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Fortsetzung der SZ-Cinemathek mit der Reihe „Traum und Wirklichkeit“ – 13 Filme über die Grenze und Verschmelzung von Realität und Fiktion

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Fortsetzung der SZ-Cinemathek mit der Reihe „Traum und Wirklichkeit“ – 13 Filme über die Grenze und Verschmelzung von Realität und Fiktion

SZ Cinemathek Traum & WirklichkeitDie Süddeutsche Zeitung in München ist als eine der drei großen überregionalen seriösen Tageszeitungen in Deutschland nicht nur für ihren kritischen und engagierten Journalismus bekannt, sie war auch Vorreiter in der Vermarktung neuer Print- und Digitalprodukte in einer eigenen „Süddeutsche Zeitung Edition“. Mittlerweile haben viele Verlagshäuser wie SPIEGEL oder ZEIT diese Art der Vermarktung außerhalb der üblichen Periodika erfolgreich übernommen. Die Süddeutsche Zeitung bietet mittlerweile ein umfangreiches Sortiment eigener Produkte an. Dazu gehören regionale und überregionale Sprach- und Gaststättenführer ebenso wie gesammelte Cocktail-Rezepte aus dem SZ-Magazin, Streitschriften von SZ-Redakteuren gegen den Finanzkapitalismus oder für den Erhalt des Euro, außerdem Spiele wie „Tackle“ zur Schulung von strategischem Geschick und räumlichen Denken. Neben den verlagseigenen gedruckten Editionen gilt die Süddeutsche Zeitung besonders als Pionier der Nebenprodukte-Vermarktung elektronischer Medien. Neben Hörbüchern mit musikalischen Märchen oder klingenden Musikführern des bekanntesten deutschen Musikkritikers Joachim Kaiser sind vor allem die seit 2005 erscheinenden DVD-Reihen der „SZ-Cinemathek“ Bestseller mit mittlerweile über sechs Millionen verkaufter Exemplaren und längst ein Geheimtipp für Cineasten und Liebhaber anspruchsvoller Filme. Begonnen hat diese Erfolgsgeschichte mit 100 Filmklassikern, es folgten Genre-Serien mit französischen Krimis, Jugendfilmen, Screwball-Komödien, Musik- und Naturdokumentationen, Western oder Zeichentrickfilmen, außerdem erschienen ausgezeichnete Filme der Berlinale oder mit bekannten Filmdiven. Da die Redakteure der SZ-Kinoredaktion ihre Qualitätsauswahl nicht auf bestimmte Rechteverwerter und Studios beschränken wollen, laufen einige Lizenzen leider nach einigen Jahren aus, und die Filmraritäten dürfen nicht mehr neu angeboten werden. Somit ist man bei vielen früheren SZ-Cinematheken auf Restbestände oder Gebrauchtartikel angewiesen. Deshalb sollte man bei den aktuell angebotenen Serien rechtzeitig zugreifen.

Die neue thematische Reihe „Traum und Wirklichkeit“ vereint in einer seltenen, aber gelungenen Kombination dreizehn Filme von Science Fiction bis zum Psychothriller aus der Zeit von 1945 bis 2010. Wie bei den SZ Cinematheken üblich ist man nicht gezwungen die komplette Serie zu kaufen, wenn man vielleicht schon einige Titel in seiner Sammlung hat, kann jedoch bei Komplettabnahme einiges sparen. Die Verpackung der DVDs ist mustergültig, ergänzt um schöne Illustrationen und kompetente Kommentare. Die Sammlung ist weniger geeignet für das Familienkino, acht Filme werden von der FSK erst ab 16 Jahren empfohlen. Denn es bedarf einer gewissen Reife und Lebenserfahrung, um die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu begreifen, die das Kino wie keine andere Kunstform überschreiten kann. Filme geben Träumen und Visionen eine Gestalt, die man mit bloßem Auge nicht von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Traumkulissen und parallele Realitäten gehören zu den klassischen Stilmitteln des Kinos und entführen den Zuschauer oft in eine spannungsgeladene und surreale Welt. Diese Reihe der SZ Cinemathek zeigt die große Vielfalt der filmischen Verwirrspiele und Rätsel aus sechs Jahrzehnten mit Werken großer Meisterregisseure wie Alfred Hitchcock, Ingmar Bergman, Luis Buñuel, Orson Welles oder Martin Scorsese.

