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Haus des Grauens – Psychothriller

BluRay - Haus des GrauensMit Remakes von klassischen Gruselfilmen der Universal-Studios („Dracula“, „Frankensteins Fluch“, „Die Rache der Pharaonen“) waren die britischen Hammer-Studios Ende der 1950er Jahre zu einem Garanten stimmungsvollen Horrors geworden. Da sie ihre Neuverfilmungen in Farbe drehten, hatten sie ihrem Publikum auch diesbezüglich einen Mehrwert zu bieten. In den frühen 1960er Jahren erweiterten sie ihr Spektrum schließlich auch um das Genre des Psychothrillers, das nach Alfred Hitchcocks „Psycho“ beachtliche Erfolge an den Kinokassen erwarten ließ. Hier blieb man aus Gründen der Atmosphäre zunächst einmal der Schwarz-Weiß-Fotografie verbunden, was dem ersten Beitrag zum Genre, „Haus des Grauens“, sichtlich zu Gute kommt.

Freddie Francis, gefeierter Chefkameramann (Oscar für „Söhne und Liebhaber“ 1960), gab hier seinen Regieeinstand bei den Hammer-Studios und sollte künftig mehrfach für Grusel- und Horrorstreifen gebucht werden. Die Handlung spielt sich weitgehend in dem Titel gebenden britischen Landsitz ab, in dem Simon (Oliver Reed) und Eleanor Ashby (Janette Scott) seit Jahren den Tod ihrer Eltern und ihres Bruders Tony betrauern. Eleanor schwört indes darauf, Tony wiederholt nach seinem angeblichen Tod gesehen zu haben. Lebemann Simon, der gerne mal einen über den Durst trinkt, streitet dies vehement ab. Er und seine Tante Harriet (Sheila Burrell) würden Eleanor am liebsten für verrückt erklären lassen. Als die junge Frau einen Selbstmordversuch unternimmt, wird sie von einem jungen Mann (Alexander Davion) gerettet, der Tony unglaublich ähnlich sieht. Ist er es wirklich oder ist er nur ein Schwindler, der versucht, an das respektable Familienvermögen zu gelangen? Und wer im Hause Ashby ist denn tatsächlich verrückt?

Die nette kleine Gruselgeschichte aus den Hammer-Studios wartet insbesondere mit einer eindrucksvollen Besetzung auf. Die hierzulande eher unbekannte Sheila Burrell ist als undurchsichtige Tante dabei am überzeugendsten. Oliver Reed („Der Fluch von Siniestro“) spielt hier schon den psychopathischen Trinker, eine Eigenschaft, die ihm in der Realität 1999 schließlich das Leben kosten sollte, als er bei den Dreharbeiten von „Gladiator“ in einer Bar auf Malta einem Herzanfall erlag. Wenngleich der Seriencharakter erkennbar ist, kann man dem Film einen gewissen Charme und nostalgischen Reiz nicht absprechen. Freddie Francis bewies insbesondere Sinn für stimmungsvolle Kameraeinstellungen, die eine klaustrophobische Spannung erzeugen. Dazu setzte er in einigen Szenen eine Speziallinse ein, die die Ränder des Bildausschnittes verdunkelten und damit den beengenden Charakter unterstrichen.

Bei dieser Erstveröffentlichung des Films auf BluRay erstrahlt das Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) in klarem, kontrastreichem Schwarz-Weiß und sowohl der Original- als auch der Synchronton (Deutsch und Englisch im DTS HD 2.0 Mono, optional mit deutschen Untertiteln) sind gut verständlich, wenngleich mitunter leicht verrauscht, was den Filmnostalgiker allerdings nicht weiter stören dürfte. Auch hinsichtlich der Extras hat man sich ordentlich ins Zeug gelegt und präsentiert einiges mehr als bei vorangegangenen DVD-Veröffentlichungen des Films. Neben einem fundierten Audiokommentar, den Kurator Dr. Rolf Giesen gemeinsam mit Volker Kronz eingesprochen hat, beeindruckt insbesondere das neu produzierte „Making of Hammer’s ‚Paranoia‘“ (28 Minuten) von Jim Groom mit Wayne Kinsey, bei dem in einem Interview auch noch einmal der 2011 verstorbene Drehbuchautor Jimmy Sangster zu Wort kommt. Abgerundet wird das Ganze durch den amerikanischen Kinotrailer, den deutschen, britischen und französischen Werberatschlag, das deutsche Filmprogramm und eine umfangreiche animierte Bildergalerie.

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