Die Zeit, die uns noch bleibt
Schauspieler / Schauspielerinnen in Die Zeit, die uns noch bleibt:
Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Die Zeit, die uns noch bleibt:
Der britische Autor Blake Morrison widmete sich dem Thema „Vater-Sohn-Konflikt“ und schrieb 1993 in seinem autobiographischen Buch „And When Did You Last See Your Father?“ („Wann hast du zuletzt deinen Vater gesehen?") seine persönlichen Erinnerungen zu seinem Vater, und landete prompt einen Bestseller. In dem Buch berichtet er, wie sein Vater Arthur im Sterben lieg, und er, Blake, nach Hause zurück kehrt, um ihm beizustehen. Wieder im Haus seiner Kindheit, erinnert er sich an diese und an sein teilweise schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, an das Leid seiner Mutter durch die Affären des Seniors, an verkorkste Urlaube und kleine Demütigungen. Aber Blake erinnert sich auch an schöne Momente dazwischen, und sieht nun als Erwachsener vieles anders, als er es als Kind und Jugendlicher getan hat. Denn auch wenn er nie wirkliche Anerkennung von seinem Vater bekam und es manchmal nur schwer zu ertragen war, so war sein Vater dennoch ein durchaus liebenswertes Familienoberhaupt, trotz all seiner Macken. Unter dem Titel „Die Zeit, die uns noch bleibt" wurde das Buch 2007 innerhalb von sieben Wochen von Regisseur Anand Tucker („Shopgirl") auf sensible Art und Weise verfilmt, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. In der Rolle des verbitterten Sohns ist Colin Firth („The Kings Speech“) zu sehen und Jim Broadbent („Moulin Rouge!“) brilliert als egozentrischen Vater. Fazit: „Die Zeit, die uns noch bleibt“ ist ein sehr gelungenes Drama, ohne moralischen Zeigefinger und mit hervorragenden Darstellern. Und trotz des durchaus schweren Themas wurde der Film locker inszeniert und ist stellenweise sogar äußerst amüsant. Der Film, der bei Atlas Film auf DVD erschienen ist, präsentiert sich in guter Qualität. Das Bild (Widescreen/ 2.35:1 – anamorph) zeigt sich mit natürlichen Farben und einer ausgewogenen Schärfe. Leichtes Rauschen gibt es im Hintergrund, was aber nicht weiter stört. Der Ton (Dolby Digital 5.1) ist themenbedingt natürlich kein Action-Kracher, ist aber dennoch kräftig und klar, und kommt zudem mit einer netten Räumlichkeit daher. An Bonusmaterial gibt es leider nur „Deleted Scenes“ und den Original-Trailer zu sehen. Filmische Alternativen zum Thema „Vater-Sohn-Konflikt“: „Everybody´s Fine“ mit Robert De Niro, die bittersüße Komödie „Männer al dente“ und natürlich der Klassiker „Jenseits von Eden“ mit James Dean. (Bernd Hellweg) alle Rezensionen von Bernd Hellweg ...
Der Schriftsteller Blake Morrison macht sich fertig für seinen großen Abend. Gerade als er und seine Frau Kathy überlegen, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt um nicht zu spät zu kommen, werden Sie von Blakes Vater Arthur daran erinnert, dass es jetzt doch Zeit ist zu gehen. Während und nach der Preisverleihung ist Arthur, der Arzt, Charmeur, Lebemann und Schlitzohr, ganz in seinem Element. Während Arthur den anwesenden Gästen seine Variante der Geschichte erzählt und Blake sich darüber aufregt, dass sein Vater nicht ein einziges Mal Stolz auf ihn sein kann, blendet der Film zurück in die Jugend von Blake als sein Vater und seine Mutter quasi in der Blüte ihrer Jahre standen und die Familie auf dem Weg zum Autorennen im Stau stand und Arthur sich mit List, Tücke und der Tatsache Arzt zu sein, am Stau vorbei und der falschen Einfahrt zum Trotz, zum Rennen durchmogelte. Eine von vielen Geschichten, an die Blake sich erinnert, erst recht nach dem er bei seinen Eltern eingezogen ist, sein Vater hat Krebs und nur noch wenige Wochen zu leben. Unsicher wegen seiner ambivalenten Gefühle gegenüber seinem Vater, die seine Schwester in Richtung Abneigung interpretiert und ihm deswegen Vorwürfe macht, muss Blake lernen nicht nur seinen Vater so zu akzeptieren wie er war, sondern auch das Leben, so wie es war, die Entscheidungen, so wie sie gefällt wurden und die Konsequenzen, die sich daraus ergaben. Irgendwie hat jede positive Erinnerung, irgendwo einen (leicht) bitteren Bei-/Nachgeschmack und jede bittere Erinnerung irgendwo auch was Positives. Selbst eigene Entscheidungen, wie sich mit Sarah, dem Hausmädchen einzulassen, waren im Nachhinein nicht ganz so „eigene“ Entscheidungen wie Blake dachte, sondern auch (Troz-)Reaktionen darauf, wie sein Vater mit seiner Mutter, der elterlichen Ehe und anderen Frauen, insbesondere Tante Beaty, umgegangen ist. Überhaupt scheint es so als ob Blake immer genau das Gegenteil von dem macht(e), was sein Vater für ihn wollte. Erst Leseratte, statt jugendlicher Abenteurer dann Schriftsteller, statt Arzt.
