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Rezensionen / Kritik / Filmkritik zu Babys - Special Edition:
Die globalisierte Welt aus der Kinderperspektive. Wegen der hohen künstlerischen Qualität, großen Originalität und Beliebtheit veröffentlicht StudioCanal den französischen Dokumentarfilm „Babys“ ein gutes Jahr nach seiner Premiere nochmals auf DVD. Diese liebevoll gestaltete Special Edition enthält einen Greifring und ein ausführliches 36-seitiges Booklet. Regisseur und Autor Thomas Balmès dokumentiert den Werdegang von vier Neugeborenen von der Geburt bis zum 18. Lebensmonat. Sie gedeihen in unterschiedlichen Regionen der Erde, deren Kulturen und Lebenswelten völlig verschieden sind. Die Hauptdarsteller sind Ponijao aus Opuvo, vom Volk der Himba aus Namibia, das Mädchen Hattie aus San Francisco, die kleine Mari aus Tokio und Bayar, ein Junge aus der Mongolei. Die Eltern von Ponijao und Bayar sind nomadisierende Viehhirten und leben in freier Natur. Hier haben die Kinder viel Entwicklungsspielraum und leben mit Geschwistern und Tieren eng zusammen. Sie sind oft sich selbst überlassen, weil ihre Eltern hart arbeiten und sich auch um die Tiere kümmern. Dagegen wachsen die beiden Kinder in westlich geprägten Zivilisationen als wohlbehütete Einzelkinder auf, Hattie in San Francisco in einem Haus mit Swimmingpool, Mari in einer kleinen Hochhauswohnung in der Millionenmetropole Tokio. Beide Kinder werden in Spiel- und Krabbelgruppen gefördert und sind medizinisch gut versorgt. Die Dokumentation der unterschiedlichen Lebensbedingungen der vier Kinder und ihrer Familien vermittelt feinfühlig ein Verständnis für die Kulturen verschiedener Länder. Das brachte dem Film auch das FBW-Prädikat „besonders wertvoll“ ein. Die Alltagsszenen aus verschiedenen Kulturen zeigen eindrucksvoll, dass die Entwicklung des menschlichen Lebens trotz der unterschiedlichen Förderung und Umweltbedingungen viele Gemeinsamkeiten aufweist. Das wird besonders durch die Schnitttechnik mit kurzen vergleichenden Szenen ähnlicher Verhaltensmuster wie Lachen, Weinen, Schreien oder Krabbeln deutlich. Der Regisseur gestaltet den Film ohne Kommentar und überlässt es den Betrachtern, sich selbst ein Bild zu machen, wodurch die Freude über das neue Leben noch viel direkter vermittelt wird. Mittels der Parallelmontage werden die vier Kinder, ihre Familien und Wohnsituationen in ihrer Unterschiedlichkeit vorgestellt. Dadurch lassen sich die verschiedenen Lebenswelten besonders gut vergleichen. Meist werden die neuen Erdenbürger in Nahaufnahme „auf Augenhöhe“ gezeigt. So kommen ihre Gefühle wie Freude, Angst, Wut oder Neugier besonders gut zur Geltung. Die Eltern spielen in der Stadt- oder Naturszenerie meist nur Statistenrollen am Rande. Die faszinierende Intensität und Schönheit der Bilder vermittelt zusätzlich eindrucksvoll die Vielfalt der Kulturen in unterschiedlichen Ländern und Erdteilen, unabhängig vom Werdegang der vier Babys. Außer der behutsam eingesetzten Musik bestimmen Umweltgeräusche wie das Brüllen der Kühe, Schafe oder Ziegen sowie der Großstadtlärm den Sound des Films. Einzelne Aspekte erlauben einen direkten Vergleich der extremen Gegensätze der Landschaften, Wohnsituationen, sozialen Faktoren und Alltagsabläufe der vier Babys. Das betrifft etwa die medizinische Versorgung oder den streng reglementierten Tagesablauf im Westen, der die Kinder früh disziplinieren soll. In Afrika dagegen werden die Kinder von der Mutter gestillt, wann immer sie wollen. Windelhosen oder Pampers werden in der Steppe