Kino, Filme und Fakten

Auf Blu-ray: Das Rätsel der unheimlichen Maske

Im Londoner Opernhaus soll ein neues Stück um Johanna von Orleans aufgeführt werden, doch die Produktion wird überschattet von merkwürdigen Vorkommnissen. Schließlich schmeißt die Hauptsängerin entnervt das Handtuch. Als Ersatz wird schnell die reizende junge Christine (Heather Sears) gefunden, die jedoch nach kurzer Zeit entführt wird – von einem merkwürdigen Mann mit Gesichtsmaske (Herbert Lom), der in der Kanalisation unter der Oper sein Dasein fristet. Harry (Edward de Souza), der sich in Christine verliebt hat, macht sich an die Nachforschungen.

Spätestens seit der Musical-Adaption durch Sir Andrew Lloyd Webber dürfte die Geschichte um den Ausgestoßenen, der sein entstelltes Antlitz hinter einer Maske verbirgt, einer breiten Masse bekannt geworden sein. Ihren Ursprung nahm die Horrormär in einem Roman von Gaston Leroux, der auch mehrfach verfilmt worden ist, u.a. zweimal von den Universal Studios (1925 mit Lon Chaney sr. und 1943 mit Nelson Eddy in den Hauptrollen). Die britischen Hammer-Studios hatten sich seit den späten 50er Jahren darangemacht, die Universal-Horrorklassiker neu aufzulegen. Mit „Dracula“ (1958; Christopher Lee erstmals in seiner Paraderolle), „Frankensteins Fluch“ (1957; neben Lee mit Peter Cushing treffend besetzt) oder „Die Rache der Pharaonen“ (1959) feierten sie damit große Erfolge. Auch Leroux’ Roman wurde von Hammer stimmungsvoll neu verfilmt. Regisseur Terence Fisher blieb wie in seinen bekannten Vorgängern der Vorlage relativ treu und kreierte einen gepflegten Gruselfilm. Die Opernszenen sind aufwändig gestaltet und auch musikalisch adäquat umgesetzt, die Spannung wird wirkungsvoll geschürt und trotzt billigen Effekthaschereien. Bis in die Nebenrollen ist der Film sehr gut besetzt und für Genrefans auf jeden Fall empfehlenswert.

Die Hammer-Remakes der schwarz-weißen Universal-Horrorfilme warben zu ihrer Entstehungszeit damit, die Monster erstmals in Farbe auf die Leinwand zu bringen. Dementsprechend satt und farbintensiv ist das Bild geraten, das für die BluRay-Erstveröffentlichung nun neu abgetastet wurde und in exzellenter Schärfe und mit erstaunlich kräftigen Farben erstrahlt (im Widescreen-Format 1,79:1). Der deutsche Ton von der 1962 für die hiesige Kinoauswertung entstandenen Synchronfassung galt lange Jahrzehnte als verschollen, weswegen bisherige Veröffentlichungen auch stets ohne diesen auskommen mussten. Anolis hat es dank intensiver Recherchen nun geschafft, auch die deutsche Synchronisation aufzutreiben und mit aufzuspielen! Diese ist mitunter zwar etwas verrauschter, was aber bei wahren Fans kaum ins Gewicht fallen dürfte, da sie nun in den Genuss von Siegmar Schneiders eloquenter Vertonung von Herbert Lom oder Klaus Miedels gewohnt schneidender Interpretation des eigentlichen Schurken Michael Gough (als Möchtegern-Komponist Lord Ambrose d’Arcy) kommen können. Der deutsche und der englische Ton liegen im DTS HD 2.0 Mono vor, optional sind auch deutsche Untertitel verfügbar.

Als Extras gibt es den englischen Kinotrailer zum Film, der im Vollbild-Modus und mit deutlich schlechterer Bildqualität aufwartet, einen Radiospot aus der Entstehungszeit und eine recht umfangreiche Bildergalerie, was man alles schon aus der neun Jahre alten Koch-Media-Veröffentlichung des Films kennt. Zusätzlich hat Anolis nun einen fundierten Audiokommentar der Genreexperten Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad einsprechen lassen, die alternative deutsche Titelsequenz (5 Minuten) mit aufgespielt und sowohl den deutschen, britischen als auch französischen Werberatschlag zum Film sowie sein deutsches Filmprogramm digitalisiert. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch ein 2014 entstandenes Making Of zum Film (31 Minuten), in dem der damalige Hauptdarsteller Edward de Souza die Dreharbeiten noch einmal Revue passieren lässt und in die Hammer-Studiogeschichte einordnet.

 

This entry was posted on Dienstag, Oktober 10th, 2017 at 22:11 and is filled under: Blu-ray Disc