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„Das Leben ist kein Heimspiel“ auf Doppel-DVD bei Zweitausendeins

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„Das Leben ist kein Heimspiel“ auf Doppel-DVD bei Zweitausendeins

Das Leben ist kein Heimspiel 150x211 „Das Leben ist kein Heimspiel“ auf Doppel DVD bei ZweitausendeinsFür manche ist es ein Wunder, für andere ein Albtraum. In etwa zwei Jahrzehnten hat es der Fußball-Dorfverein TSG Hoffenheim von der Kreisliga bis in die Bundesliga geschafft. Möglich wird dies durch die finanzielle Unterstützung von Dietmar Hopp. Er hat einst als TSG-Spieler noch Naturalien für geschossene Tore bekommen. Danach wird er Mitbegründer des Softwareimperiums SAP und gehört heute zu den reichsten Deutschen. 1989, als die Not im Verein besonders groß ist, kommt die finanzielle Hilfe des Fußballenthusiasten gerade recht. Und weil der erfolgreiche Unternehmer keine halben Sachen möchte, soll das Projekt bis in die höchste Spielklasse durchgezogen werden. Doch in der Regionalliga tritt der Verein lange Zeit auf der Stelle. Mehrere Trainer müssen entlassen werden, um den nächsten Schritt zu machen. Schließlich kann Hopp den Champions-League-erfahrenen Trainer Ralf Rangnick für sein Projekt begeistern. Mit ihm gelingt der Aufstieg in die 2. Liga und nach nur einem Jahr der finanzielle Quantensprung ins Fußball-Oberhaus. Spätestens ab jetzt ist der Dorfclub in aller Munde. Dietmar Hopp wird von den Fußballfans der seit langem vom großen Profifußball entwöhnten Rhein-Neckar-Region wie ein Volksheld gefeiert, von etablierten Vereinen aber auch neidisch und argwöhnisch betrachtet. Höhepunkt sind hasserfüllte Transparente von gegnerischen Fans. Sie haben wohl noch nicht begriffen, dass der heutige Profi-Fußball keine romantische Veranstaltung von elf Freunden mehr ist, sondern ein knallhartes Geschäft der Unterhaltungsindustrie, in dem es um viele Millionen geht. Verstärkt wird das mediale Interesse an 1899 Hoffenheim, wie sich das Unternehmen inzwischen nennt, durch eine Erfolgswelle unmittelbar nach dem Bundesliga Aufstieg, als der Neuling als Tabellenerster vor Bayern München in die Winterpause geht. Die beiden Regisseure Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech haben das „Projekt Hoffenheim“ fast drei Jahre lang für den Kino-Dokumentarfilm „Das Leben ist kein Heimspiel“ begleitet. Er zeigt den Weg von der Regionalliga in die Bundesliga bis zur Eröffnung der neuen Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim. Mit reichlich Bonusmaterial erscheint diese Dokumentation jetzt exklusiv bei Zweitausendeins auf einer Doppel-DVD.

