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Dorfpunks

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Dorfpunks

Summer in the little City, im Jahre 1984: Punk ist nun auch durch das das ruhige Brackwasser der Ostsee an die Küste gespült worden. Und zwar in  Schmalenstedt, einem kleinen Kaff in der Holsteinischen Schweiz: Malte Ahrens legt sich nun den Künstlernamen „Roddy Dangerblood“ zu, haust bei seinen neoliberalen Eltern und ärgert sich in der verhassten Töpferlehre. Das wahre Leben spielt sich jedoch woanders ab, in der Punk-Clique mit Fliegevogel, Flo, Sid („Vicious“), Piekmeier und Günni. Man hängt mit Dosenbier und Lagerfeuer im geheimen Waldversteck ab, zappelt zu  Pogo in der Dorfdisco, träumt von schönen Schnecken und fetziger Mucke. Vor allem aber provoziert man gerne die Bürger auf dem Marktplatz und kloppt sich mit den kernigen Jungbauern. Selbst seine sonst so progressiven Eltern, eigentlich ein paar mit verständnisvolles Augen und Ohren für alles neue, sind nun völlig überfordert und verhalten konsterniert: „Ist das Punk?“ fragt sein Vater, als Roddy wieder einmal schwer lädiert von einer Keilerei nach Hause kommt. Dorfpunks erweist sich als engagiertes, authentisches  und einfühlsames Jugend-Drama mit leichten längen, aber insbesondere mit augenzwinkernder Ironie für eine rebellische Phase von Null Bock, No Future und schriller Resignation. Eine Welle, die mit der beginnenden Arbeitslosigkeit, Stellenmangel, politischer Unsicherheit, Angst und Ablehnung einherging. Vorbild war beispielsweise Iggy Popp, die Ärzte, säter gerierte sich alles ein wenig in die depro-wavige Richtung, neue Helden wie aus der Neuen deutschen Welle oder The Cure feierten fröhliche Urständ. Punk an sich hatte, wie einstens die politisch engagierten 68iger Generation, absolut keinen ideologischen, philosophischen oder gar intellektualisierten Hintergrund einer Frankfurter Schule, sondern diese StadtindianerInnen mit rosafarbenen Irokesen-Haarschnitt und Ringen, Tattos und Piercings an allen erdenklichen Körperstellen, wollten und konnte nicht. Einfach so. Die saturierten Siebziger entließen ihre in Wohlstand aufgewachsenen Kinder in die Ratlosigkeit bevorstehender Perspektivlosigkeit.
Punk ist wesentlich mehr als nur Musik gewesen, Punk war eine Attitüde gegenüber Institutionen und Gesellschaft, dann modisch Design und degeneriert. Punkt implodierte eher in den köpfen als am Outfit. Der Punk als  Jugendkultur entstand  in den1970er Jahren zunächst in New York und London. Hübsch anzuschauen war das provokante Aussehen und markiges Motto war vor allem das Leitmotiv des Sex Pistols-Hammers: „No Future“. Keine Zukunft war und bleibt die Angst. Und Angst ist die Mutter aller Gewalt, und Angst beherrschte eben diese Ära, die sich in vereinzelten Strömungen bis heuer durchsetzte, eingeflossen in den Rap und Hiphop, teilweise in die Gothic-Kultur. Doch davon waren die rührigen und munteren Jungs von der Ostsee meilenweit entfernt. Fazit: Ein sehenswerter und nostalgischer Blick zurück, als die Welt schon irgendwie kaputt war, aber nicht ganz so kaputt wie jetzt. Dennoch. Die Musik der Achtziger rockte gut, in alle Richtungen.

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