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In seiner Reihe „Große Geschichten“ präsentiert Studio Hamburg mit „Jokehnen“ eine ZDF-Produktion von 1986. Der Dreiteiler mit einer Spielzeit von 270 Minuten schildert ein typisches Vertriebenen-Schicksal einer ostpreußischen Familie nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Vergleich etwa mit der späteren teamWorx-Produktion „Die Flucht“ zeigt bei „Jokehnen“ eine größere Realitätsnähe und weniger Sentimentalität. Damals nahm man sich mit dreimal 90 Minuten noch mehr Zeit für die Geschichte und wollte nicht unbedingt mit technischen Tricks glänzen. Dafür sprechen die überragenden Darstellerleistungen etwa von Armin Mueller-Stahl, Ursela Monn oder Monica Bleibtreu für sich. Vorlage für den Fernsehfilm war der Roman „Jokehnen oder Wie fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?“ von Arno Surminski, der am eigenen Leib das Schicksal eines Heimatvertriebenen erlebt hat. Als seine Eltern 1945 nach Russland verschleppt wurden, blieb er allein in seinem ostpreußischen Heimatdorf zurück. In seinem Roman verarbeitet er diese Kindheitserlebnisse. Nach einem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager in Thüringen wuchs er später in Schleswig-Holstein bei einer ostpreußischen Familie auf. In vielen seiner Romane geht es um die Schicksale von Vertriebenen, etwa beim Aufbau einer Existenz in der neuen Heimat. Die Handlung spielt in Jokehnen, einem fiktiven Dorf in Ostpreußen. Am 2. August 1934, an dem Tag als Hindenburg stirbt und Hitler die Macht ergreift, erblickt Hermann Steputat, gespielt in verschiedenen Lebensphasen von Jona Mues, Gregor Reisch und Christian Mueller-Stahl, dem Sohn von Armin Mueller-Stahl, das Licht der Welt. Sein Vater Karl (Armin Mueller-Stahl) ist Schneider und Bürgermeister in dem kleinen verschlafenen ostpreußischen Dorf Jokehnen. Langsam, aber unaufhaltsam dringt der Nationalsozialismus in die dörfliche Kultur vor, was bald der jüdische Stoffhändler Samuel Mathern zu spüren bekommt. Als 1939 mit dem deutschen Einmarsch in Polen der Zweite Weltkrieg beginnt, ist man zunächst beeindruckt von den Erfolgen der siegreichen Armee. Hermann kommt in die Dorfschule und wird Pimpf in der Hitler-Jugend. Doch die anfängliche Begeisterung weicht schon bald der grausamen Realität. Flüchtlinge aus den zerbombten Städten und Kriegsgefangene kommen nach Jokehnen und der ferne Donner der Artilleriefeuer kündigt die herannahende Rote Armee an. Hermanns unbeschwerte Kindheit ist endgültig vorbei, als seine Eltern von den Russen gefangen genommen und verschleppt werden. Nach Kriegsende werden Menschen aus Ostpolen nach Ostpreußen, das unter sowjetischer Besatzung steht, zwangsumgesiedelt. Die Deutschen müssen ihre Häuser verlassen und werden nach Deutschland geschickt. Eingepfercht in einem Waggon verstirbt Hermanns bester Freund an Typhus. Bei der Ankunft in Berlin hat er alles verloren. Wie er waren in dieser Zeit etwa 12 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten auf der Suche nach einer neuen Heimat. Überzeugend ist an diesem Vertriebenenschicksal, das noch zu Ostblockzeiten in Witzeeze (Schleswig-Holstein) gedreht wurde, dass es ohne Helden auskommt. Der Film zeigt die Schicksale verschiedener Menschen, darunter Angepasste, Widerstandskämpfer und Karrieristen. Im Mittelpunkt steht ein Kind, das die Fehler seiner Eltern ausbügeln muss. Am Schluss fragt der Erzähler: „Wer nimmt ein übrig gebliebenes Kind?“ Es ist ein Film, der auf unterhaltsame Weise jüngere Geschichte näher bringt und zum Nachdenken anregt. So wird hier nicht nur Zeitgeschichte, sondern auch unwiederbringliche Fernsehgeschichte gezeigt, denn heute im Zeitalter des nur auf Quote schielenden Kommerzfernsehens ist eine derartige Qualität nicht mehr möglich. Wie bei den „Großen Geschichten“ gewohnt werden viele Extras geboten. Neben einem ausführlichen Booklet und einem Bericht zu den Dreharbeiten gibt es ein Interview mit Armin Mueller-Stahl aus der ZDF-Sendung „Tele-Illustrierte“. Er stammt selbst aus Ostpreußen, wurde 1930 in Tilsit geboren, und kam im Alter von neun Jahren nach Berlin. Er ist vielseitig künstlerisch begabt, wurde in Ost- wie Westdeutschland gefeiert und verließ 1980 die DDR. Ein 45-minütiges Filmportrait „Ganz persönlich: Arno Surminski - Im Herzen von Ostpreußen“ (1992) von Hans Joachim Kürtz begleitet den Autor an die Schauplätze seiner Kindheit. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Grosse Geschichten 52: Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?, DVD:
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Kapitel- / Szenenanwahl, Interviews, Potrait des Autors Arni Surminski, 16-seitiges Booklet
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Grosse Geschichten 52: Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?Darsteller: Armin Mueller-Stahl u.a. Regie: Michael Lähn |
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