Ein urchristlicher Film: DAS GESPENST
Achternbuschs 10. Film handelt von einer vom Kreuze herabgestiegenen Heilandsfigur, die im Verein mit einer Nonne erfahren muss, wie schwer es doch ist, mit dem biblischen Vermächtnis einigermaßen weltlich am Leben zu bleiben. Er ist der 42. Herrgott, der 42ste von 41 und von daher schon recht unbedeutend. Ihn zieht es ins Bett dieser Oberin. Teilt er nun schon das Bett mit ihr, so muss er auch für ihren gemeinsamen Lebensunterhalt sorgen. Als Ober einer Oberin scheint es das naheliegendste zu sein, die Gäste der Klosterschänke zu bewirten. Einfach ist dies nicht. Auch die Antworten auf banale Fragen, wie die nach dem Wiener Würstchen: „Wenn der Wein mein Blut ist und das Brot mein Leib, was ist dann das?“, erfährt er nicht. Selbst am idyllischen Teich findet er keine Linderung, kann er doch bekanntermaßen nur auf dem Wasser laufen, aber nicht darin schwimmen.
Achternbuschs „Herabgestiegene“ ist naiv und sympathisch, und wie alle „Blasphemie“ ist das keine, sondern ein religiöser Angriff auf selbsternannte Stellvertreter auf Erden. Ein urchristlicher Film.
Kurz nach der Premiere von „Das Gespenst“ kam es im April 1983 zum Skandal: Die FSK verweigerte vorübergehend die Freigabe des Films, weil sie das „religiöse Empfinden eines nach Millionen zählenden Teils der Bevölkerung“ verletzt sah. Die öffentliche Kontroverse sorgte mit dafür, dass der Film über 150.000 Zuschauer in die Kinos lockte.
Als Filmemacher erlebte Herbert Achternbusch alle Höhen (Bundesfilmpreis 1982) und Tiefen. Er blieb sich allerdings immer selbst treu und sorgte mit seinen provokanten Filmen wieder und wieder für Kontroversen.
Ein urchristlicher Film. Jetzt ist DAS GESPENST zum ersten Mal als Einzel-DVD erhältlich.
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