Grosse Geschichten 46: Hemingway
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Ein Leben wie ein Abenteuerroman. Wenige Lebensgeschichten von Prominenten sind so abenteuerlich verlaufen wie die des amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway. Sein Leben war so abwechslungsreich und spielte sich an so vielen Schauplätzen ab, dass sich ein Biopic geradezu anbietet. Der deutsche Autorenfilmer Bernhard Sinkel („Lina Braake“, „Väter und Söhne“) zeigte 1987 mit der großen internationalen Produktion „Hemingway“, wie „Fernsehen einmal gewesen ist und wie es noch sein könnte“, eine gesunde Mischung aus Unterhaltung und Information. Doch leider ist aus dem Fernsehen inzwischen etwas ganz anderes geworden als damals. Zum Glück gibt es Studio Hamburg mit der DVD-Reihe „Große Geschichten“, die die Glanzzeit dieses Mediums wiederbelebt, als noch nicht Quote und Werbegelder die Programme aller Sender negativ beeinflussten. In dieser Beziehung war das Medium DVD nie so wertvoll wie heute. Man wünscht sich noch viele wiederentdeckte Schätze und „Große Geschichten“ aus den Fernseharchiven von ARD, ZDF und DFF. Bernhard Sinkel drehte „Hemingway“ mit riesigem Aufwand an Originalschauplätzen in Frankreich, Spanien, Italien, der Schweiz, Kenia, Puerto Rico und den USA. Mit einem Budget von über 35 Millionen Dollar inszenierte er die internationale Koproduktion nach Briefen und einer Biografie Hemingways. In zwei Jahren Arbeit, 90 Drehtagen, nach 60.000 Reisekilometern und mit über 3000 Kostümen entstand einer der aufwändigsten Mehrteiler der Fernsehgeschichte mit insgesamt 400 Minuten Länge. In einem Interview von 2011, das als Bonus enthalten ist, erinnert sich Sinkel an schwierige Szenen wie Großwildjagd mit eingeflogenen gezüchteten Löwen, Hochseefischen oder Flugzeugabsturz. Kriegsszenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg und den beiden Weltkriegen mit originalen Panzern, Waffen und Uniformen erfordern einen großen Aufwand. Schlechtes über Hemingway darf nicht vorkommen, weil sonst mit Einsprüchen der Erben zu rechnen ist. Ein Sohn will Geld dafür, dass seine Person im Film vorkommt. Die Rolle wird gestrichen. Früh wird Hemingway (1899-1961) von seinem Vater, einem Landarzt, an Jagd und Fischfang herangeführt. Seine Mutter fördert sein Interesse an Musik und Kunst. Im Ersten Weltkrieg wird er an der Front in Italien verwundet. Diese Ereignisse werden in Rückblenden gezeigt, die eigentliche Filmhandlung setzt erst 1921 ein. Hemingway, dargestellt von dem hervorragenden Stacy Keach, zieht mit seiner ersten Frau Hadley (Josephine Chaplin) nach Paris. Er arbeitet als Auslandskorrespondent für den Toronto Star und träumt von einer großen Schriftstellerkarriere. Auf einer Reise nach Venedig lernt er die amerikanische Modejournalistin Pauline (Marisa Berenson) kennen. Mit der Veröffentlichung einer Sammlung von Kurzgeschichten feiert er erste Erfolge. Diese Gattung, erneuert durch einen lakonischen Stil, präzise Wortwahl und knappe Sätze, wird seinen späteren Ruhm als Schriftsteller begründen. In Pamplona begeistert er sich für den Stierkampf, auch als aktiver Boxer versucht er sich. Er verliebt sich in Pauline und trennt sich von Hadley. In jedem der vier Teile ist jeweils eine neue Frau an seiner Seite, Sinkel nennt dies „Kleeblatt-Dramaturgie“. Mit seiner zweiten Frau zieht er nach Key West in Florida, wo zwei Söhne geboren werden. Im zweiten Teil dominieren Szenen von der Großwildjagd in Kenia. Hemingway erkrankt dabei schwer und gibt sich immer mehr dem Alkohol hin. Seine Sauftouren und Eskapaden führen allmählich zu einer Entfremdung mit Pauline. Er verliebt sich in die Journalistin Martha (Lisa Banes) und folgt ihr als Kriegsberichterstatter in den spanischen Bürgerkrieg. Nachdem er Pauline verlassen hat, lebt er mit Martha auf Kuba. Sein Leben wird vor allem vom Trinken und Fischen bestimmt, worunter seine schriftstellerische Produktivität leidet. Als Kriegsberichterstatter in Frankreich schließt er sich einer Gruppe von Widerstandskämpfern an und ist mehr am Kampf als an Berichten interessiert. Er verliebt sich in die Times-Korrespondentin Mary (Pamela Reed) und heiratet sie auf Kuba bald darauf als vierte Frau. Um seine Schreibblockade zu bekämpfen, reist er mit ihr nach Venedig. Dort lernt er die 19-jährige Adriana kennen, die wie ein Jungbrunnen für ihn ist und ihn wieder zum Schreiben inspiriert. Zurück auf Kuba bringt sein berühmtestes Werk „Der alte Mann und das Meer“ zu Papier. Für die bewegende Geschichte vom Kampf eines alten Kubaners mit einem Riesenfisch erhält Hemingway 1953 den Pulitzerpreis. Bei der Verleihung des Literaturnobelpreises 1954 wird dieses Buch ausdrücklich hervorgehoben. Er weigert sich, zur Beerdigung seiner Mutter zu fahren, weil er ihr noch immer die Schuld am Suizid seines Vaters gibt. Noch einmal fährt er zur Großwildjagd nach Afrika, wo er zweimal im Flugzeug abstürzt und mit schweren Kopfverletzungen überlebt. Zurück in Amerika kann er nicht mehr schreiben. Zu groß war der Raubbau, den er mit seinem Körper über viele Jahre begangen hat. Zu seinem schlechten körperlichen Zustand kommen schwere Depressionen. Wie sein Vater erschießt er sich am 2. Juli 1961 in Ketchum, Idaho. Gedreht wurde diese Szene im originalen Raum im Keller seines Hauses. Seine Witwe behauptet, es sei ein Unfall gewesen. Fazit: Das abwechslungsreiche Leben eines schwierigen Charakters, geprägt von Männlichkeitskult, Vitalität und Abenteuerlust, könnte man filmisch nicht besser umsetzten. Die originalen Schauplätze und das intensive Spiel von Stacy Keach wirken fast dokumentarisch. Naturgemäß treten Hemingways schriftstellerische Fähigkeiten in einem von Bildern geprägten Medium in den Hintergrund. Aber sein rastloses und abenteuerliches Leben mit ständig wechselnden Liebschaften ist für sich schon wie ein Roman. Realistisch wird der allmähliche Verfall gezeigt, als sein Alkoholkonsum sich vom männlichen Imponiergehabe zum klinischen Alkoholiker wandelt. In den letzten 20 Jahren seines Lebens soll er 7000 Liter Whiskey getrunken haben, was etwa einem Liter pro Tag entspricht. Dabei sind Bier, Wein und andere Cocktails noch nicht mit eingerechnet. Auch bei der Suizidrate ist seine Familie rekordverdächtig. Fünf weitere Familienmitglieder der Hemingways aus drei Generationen nahmen sich das Leben: Vater, Bruder, Schwester, Sohn und Enkelin. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Grosse Geschichten 46: Hemingway, DVD:
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