverhältnisse neu ordnen und Kapital gerechter verteilen. Mit beeindruckenden Bildern und klaren Aussagen zeigt der Film Lösungen auf und regt zum Nachdenken und Handeln an. Die erste Szene ist ein nächtlicher Anflug auf das hell erleuchtete Los Angeles. Die enorme Energiemenge, die hier verbraucht wird, stammt fast nur aus Erdöl, Kohle und Kernkraft. Was könnte an diesen Energieformen eingespart und an Emissionen vermieden werden, wenn die vielen Glasfassaden an den Hochhäusern durch Photovoltaik-Anlagen ersetzt würden? In den USA stehen viele veraltete Windkraftanlagen aus den 1970er-Jahren, ihre Renovierung könnte fünf Kernkraftwerke ersetzen. Weltweit haben mehr als zwei Milliarden Menschen kein elektrisches Licht. Besonders wichtig ist elektrischer Strom in armen Regionen wie Afrika. Früher brauchte man in Mali Taschenlampen auf der Geburtsstation eines Krankenhauses, heute sorgt ein Solarmodul für elektrisches Licht. Elektrizität fehlt bei 60 Prozent der Afrikaner. Dort ist die Wirtschaft nur mit erneuerbarer Energie anzukurbeln. Es gibt über 40 Länder, die für den Import durch Öl mehr ausgeben als sie durch ihren gesamten Export einnehmen. Das Pro-Kopf-Einkommen in Entwicklungsländern beträgt nur zwei Prozent von unserem, aber sie müssen für Öl genauso viel bezahlen wie wir. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien verteilt die Marktanteile neu. Bis heute kann das Kartell der OPEC die Preise für den Ölmarkt weltweit festlegen. Die Einnahmen der Öl-Multis betrugen 2008 fast 1000 Milliarden Dollar, den höchsten Konzerngewinn aller Zeiten erreichte Exxon Mobile mit 45 Milliarden Dollar. Kann man gegen solche übermächtigen Gegner etwas ausrichten? Im vorbildlichen Dänemark produzieren Windräder Energie für private und gewerbliche Nutzung. Strom wird über Turbinen mit Gas aus Biomasse erzeugt. 80 Prozent des Energiebedarfs werden über das Nahwärmenetz geliefert. Statt großer Kohlekraftwerke gibt es Hunderte kleine Heizkraftwerke. Dieser zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammende Strom wird in elektrochemischen Batterien gespeichert, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint. Der innovative Unternehmer Elon Musk investiert in die drei Zukunftsfelder Internet, Raumfahrt und erneuerbare Energien, im Moment in Form von Elektro-Sportwagen in geringer Stückzahl. Daraus könnte bald ein Massenmarkt werden. In Oslo gibt es bereits Elektro-Kleinwagen. Das wäre ein Vorbild für Car-Sharing in den Städten und Nutzung der Bahn für längere Überlandfahrten. Auch Elektroflugzeuge für einige Tausend Meilen sind möglich. Mehr als 2 Billionen Liter Treibstoff verkauft die Ölindustrie jährlich weltweit für Transport und Verkehr, das ist ein Viertel des Energieverbrauchs der Welt. Ein Elektro-Kleinwagen verbraucht Strom für 2,50 Euro auf 100 Kilometer. Wenn der Strom dafür aus erneuerbaren Energien stammt, gibt es keinen fossilen Treibstoffverbrauch mehr. Doch Ende 2010 waren in Deutschland nur 2000 Elektrofahrzeuge im Einsatz. Der IEA-Ökonom sagt zu Recht, dass Menschen ihr Verhalten nur mit finanziellen Anreizen ändern, nicht mit moralischen Appellen. Ein Beispiel ist die Subventionierung von energiesparenden Maßnahmen. Mit intelligenten Lösungen bei Neubauten oder der Sanierung von Altbauten lassen sich 90 Prozent der heutigen Energiekosten sparen. Nebenbei schaffen energetische Altbausanierungen Arbeitsplätze und reduzieren den CO2-Ausstoß. Als Beispiel werden Passivhäuser gezeigt, die gegenüber herkömmlichen Häusern 40 Prozent Energie einsparen. Für eine Photovoltaikanlage braucht man in Ländern mit Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) kein Kapital und Dach. Die Anlage zahlt sich in zehn Jahren selbst ab. Durch immer mehr Eigenversorger kommt es zu einer Demokratisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung, was zum größten wirtschaftlichen Strukturwandel seit Beginn des Industriezeitalters führen kann. Die Hälfte der Menschheit lebt in Städten, davon die Mehrheit in Slums, weil Milliarden Menschen versuchen, dem Angebot an Energie hinterher zu ziehen. 501 Millionen Europäer verbrauchen 27mal mehr Strom als 1000 Millionen Einwohner Afrikas. Positive Beispiele in Mali zeigen den richtigen Weg. Eine kleine Solaranlage für eine Schule oder ein Krankenhaus kostet dort 140 US-Dollar. Diese kleinteiligen Lösungen funktionieren in Dörfern, aber auch Metropolen wie Los Angeles können auf erneuerbare Energien umstellen. In unmittelbarer Nähe gibt es große Wüsten, wo man große Solarwärmekraftwerke errichten kann. Die auf die Erde einstrahlende Sonnenenergie entspricht etwa dem Zehntausendfachen des aktuellen menschlichen Energiebedarfs. In Brasilien wird der Regenwald als Brennstoff abgeholzt, das ist katastrophal für die CO2-Bilanz. Die Energiediskussion darf aber nicht nur auf das Kohlendioxid-Problem reduziert werden. Ebenso wichtig sind Wasserverbrauch, schwindende fossile Energien und der