Im Mittelpunkt stehen der Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus, ein gewiefter Marketing-Profi, der zuvor bei Bavaria und beim VfB Stuttgart war, und ein sich „Torro“ nennender Edel-Fan, der seinem Verein im ersten Fanclub seit den unteren Klassen die Treue hält und einigen Begleiterscheinungen der Professionalisierung auch kritisch gegenübersteht. Die Langzeitbeobachtung beginnt Ende 2006, als sich die TSG Hoffenheim in der Tabellenspitze der Regionalliga Süd etabliert hat. Den Filmemachern kommt entgegen, dass die TSG zu dieser Zeit noch etwas von der Unbekümmertheit eines Dorfvereins hat und viele unverfälschte Blicke hinter die Kulissen gewährt, was heute nicht mehr möglich wäre. Rotthaus führt ein altes Schloss und die umliegenden Felder in Zuzenhausen vor, wo mittlerweile Trainingszentrum und Geschäftsstelle untergebracht sind. In einer Besprechung geht es um den Lizenzantrag für die 2. Liga, für den noch Details wie Parkplatz- und Zuschauerkapazität geklärt werden müssen. Die Geschäftsstelle ist im Dietmar-Hopp-Stadion im 3000-Seelen-Dorf Hoffenheim, einem Stadtteil von Sinsheim. Daneben am Waldrand ist in einem Container „Torros“ Fanclub untergebracht. Erste Fanschals gibt es bereits. Der Dorfgesangverein trällert ein Volkslied, Frau Kunkel von der Tankstelle direkt neben dem Trainingszentrum sammelt Autogramme von den Spielern und muss auf 500-Euro-Scheine herausgeben. Die Regionalligaspiele sind meist nicht ausverkauft. Mit einem 4:0-Sieg gegen Siegen ist der lang ersehnte Aufstieg in die 2. Liga besiegelt. Doch die Verantwortlichen denken schon weiter. Die Pläne für ein neues Bundesliga-Stadion stehen bereits. Rotthaus nennt Stichworte wie aus dem Marketing-Lehrbuch. Die Markenphilosophie ist Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Komfort, Modernität und Dynamik. Emotionen sollen vermittelt werden. Für die Fans heißt das „schnelle Wurst, schnelles Bier und viele Tore“, eine freie Übersetzung des altrömischen „panem et circenses“. Die Stadionbeleuchtung darf nur blau sein, was für den Architekten schwer verständlich ist. Beim ersten Spatenstich wird der Großinvestor Hopp gelobt: „Ein Mann, ein Dorf, ein Antrieb“. Er möchte Hoffenheim im deutschen Profi-Fußball etablieren. Rotthaus muss derweil durch die umliegenden Dörfer tingeln und Klinken putzen. Stolz vermerkt er, dass das Stadion die doppelte Anzahl an Damen-Toiletten wie üblich haben wird. „Wir sind ein kreativ geiler Laden“. Doch zunächst bleibt der sportliche Erfolg aus. Es gibt eine Krisensitzung in der Geschäftsstelle, weil zu wenig Karten verkauft werden. Hopp investiert auf einen Schlag 20 Millionen Euro für neue Spieler, mehr als alle anderen Zweitligisten zusammen. Jetzt fallen die Tore am Fließband und Hoffenheim feiert mit einer internationalen Spitzenmannschaft Sieg um Sieg, auch gegen Etablierte wie Mönchengladbach. Die Anfeindungen gegnerischer Fans werden größer, die Polizei beobachtet mit Videokameras den Fanblock der Gegner, Rotthaus telefoniert mit dem gegnerischen Fanbeauftragten. Doch sein Hauptaugenmerk gilt jetzt der Gewinnung eines neuen Hauptsponsors. Auch sein Versprechen, in spätestens fünf Jahren erstklassig zu sein, nützt nicht immer. Viele Unternehmen springen kurz vor der Vertragsunterzeichnung noch ab. Total übermüdet diktiert er seinem Assistenten spätabends noch einen Brief. Entspannung findet er beim Golfspiel mit Hopp.

