ERNST JANDL in der filmedition suhrkamp
Am 1. August 2010 wäre Jandl 85 Jahre alt geworden.
Seit den sechziger Jahren zählte Jandl zu den wichtigsten deutschen Schriftstellern experimenteller Literatur, hier nun filmt ihn die Kamera im Hörsaal: beim Sprechen, Pfeifen, Wangenaufplustern, Grimassieren.
Das begeisterte Urteil so gut wie aller, die im Wintersemester 1984/85 in Frankfurt dabei waren und damals oder seither darüber gesprochen oder geschrieben haben: »Das muss man gesehen haben!« Und zwar im Doppelsinn: einmal mit Betonung auf dem »muss«, ist dies doch die umfassendste, facettenreichste Positionsbestimmung und zugleich auch Werkschau des populärsten deutschsprachigen Avantgardedichters der Nachkriegszeit; zum anderen aber mit Betonung auf »gesehen«, denn wenn es je eine Vorlesung über Poetik gegeben hat, die so sehr selber Poesie und deren eigentliche Werkform nicht der Text, sondern die Bild-Ton-Wiedergabe ist, dann Jandls »Öffnen und Schließen des Mundes«.
»Es bedarf eines hörbaren und sichtbaren Sprechers, und es bedarf eines Publikums. Auf Videoband bekommt jeder es ebenfalls komplett; auf Schallplatte nur noch einen Teil davon; noch viel weniger auf der Buchseite.« Ernst Jandl
»Video ist keine Erfindung von Ernst Jandl. Schade. Aber es ist das ihm gemäße Mittel, von dem er auf seine Weise Gebrauch macht: höchst ernsthaft, hinreißend liquid und manchmal nichts als niedergeschlagen. Die Wörter lallen nicht. Sie leisten Widerstand. Sie kommunizieren enorm.« Karl Krolow
»Jandls Texte sind mit Jandls Zunge genäht. Es gehört der stimmliche Vollzug, das Lautwerden und Hörbarmachen substantiell zu seinen Texten dazu.« Franz Mon
Ähnliche Beiträge:
ERNST JANDL in der filmedition suhrkamp wurde bearbeitet von Patrick Fiekers • Permalink • Kommentar schreiben »