radioaktive Müll, von dem es in Deutschland 120.000 Tonnen gibt. Die externen Kosten für Atomstrom liegen bei 2,70 Euro pro Kilowattstunde. Außerdem herrscht Brennstoffmangel, seit 1991 wird mehr Uran verbraucht als gefördert. Ein Energiekonzern verdient 1,5 Millionen Euro am Tag durch den Verkauf von Strom aus einem Kernkraftwerk. Zusätzliche Laufzeitverlängerungen ermöglichen Nettogewinne von ca. 300 Mio. Euro je Kernkraftwerk und Betriebsjahr. Dabei spricht schon eine rein wirtschaftliche Betrachtung für einen Umstieg. Die weltweite Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2030 würde rund 100.000 Mrd. US-Dollar kosten, das Festhalten an den fossil-atomaren Energien doppelt so viel. Viel Bonusmaterial dient der weiteren Information zu diesem zukunftsweisenden Thema. Neben Trailern, dem Making-of und einem Musikvideo wird das Medienprojekt Energy Autonomy vorgestellt, das von vielen Privatpersonen, Verbänden und Unternehmen unterstützt wird und bei den Filmpremieren eine große Resonanz gefunden hat. Informationen gibt es auf www.energyautonomy.org. Als Begleitmaterial gibt es eine 80-seitige Broschüre als PDF mit weitergehenden Informationen. Fazit: Das Problem muss ganzheitlich gelöst werden, ohne die Welt in Nord und Süd aufzuteilen. Vieles wird sich verändern, dazu bedarf es eines radikalen und globalen Umdenkens. Durch den Wechsel auf 100 Prozent erneuerbare Energien werden wir den heutigen Komfort nicht verlieren, es wird einen neuen Wohlstand in einer besseren Welt geben. Die Frage ist, was wir persönlich, regional und kommunal tun können, um das zu erreichen. Das Ziel ist, der Natur zu nützen und die Menschheit durch die regionale und dezentrale Nutzung von erneuerbaren Energien von der Abhängigkeit weniger Energiekonzerne und Staaten zu befreien. So wird die Demokratisierung der Energieautonomie zu einem Kulturgut. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ...
Das Thema Energie ist ein sehr schwieriges Kapitel, was für unendlich große Diskussionen sorgt und sorgen wird. Möglich ist dabei auch, dass nicht alle Standpunkte berücksichtigt werden oder können. Gerade Unglücke wie in Japan zeigen, dass manches nur allzu zerbrechlich ist. Der Film „Die 4. Revolution“ beschäftigt sich mit dem Thema „Erneuerbare Energien“.
Mit einem Flug über Städte am Abend beginnt der Film. Es scheint zu Beginn kaum wahrscheinlich zu sein, das in unmittelbarer Zeit alle Energien erneuert werden können. Fast zwei Milliarden Menschen auf der Erde haben dabei kein Licht. Doch kann die Frage nicht lauten, ob diese Menschen überhaupt Licht brauchen. Im Mittelpunkt dieser Dokumentation steht außerdem die Dritte Welt, die große Energieprobleme haben. Dabei wird darauf angesprochen, dass das Pro-Kopf-Einkommen um ein wesentliches geringer liegt als in anderen Nationen. Doch müssen sie genau den gleichen Preis für Öl bezahlen. Es wird außerdem ein Einblick in Mali gezeigt. Teilweise haben nämlich in Afrika Solaranlagen bereits Einzug gehalten. Dagegen sind in Los Angeles unzählige Glasfassaden zu sehen, die mit einfachen Mitteln doch energiesparend genutzt werden könnten. Die Regie lag in den Händen von Carl-A. Fechner, während die Komposition der Musik von Natalia Dittrich erfolgte. Zu sehen ist die DVD in Deutsch mit der Tonspur Dolby Digital 5.1. Beim Bild wurde das Format 16:9 Anamorph 1.77:1 ausgewählt. Freigegeben wurde die DVD von der FSK ohne Altersbeschränkung. Veröffentlicht wurde der Film durch Euro Video. Der Film, der im Jahr 2010 produziert wurde, hat eine Laufzeit von 83 Minuten. Es ist eine sehr schöne Dokumentation, die einem zeigt, dass das Problem der Energien im Hinblick auf die Erneuerbarkeit nicht so einfach zu lösen ist. Allerdings ist es für einen Energiewechsel Zeit. Vielmehr gibt es ganz viele Facetten, die das Problem in einem anderen Licht erscheinen lassen. Es werden dabei viele Informationen vermittelt, die vielleicht nicht jedem bekannt sind und die es lohnt, einmal zu erfahren. Zum Beispiel werden dadurch Möglichkeiten deutlich, die jeder hat und schon heute in Angriff nehmen kann. Und manchmal wundert man sich beim Anschauen des Filmes, was den Fortschritt in den verschiedenen Ländern dieser Welt angeht. (Marina Teuscher) alle Rezensionen von Marina Teuscher ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Die 4. Revolution, DVD:
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Weitere Filminfos zu Die 4. Revolution: Land / Jahr: Deutschland 2009 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Die 4. Revolution:
Kinotrailer, Kapitel- / Szenenanwahl, Making Of, Medienprojekt Energy Autonomy, Musikvideo Bukahara Trio, Musikclips Umweltzerstörung und Widerstand;
Nominierung Deutscher Kamerapreis 2010;Official Selection Vancouver International Film Festival 2010;Deutscher Wirtschaftsfilmpreis 2010;„Prädikat besonders wertvoll Kommentare zu Die 4. Revolution:
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