9 to 5: Days in Porn
Porno-Darsteller ist für Viele – besonders Männer – ein Traumberuf. Ständig wechselnde attraktive Sex-Partner und mit dem Geschlechtsverkehr Geld verdienen, klingt aufregend. Aber einen Porno zu drehen ist wortwörtlich „harte” Arbeit, und hat nicht viel mit dem heimischen Sex zu tun. Ein ganzes Filmteam steht während des Drehs dabei, das Scheinwerferlicht ist grell und heiß, die Couch oder das Bett zu weich oder zu hart und der/die Darsteller/in ist wohl auch nicht immer der Knaller.
Der deutsche Regisseur Jens Hoffmann hat für seinen Dokumentarfilm “9 to 5: Days in Porn” mal hinter solche Klischees und Vorurteile geblickt – und dabei ziemlich normale Menschen getroffen.
Zehn Akteure der Branche hat er in einem Zeitraum von anderthalb Jahren immer wieder mit der Kamera begleitet, mitunter wochenlang. „Wir wollten Intensität und Authentizität herstellen”, sagt Hoffmann, der sich mit Dokumentarfilmen über Extremsport einen Namen gemacht hat. „Uns ging es nicht in erster Linie um Porno, sondern um die Menschen, die in der Branche arbeiten.“
Hoffmann zeigt seine Protagonisten bei der Arbeit, im Privaten, zwischen Blowjob und Babyfütterung, lässt sie in Interviews reden. Dabei verzichtet er auf Wertungen und Kommentare. Einen erhobenen Zeigefinger gibt es hier nicht. Hier werden „echte“ Menschen gezeigt, mit all ihren Motivationen, ihren Träumen und Erfolgen, ihren Niederlagen, Selbst- und Enttäuschungen.
Auch Hoffmanns Kamera wird hier nicht zum stumpfen Voyerismus-Werkzeug. Die Kamera hält nicht unbedingt drauf, wenn es zur Sache geht, aber sie wendet sich auch nicht verschämt ab (der Film hat keine Jugendfreigabe). Hoffmann nähert sich mit allem Respekt und Neugier den Darstellern, führt dabei aber nie jemanden vor.
Dabei wird dem Zuschauer aber auch alle Skurrilitäten geliefert, die man auch erwatet, die jedoch in der Erzählweise gar nicht mehr so skurril wirken. So erfährt man z.B. dass die Haare eines Pornodarstellers nach einer Anal-Szene nach Kot riechen, weil er den hier und da hervortretenden Ausfluss beim Dreh galant weg- und in die Haare wischt, weshalb danach erstmal eine Haarwäsche angesagt ist. Klingt komisch und durchaus Ekel erregend, wirkt im Film aber beinahe banal.
Neben den Pornodarstellern und den Produzenten wird die Doku noch mit Interviews von Veteranen der Branche ergänzt, wie z.B. Dr. Sharon Mitchell, John Stagliano oder Nina Hartley, die den theoretischen Überbau liefern, und so diese Dokumentation zu einem vielschichtigen, erhellenden Kaleidoskop der Pornobranche verhelfen.
Fazit: „9 to 5: Days in Porn“ ist auf keinen fall ein „Making of Porno”, sondern ein eindrucksvoller, schmuckloser und vor allem ehrlicher Blick hinter die Kulissen der Pornoindustrie sowie über die Menschen und deren Leben.
Übrigens, wer regelmäßig oder auch nur sporadisch Porno-Filme schaut, dem dürften einige dieser Menschen ein Begriff sein – Belladonna, Audrey Hollander, Otto Bauer, Sasha Grey oder Roxy Deville gehören zu den Stars im amerikanischen Mainstream-Porno.
Alternative: die Dokumentation „Inside Deep Throat“
Die DVD zeigt die Dokumentation in einem ordentlichen Widescreen-Bild (1.78:1 – anamorph) und einem ebensolchen Ton (Dolby Digital 5.1/ nur im englischen Original zu sehen, mit deutschem Untertitel). An Bonusmaterial gibt es ein paar deleted scenes.
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9 to 5: Days in Porn wurde bearbeitet von Bernd Hellweg • Permalink • Kommentar schreiben »