Manchmal macht es mir ein Filmtitel nicht gerade einfach, so auch „Die Zeit, die uns noch bleibt“. Meine Assoziationen reichten von Schmonzette a la ZDF Sonntagabend 20:15 Uhr, über billiger Abklatsch von „Wie ein einziger Tag“ hin zu verzweifelter Versuch eine deutsche Version des eben erwähnten Filmes. Selbst meine Anfrage beim Cheffe von digitalvd, was das für eine Art Film sei“ wurde sinngemäß mit ich solle ihn mir doch einfach anschauen beantwortet. Die Suchmachine der Wahl half zwar weiter und erhellte mich schon mal in Sachen Inhalt, viel schlauer als vorher war ich dann doch nicht. Blieb mir also nichts anderes übrig als genau das zu tun, was mir gerade wurde, den Film einfach anzuschauen und ich muss sagen, es hat sich definitiv gelohnt. Der Film beschäftigt sich ohne erhobenen Zeigefinger mit einem durchaus ernsten Thema, dem nicht nur ich mich früher oder später stellen muss und das der englische Originaltitel „And when did you last see your father?“ bzw. der deutsche Titel „Wann hast du zuletzt deinen Vater gesehen?“ des Romanes auf dem der autobiographische Film basiert auf den Punkt bringt ohne gleich zu viel zu verraten. Besonders beeindruckt hat mich, dass sich die Macher und der Regisseur jeglicher Wertung enthalten. Nichts wird beschönigt, sondern so subjektiv erzählt und gezeigt, wie es Blake Morrison erlebt bzw. erlebt hat, mit all den positiven, wie negativen Erlebnissen die er mit dem jeweiligen Ereignis verbindet und die sich zum Teil jahrelang angestaut haben, ehe sie sich entladen haben oder im Verlauf des Films noch entladen werden. Zu keiner Zeit habe ich mich als Voyeur gefühlt, der sich an den Fehlern der handelnden Personen ergötzt. Vielmehr hat mit der Film klar gemacht, dass ich anfangen sollte mir Gedanken zu machen, wann ich das letzte mal meinen Vater gesehen habe, wie lange es noch so sein wird, dass wir Dinge gemeinsam unternehmen können, wie kostbar die gemeinsam verbrachte Zeit ist, selbst dann, wenn er einem auf den Keks geht und man sich immer so fühlt, als habe man es ihm nie recht machen können oder könnte es jemals und wie schnell es zum Abschied kommen kann. Das sind keine bequemen oder gar einfachen Fragen und der Film gibt keine einfachen allgemein gültigen Antworten. Ich bekomme beispielhaft gezeigt wie sie lauten könnten und ich kann sie entweder ablehnen oder ihnen zustimmen, auf jeden Fall aber muss ich mir meine eigene Meinung bilden und meine eigenen Antworten auf die Fragen finden. Klingt nach einem schwer verdaulichen Problemfilm mit Untertitlen, ist jedoch eine typisch britische Tragikkomödie, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt, wiewohl man die Sache eigentlich nur noch mit Humor nehmen kann. Trotzdem ging mit der Film in seinen stärksten Momenten an die Nieren und hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, wiewohl er kein Meisterwerk ist, sondern gehobene Mittel- bis Einstieg in die Oberklasse. Sicherlich helfen die Schauspieler ungemein mit dabei, dass der Film jenen bleibenden Eindruck hinterlässt. Colin Firth, Jim Broadbent, Bradley Johnson und Juliet Stevenson sind nur die bekanntesten Namen. Langsam werde ich das Gefühl nicht los, dass den Briten, die Schauspieltalente einfach nicht ausgehen wollen und sich nahezu jeder Cast, selbst wenn es „nur“ ein Fernsehfilm ist, wie ein „who is who“ an Oscar prämierten, nominierten oder „hätte eine Nominierung verdient“ liest. Mit Colin Firth und Jim Broadbent haben wir dann auch zwei Oscargewinner mit im Film, der eine Jim Broadbent, war es zur Entstehungszeit des Films schon, der andere, Colin Firth, bekam in 2011. Dazu gesellen sich noch mehrere BAFTA Awards für Firth, Broadbent und Stevenson. Nominierungen hin, Trophäen her, das gesamte Ensemble spielt superb. Jim Broadbent steht immer dann der Schalk in die Augen geschrieben, wenn er sich einen noch so kleinen Vorteil verschafft hat und/oder den keinem Flirt abgeneigten Charmeur gibt. Dass er dafür, darüber und damit