nicht benötigt, dennoch scheinen die Kinder in der Natur nicht unhygienischer zu leben als die wohlbehüteten Großstadtkinder. Das Waschen ist sehr unterschiedlich. Hattie aus San Francisco wird von ihrem Vater unter großer Wasserverschwendung warm geduscht, Bayar in der Mongolei sitzt im Freien in einer Waschschüssel, aus der eine Ziege trinkt, Ponijao in Namibia wird von ihrer Mutter abgeleckt und mit Öl gesäubert und eingerieben. Ähnlich unterschiedlich ist auch das Verhalten beim Essen und Spielen, den Beschäftigungen, mit denen die Babys außer Schlafen die meiste Zeit verbringen. Dabei zeigt sich, dass die natürlich aufwachsenden Kinder mit ihren bescheidenen Spielgeräten wie Toilettenpapier mehr Kreativität entwickeln als die mit einem Überangebot an Spielsachen verwöhnten Wohlstandskinder. Hattie und Mari entdecken in ihrer sterilen Umwelt wenig Interessantes, während die Krabbeltouren von Bayar und Ponijao wahre Entdeckungsreisen sind. Auch die Erfahrungen im sozialen Lernen und Verhalten sind sehr verschieden. Die Eltern der vier Babys erfüllen ihre Verantwortung und ihre Fürsorge für das Wohlergehen ihrer Kinder in unterschiedlichen Umweltbedingungen gleichermaßen. Die Stadtkinder wachsen in Metropolen in USA und Japan in Reichtum und Luxus, die beiden anderen leben mit ihren Eltern in Armut in einer naturnahen Existenz, die auch viele Vorteile bringt. Hier brauchen sie sich vor kaum etwas zu fürchten und sammeln früh soziale Erfahrungen und entwickeln Selbstbewusstsein und Kreativität. Nach dem Betrachten des Films wünscht man sich als Idealform des Menschwerdens eine bessere Entwicklungsfreiheit für die Stadtkinder und eine bessere medizinische Versorgung und bessere Bildung für die Landkinder. Und uns westlichen Betrachtern würde oft etwas mehr Genügsamkeit und Zufriedenheit nicht schaden. Filmische Extras zeigen die Entwicklungen der Babys zwei Jahre später und wie sie auf sich selbst im Film reagieren. Außerdem gibt es ausführliche Interviews mit dem Regisseur, den Produzenten und dem Komponisten der Filmmusik. Dabei erklärt Balmès, dass die Szenen praktisch vom Leben selbst ohne Drehbuch und Planung geschrieben wurden. Ein schönes Beispiel ist die Sequenz, als eine Ziege vom Badewasser des kleinen mongolischen Jungen trinkt. Die Kinder störten sich nicht an den Kameras, denn sie waren seit ihrer Geburt mit ihnen vertraut. Der Regisseur fand die Harmonie von Natur, Eltern und Kindern am größten in der Mongolei und in Namibia. Obwohl die Kinder dort viel mehr sich selbst überlassen sind, hat der Regisseur sie nicht einmal weinen sehen. Im westlich geprägten Kulturkreis sollten die Eltern deshalb mehr Lockerheit und Vertrauen entwickeln und die Kinder nicht immer nur behüten wollen. Bruno Coulais („Mikrokosmos“, „Nomaden der Lüfte“, „Unsere Ozeane“) gelang eine dezente Musikuntermalung, die die Szenen ideal ergänzt, denn es gibt weder wirkliche Dialoge noch einen Off-Kommentar. (Johannes Kösegi) alle Rezensionen von Johannes Kösegi ... Reminder, PDF-Datenblatt zu Babys - Special Edition, DVD:
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Weitere Filminfos zu Babys - Special Edition: Originaltitel: Babys Land / Jahr: Frankreich 2008 Medien-Typ: DVD Bonusmaterial zu Babys - Special Edition:
Kinotrailer, Kapitel- / Szenenanwahl, Animiertes DVD-Menü, DVD-Menü mit Soundeffekten, Interviews, „2 Jahre später“, „Babys“ – Reaktionen auf den Film, Alain Chabat in Namibia, Die Filmmusik, 36-seitiges Booklet, Greifring
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