DVD-Edition zum 70. Geburtstag von Plácido Domingo mit drei Opern
Wenige Operntenöre sind auf einem derart hohen Niveau so vielseitig wie der Spanier Plácido Domingo, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte. Aus diesem Anlass bringt Arthaus Musik eine Edition mit drei legendären Aufnahmen aus der Wiener Staatsoper heraus. Weltstars stehen am Pult bei drei der populärsten Opern aus Italien, Frankreich und Deutschland. Die verschiedenen Rollen zeigen die Wandlungsfähigkeit Domingos. Er wurde mit seiner lyrischen und biegsamen, italienisch geschulten Stimme zu einem Jahrhundert-Interpreten für Verdi und Puccini, doch auch das französische oder deutsche Fach liegt ihm mehr als den meisten seiner mediterranen oder südamerikanischen Kollegen. Etwa achteinhalb Stunden Operngenuss bietet die Edition. Obwohl es Liveaufnahmen sind, stören keine Huster, nur manchmal etwas frenetischer Szenenapplaus. Die Kameraführung ist perfekt wie in einem geschnittenen Opernfilm.
Georges Bizets „Carmen“ ist die meistgespielte Oper der Welt. Diese Aufführung mit Plácido Domingo als Don José und Carlos Kleiber am Pult ist ein besonders Ereignis, der ORF übertrug sie im Dezember 1978 für ein Millionenpublikum im Fernsehen. Dementsprechend groß war der Aufwand der Inszenierung von Franco Zeffirelli mit 500 Mitwirkenden und acht Pferden. Diese Aufnahme ist vor allem eine Hommage an Carlos Kleiber, der an sich, die Musiker und Sänger die höchsten Anforderungen stellte. Selten war er mit den Aufführungen zufrieden, doch das Publikum verehrte ihn und hätte sich mehr Vorstellungen mit ihm gewünscht. Erst 2004, kurz vor seinem Tod, gab er dieses Videodokument zur Veröffentlichung frei. Um ihn besser ins Bild zu bekommen wurde bei der Fernsehaufführung mehr Licht auf den Orchestergraben gelenkt, was einige Premierenbesucher störte. So wird hier neben den Gesangsstars auch einmal der Dirigent einer Opernaufführung ausführlich beobachtet, wie er mit den Sängern und Musikern kommuniziert. Kleibers Interpretation ist in jeder Hinsicht perfekt, schnelle Tempi und trotz aller Romantik eine hohe Klangtransparenz zeichnen die Aufnahme aus. Hinzu kommt Zeffirellis spektakuläres Bühnenbild mit Massenszenen wie in einem Monumentalfilm. Perspektivische Kulissen täuschen eine Bühne vor, die eine weite Landschaft einschließt. Der Marktplatz ist detailreich ausgestattet wie selten. Elena Obraztsova und Plácido Domingo sind stimmlich und charakterlich ein ideales Paar in diesem tragischen Spiel um Liebe und Tod.
Die Handlung von Verdis „Troubadour“ spielt ebenfalls in Spanien im Zigeunermilieu. Auch sie endet tragisch mit dem Tod eines Helden, aber nicht mehr auf der Bühne. Diese Oper wurde so volkstümlich wegen der gelungenen Verbindung von Worten und Musik. Herbert von Karajan hat sie immer wieder gerne dirigiert, schon in den 1950er Jahren mit Maria Callas. Diese Fernsehaufzeichnung im Frühjahr 1978 in Wien war sein letzter „Troubadour“. Anfangs stand das Projekt unter keinem guten Stern. Denn bei der Generalprobe kam es zu einem Streit zwischen Karajan und dem Manrico-Darsteller. Erst nachdem Plácido Domingo eingesprungen war, konnte die Sendung verspätet ausgestrahlt werden. Sie wurde auch durch ihn zu einem großen Erfolg und vor allem zu einem Dokument für Karajan, der neben der musikalischen Leitung auch für die Inszenierung verantwortlich war. Die für Karajan typische Steifheit der Sänger auf der Bühne wird schnell vergessen bei ihren stimmlichen Qualitäten. Neben Domingo ragen Raina Kabaivanskas heller Sopran und José van Dams profunder Bass heraus.
Mit dem deutschen Fach haben viele der südeuropäischen und lateinamerikanischen Tenöre ihre Probleme oder sie verzichten gleich ganz darauf. Nicht jedoch Plácido Domingo, der alle großen Wagner-Rollen im Repertoire hat. 1990 sang er in der Wiener Staatsoper in der vielumjubelten Fernsehaufzeichnung des „Lohengrin“ unter der musikalischen Leitung von Claudio Abbado die Titelrolle. Diese romantische Oper spielt in der ersten Hälfe des 10. Jahrhunderts und bringt Motive aus Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und dem Nibelungenlied wie Ortruds Streit mit Elsa. Das Bühnenbild ist demensprechend mittelalterlich düster mit gedeckten Farben, kargen Landschaften und einfachen Formen. Im Gegensatz zu den heutigen Modernisierungstendenzen oder dem Ludwig II.-Kitsch kommt hier die Musik als das Wesentliche richtig zur Geltung. Wagner hätte sich über so eine Inszenierung gefreut. Denn die Sänger können sich ohne unnötige Ablenkung besser entfalten. Die Stimmen sind überwältigend, besonders die hohen von Domingo und Cheryl Studer als Elsa. Als 27jähriger hat Domingo an der Hamburgischen Staatsoper mit Lohengrin debütiert. Mittlerweile hat er die Rolle als „Ritter aus einem fernen Land“ so verinnerlicht, dass er sie im Schlaf singen könnte.
Fazit: Diese drei Opernaufzeichnungen zeigen nicht nur die unterschiedlichen Qualitäten des Geburtstagsjubilars Plácido Domingo, sondern sind Sternstunden aus einem der besten Opernhäuser der Welt mit legendären Dirigenten, Sängern, Regisseuren und Musikern.
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DVD-Edition zum 70. Geburtstag von Plácido Domingo mit drei Opern wurde bearbeitet von Johannes Kösegi • Permalink • Kommentar schreiben »