seine Frau und seinen Sohn verletzt bekommt er, so scheint es, gar nicht mit. Er kann schlicht nicht anders und während Juliet Stevens als seine Frau Kim sich damit abgefunden hat und die treue Ehefrau bleibt, rebelliert Blake dagegen und kann einfach nicht verstehen, warum sich seine Mutter in ihre Opferrolle ergeben hat und nicht versucht sich aus ihr zu befreien oder gar die Scheidung einzureichen, doch das war damals gesellschaftlich einfach nicht opportun. Damit zeigt Juliet Stevenson ihre enorme Wandlungsfähigkeit. In „Kick it like Beckham“ war sie die hyperaktive Mutter, deren größte Sorge die war, dass ihre, Gott bewahre, fußballspielende Tochter keinen Mann abbekommt und als ob das noch nicht genug wäre, sie möglicherweise sogar lesbisch sein könnte. In „Die Zeit, die uns noch bleibt“ ist sie die treu an der Seite ihres Mannes stehende Ehefrau. Sollte sie unter seinem Verhalten, sowie der möglichen Untreue, die sogar bis hin zu einem außerehelichen Kind gehen könnte, leiden, so zeigt sie es nicht. In der Öffentlichkeit und im Kreis der Familie macht sie gute Miene zum mehr oder minder offensichtlich bösen Spiel und selbst dann, als sie mit all dem konfrontiert wird, nimmt sie ihren Mann in Schutz. Dass sie ihn pflegt und vor den Vorwürfen seines Sohnes in Schutz nimmt ist für sie selbstverständlich, sie kennt es nicht anders. Colin Firth und Bradley Johnson teilen sich die Rolle des Blake Morrison. Da ist der von Colin Firth portraitierte Blake, hin und her gerissen ist zwischen wehmütiger Erinnerung, an die guten Zeiten und die damit verbundenen positiven Erinnerungen, den miterlebten Demütigungen nicht nur seiner Mutter, sondern der ganzen Familie, der Unfähigkeit seines Vaters auf die Bedürfnisse seines Sohnes einzugehen und der daraus resultierenden Tatsache es seinem Vater nicht recht machen zu können und ihn, ob es nun stimmt oder nicht, nur enttäuschen zu können und der Herausforderung trotz der Vorwürfe, würdevoll und vorwurfsfrei Abschied zu nehmen. Da ist der Teenager von Matthew Beard portraitierte Blake, der aus den genannten Gründen, zum Künstler, Genussmensch und Rebell wird, der, ob er es nun will oder nicht, seinem Vater ähnlicher ist, als er sich zu jeder Zeit eingesteht und dies erst so nach und nach realisiert und dabei dachte er doch, das genaue Gegenteil zu sein. Ein Verhalten, zwei Ausprägungen. Und dda ist der von Bradley Johnson portraitierte Blake, der zunächst gar nicht versteht, warum er einmal das ein und alles für seinen Vater ist und beim nächsten Mal sein Vater ihn einfach so alleine lässt, nicht auf ihn eingeht und sich sogar über ihn lustig, da er, in den Augen seines Vaters, kein Mann, sondern eine Memme ist. Sarah Lancashire als Tante Beaty und die von Alannah Barlow, Tara Berwin und Claire Skinner portraitierte Gillian führen die Riege der Nebendarsteller an, aber auch der Rest des Ensembles muss sich nicht hinten anstellen. Alles in allem eine sehr runde Truppe, die hier zusammenspielt. Besonders Sarah Lancashire macht aus der undankbaren Rolle der Tante Beaty, das Beste. Dass sie und Arthur eine Affäre und möglicherweise ein gemeinsames Kind haben, wäre nicht weiter der Rede wert. Jeder weiß es, keiner sagt was. Viel Schlimmer ist, dass Arthur, für alle offensichtlich, ja sogar öffentlich mit ihr flirtet! Bildtechnisch gibt es nichts auszusetzen. Astreines digitales Bild, das während den dunkleren Szenen jedoch ein wenig absäuft. Überhaupt wird der Kontrast Tag/Nacht, hell/dunkel, sowie die weite bzw. enge des Raums gut als Stilmittel eingesetzt. Hier helle weite Landschaften, da künstlich ausgeleuchtete Räume mit vielen Menschen auf engstem Raum. Der dialoglastige Film kann die Muskeln einer 5.1 oder gar 7.1 dts HD-Master Tonspur nicht voll ausspielen, der Ton kommt jedoch sehr sauber über den Centerlautsprecher. Also lassen Sie sich nicht vom Titel abschrecken. (Eric Hoch) alle Rezensionen von Eric Hoch ... 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