Mittlerweile gibt es elf Fanclubs. Bei einer Versammlung kommt es zum Streit um das Singen des Badener Liedes bei den Heimspielen, weil es auch württembergische Fans aus der Heilbronner Region gibt. Trainer Rangnick bestätigt, dass sich die Fankultur erst noch entwickeln müsse. Durch die teuren Verstärkungen erfolgt der Aufstieg in die Bundesliga bereits nach einem Jahr. Bei der Aufstiegsfeier sagt Hopp im Freudentaumel: „Unsere Tradition ist die Zukunft.“ Die Stadionbaustelle kann mit diesem Tempo nicht mithalten. Die Heimspiele der ersten Bundesliga-Hinrunde werden im 50 Kilometer entfernten Mannheim ausgetragen. Hoffenheims Anfangserfolg in der Bundesliga lässt den Hass der gegnerischen Fans wieder aufflammen. Im „Aktuellen Sportstudio“ verteidigt der Investor sein Modell und vergleicht seine Fußballfirma mit Startup-Unternehmen des Neuen Marktes wie Microsoft, SAP oder Google, die auch ohne Tradition entstanden seien. Marketing-Stratege Rotthaus kann sich nicht satthören an der Ankündigung eines Privatsenders zur Übertragung des letzten Spiels der Hinrunde: „Bayern gegen Hoffenheim – Das beste, was diese Liga zu bieten hat“. Die Zahl der Fanclubs hat mittlerweile die 100 überschritten. Bei einem Vorstandstreffen gibt es heftige Diskussionen. Die filmische Zeitreise endet im Januar 2009 mit der Einweihung der Rhein-Neckar-Arena auf dem sportlichen und emotionalen Höhepunkt des Fußballunternehmens. Der Edelfan „Torro“ ist überwältigt, wenn auch aus „Fans Kunden und aus Spielen Produkte“ geworden sind. Schließlich müssen auch die Logeninhaber, die reichlich Geld in die Firmenkasse bringen, auf ihre Kosten kommen. Rotthaus dazu: „Wenn die Kunden zufrieden sind, dann sind wir glücklich“.

Die Stärke des Films ist, dass er im Stil des Direct Cinema ohne Kommentar auskommt. So kann sich jeder, ob Befürworter oder Kritiker dieses Projektes, seine eigene Meinung dazu bilden. Einiges hat sich seit Fertigstellung des Films geändert. Das neue Trainingszentrum ist in Betrieb, Rangnick ist wegen strategischer Differenzen mit Hopp kein Trainer mehr. Auch der Manager ist ausgetauscht worden, einige der teuersten Spieler wurden mit viel Gewinn weiterverkauft. Die Zeit des großen Geldausgebens scheint vorerst vorbei zu sein. Tabellenplätze um Rang 10 sind realistisch, der Abstieg soll kein Thema sein. Angepeilt ist mittelfristig einer der Tabellenplätze 1 bis 5 für das lukrative internationale Geschäft. Ein neuer volksnaher Trainer vom Hamburger Kiez-Club St. Pauli soll für Aufschwung sorgen. Nur der sportliche Erfolg wird darüber entscheiden, wie lange er im Amt bleibt und ob das Unternehmen erfolgreich weiterbestehen wird. Somit zeigt diese Dokumentation eher ein Stück Wirtschaftsgeschichte als Sportgeschichte.

Die Bonus-DVD enthält weiteres Material in Spielfilmlänge, das im Hauptfilm keinen Platz mehr fand. Zum Aufstieg in die 2. Liga gibt es eine große Party mit Feuerwerk. Hopp verkündet stolz: „Hoffenheim soll die ganze Region auf der Reise in den Spitzenfußball mitnehmen“. Exemplarisch für Dorftraditionen werden ein Schmied und ein Tabakbauer vorgestellt. „Torro“ erzählt die Entwicklung seines Fanclubs vom Ticketverkauf in der Garage bis zum logistischen Problem, 70 Fan-Busse für die Fahrt zum Pokalspiel nach Dortmund zu organisieren. Rotthaus führt zahlungskräftige Logenkunden durch ihr exquisites Revier im neuen Stadion. Pressevertreter oder andere Störenfriede wie Fans mit Würsten und Bierbechern werden ihnen nicht in die Quere kommen. Ein großer Festzug mit Traktoren und Anhängern erinnert an Karneval. Trainer Rangnick doziert seiner internationalen Belegschaft während der Videoanalyse auf Englisch. Mit dem Erfolg wird die Belastung für die Fußball-Millionäre auch außerhalb des Rasens größer. Scheinbar bereitwillig müssen sie Autogramme schreiben und sich mit meist weiblichen Fans ablichten lassen. Der Pressesprecher schwört sie im Medientraining mittels Power-Point-Show auf ihr richtiges Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit ein. Und schließlich darf bei der Stadioneröffnung der Segen der Ortsgeistlichen nicht fehlen.

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