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Frankfurter Erklärung: Forderungen der AG Kino – Gilde zur Digitalisierung des Kinos

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Frankfurter Erklärung: Forderungen der AG Kino – Gilde zur Digitalisierung des Kinos

Die Kinodigitalisierung in Deutschland beschleunigt sich. Das digitale Abspiel bringt Chancen für die Branche. Für die Zukunft der Filmtheaterwirtschaft in Deutschland ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Marktteilnehmer die Möglichkeit bekommen, hieran zu partizipieren.

Ein bedeutender Schritt, sowohl die kulturelle Vielfalt, als auch strukturell das Kino im ländlichen Raum und kleineren Städten sowie in den Stadtteilen zu erhalten, sind die Förderprogramme von Seiten des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), der Filmförderungsanstalt (FFA), und den Bundesländern. Damit wird auch ein essenzieller Beitrag zur Stärkung des deutschen und europäischen Films unternommen, der zu einem großen Teil in den geförderten Kinos gezeigt wird.

Trotz dieser begrüßenswerten Maßnahmen gibt es nach wie vor große Verschiebungen der Chancen aus der Digitalisierung zu Gunsten einzelner Gruppen. Gerade die marktbeherrschende Stellung US-amerikanischer Verleiher/Studios trägt dazu bei, dass die Filmvielfalt in Deutschland und die Programmierungsfreiheit in den Kinos in große Gefahr gerät und damit eine irreversible Marktkonzentration samt nachhaltiger Strukturveränderung in der Kinobranche zu befürchten ist.

Um der Gefahr dieser Entwicklung an der Schwelle zu einer neuen Technologie vorzubeugen und um zügig eine flächendeckende Digitalisierung der Kinos in Deutschland zu erreichen, hat die außerordentliche Mitgliederversammlung der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. folgende Erklärung verfasst:

1. Technikoffenheit
Die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. unterstützt die Entwicklung eines einheitlichen Standards zum digitalen Filmabspiel und erkennt grundsätzlich die Sicherheitserfordernisse zum Kopierschutz an. Dieser muss aber mit der betriebswirtschaftlichen Realität der Kinos im Einklang stehen und der Investitionsaufwand darf aber nicht so hoch sein, dass er nur für wenige Kinos überhaupt wirtschaftlich darstellbar ist und eine Mehrzahl von Leinwänden dauerhaft nur durch ein Höchstmaß an öffentlichen Förderungen eine solche Abspieltechnik bereitstellen kann. Es sind digitale Projektoren für mittlere und kleine Leinwände erforderlich, die den ökonomischen Rahmenbedingungen des deutschen Kinomarktes Rechnung tragen und damit die Vielfalt von Kino und Film erhalten.

Vor diesem Hintergrund fordert die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. Produzenten, Verleiher und Förderer auf, sich nicht allein auf den DCI-Standard als Norm für das digitale Abspiel zu beschränken. Gerade für kleinere Leinwand- und Saalgrößen ist der Erwerb eines DCI-zertifizierten Filmprojektors angesichts der hohen Investitionen und der immensen Folgekosten nicht wirtschaftlich. Gerade Verleiher mit einem hohen Anteil an Arthouse-Produktionen werden künftig nur dann eine vielfältige Kinoauswertung erreichen, wenn sie auch andere Formate anbieten.

2. Klare Regelung für VPF-Zahlungen
Die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. fordert den Gesetzgeber auf, die Beteiligung aller Verleiher an den Umrüstungskosten für das digitale Abspiel gesetzlich zu regeln. Es ist nicht mit einem fairen Wettbewerb zu vereinbaren, dass sich einzelne Gruppen von Verleihern den VPF-Zahlungen entziehen können oder einzelne Kinos von VPF-Zahlungen ausgeschlossen werden. Die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. steht hierzu mit der EU-Wettbewerbsbehörde in Kontakt. Nur eine gesetzliche Festlegung führt dazu, dass alle Verleiher gleichermaßen am Aufwand beteiligt werden und dass insbesondere auch für mittelständische Betriebe die Möglichkeit geschaffen wird, wirtschaftlich tragfähige VPF-Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Eine gesetzliche Regelung würde, wie das französische Beispiel zeigt, den Umrüstungsprozess erheblich vereinfachen und damit nachhaltig beschleunigen.

3. Nachhaltige Förderprogramme sichern
Um den Erfolg der Förderprogramme zu sichern, appelliert die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. an Bund und Länder, ihre Förderprogramme bei der EU zu notifizieren und die Programme flexibel an die Erfordernisse der Praxis anzupassen. Hierzu zählen insbesondere eine zügige Umrüstung von Mehrsaalkinos, eine angemessene Ausstattung der Fördertöpfe, eine technikneutrale Förderung sowie die vorrangige Förderung aller Kinos mit einem hohen Anteil europäischer Filme sowie einem anspruchsvollen Programm unabhängig von ihrer Umsatzstärke oder Besucherzahl. Die Filmförderungsanstalt sollte den Erwerb digitaler Projektoren generell fördern.

4. Gemeinsames Modell der unabhängigen Kinos
Die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. arbeitet an einem Finanzierungsmodell für unabhängige Kinos, um auch diesen Zugang zu VPF-Zahlungen aller Verleiher zu schaffen. Überdies sollen Einkaufskooperationen organisiert werden, um für alle Kinos den Vorteil von Gruppentarifen zu ermöglichen. Beide von Mitgliedsunternehmen getragenen Initiativen richten sich verbandsunabhängig an alle mittelständischen Kinobetriebe.

Unverändert setzt sich die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. dafür ein, dass die öffentlich geförderte Kinodigitalisierung nicht die Unabhängigkeit der Filmtheater gefährdet und zu einer Reduzierung der Programmvielfalt und des Marktanteils nationaler und europäischer Filme führt.

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