In dem Thriller „Ich kämpfe um dich“ (1945) liefert Alfred Hitchock eines seiner typischen psychologischen Verwirrspiele. Dr. Constance Peterson (Ingrid Bergman), eine junge Psychoanalytikerin, hat Bedenken wegen ihres neuen Chefs Dr. Edwardes (Gregory Peck), der Schuldkomplexe hat und psychisch verwirrt scheint. Schließlich stellt sich nach dem Urteil der übrigen Ärzte heraus, dass dieser Dr. Edwardes nicht der echte Dr. Edwardes ist. Er wird vielmehr des Mordes an dem echten Dr. Edwardes verdächtigt und flieht aus der Anstalt. Constance folgt ihm aus Liebe und versucht mit ihren psychoanalytischen Fähigkeiten, das Rätsel zu entschleiern. Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“ (1956) spielt im finsteren Mittelalter. Ritter Antonius Block (Max von Sydow), der als junger Mann in das Heilige Land zog, um seinen Glauben zu festigen, kehrt nach zehn Jahren in seine Heimat Schweden zurück. Dort trifft er auf Leid und Elend, denn die Pest durchstreift ganz Europa. Als der personifizierte Tod auch ihn holen will, gelingt es ihm, den Sensenmann zu einer Partie Schach zu überreden. Im Verlauf des Spiels versucht Antonius sowohl sein Leben zu retten, als auch den Glauben an Gott zu finden. Wie so oft reflektiert der in einem Pastorenhaushalt aufgewachsene Ingmar Bergman seine Jugenderlebnisse. Optisch und stilistisch ist dieser Film einer der besten des schwedischen Meisterregisseurs. Hinter den realistischen Bildern mit Hexenverbrennungen und anderen typischen Szenen lauern apokalyptische Visionen. Zu Recht hielt Orson Welles seinen Streifen „Der Prozess“ (1962) nach dem Roman von Franz Kafka für einen seiner Besten. Hier wird geschildert, wie schnell man unbegründet in Verdacht gerät und welche Katastrophe sich daraus entwickeln kann. Der kleine Angestellte Josef K. (Anthony Perkins) wird eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet. Während seines aufreibenden Prozesses erklärt ihm niemand, warum er überhaupt vor Gericht steht. Auch von seinem Anwalt erhält K. fast keine Hilfe. Er ist in einem Albtraum gefangen, aus dem es kein Erwachen gibt, bis man ihn zu seiner Hinrichtung abholt. Die Drehorte und Sets des Films vermitteln eindrücklich Welles‘ eigene Vision einer kafkaesken Atmosphäre. Berühmt sind die Aufnahmen in einer großen Messehalle, die Welles als riesiges Büro mit Hunderten von Schreibtischen ausstattet. Die mit Jeanne Moreau und Romy Schneider prominent besetzten Frauenrollen fügen sich gut in das surreale Szenario ein.

In Luis Buñuels „Die Milchstraße“ (1969) pilgern die beiden Clochards Pierre und Jean auf dem Jakobsweg, der auch „Milchstraße“ genannt wird, zu dem spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Losgelöst von Raum und Zeit begegnen ihnen historische Figuren der Kirchengeschichte, darunter auch Jesus. Sie erleben Streitgespräche mit Jesuiten, Folterungen, Verbrennungen von Häretikern und die Erschießung eines Papstes. Der Film verwirklicht Träume und Imaginationen in suggestiven Bildsequenzen. Wie in seinen frühen surrealistischen Filmen möchte der Regisseur auch hier verunsichern und schockieren, in einem fantastischen und provokativen Film von großer sinnlicher Schönheit. Adrian Lynes Horrorfilm „Jacob’s Ladder“ (1991) erzählt von Jacob Singer (Tim Robbins), dessen ganzes Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Er wird geplagt von schrecklichen Visionen und Albträumen, gesichtslosen Dämonen, Teufelsfratzen und seltsam verstümmelten Monstern. Das Schlimmste sind die Erinnerungen an den Vietnamkrieg, von denen auch andere Kriegsveteranen betroffen zu sein scheinen. Haben ihre gemeinsamen Visionen etwas mit dem brutalen Krieg zu tun? Doch die Auflösung ist weitaus erschreckender.

Als Craig Schwartz (John Cusack) in Spike Jonzes „Being John Malkovich“ bei seinem neuen Job zufällig eine Tür entdeckt, die als Tor direkt ins Gehirn des Schauspielers John Malkovich führt, verändert sich sein Leben schlagartig. Fünfzehn Minuten lang begibt er sich auf den ultimativen Trip durch Malkovichs Hirnwindungen, er fühlt sich tatsächlich als John Malkovich. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lotte (Cameron Diaz) kommt er auf die Idee, auch andere für 200 Dollar pro Person in Johns Kopf hineinzulassen. In „Mulholland Drive“ (1999) schickt Regisseur David Lynch, der Meister des Mysteriösen, den Zuschauer auf eine düstere Reise durch das nächtliche Hollywood. Eine „Schöne der Nacht“ (Laura Harring), die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verloren hat, streift durch die Straßen und findet Unterschlupf bei der Schauspielerin Betty (Naomi Watts), die ihr dabei hilft, ein dunkles Geheimnis aufzudecken. Beide Frauen verkörpern Phänomene einer gespaltenen Persönlichkeit. Gemäß der uralten Vorstellung, das Leben sei nur ein Traum, werden Realität und Traum austauschbar. Indirekt rechnet der Regisseur hier auch mit dem System Hollywood und dem unbarmherzigen Filmgeschäft ab. Die Abhängigkeit vom Geld, der Film als Ware, die Macht der Studios, die Neurosen der Stars und die Arroganz des Regisseurs sind hier Klischee und Normalität zugleich.

Richard Linklaters Film „Waking Life“ (2001) zeigt eine neue Form des Animationsfilms. Auf einer Reise durch die Welt der Träume begegnet ein junger Mann Freunden, Fremden und berühmten Persönlichkeiten, mit denen er über den Sinn des Lebens und die menschliche Existenz philosophiert. Nach und nach stellt er jedoch fest, dass er aus seiner Traumwelt nicht aufzuwachen scheint. In Steven Soderberghs Science Fiction Film „Solaris“ (2002), nach 1972 (Andrei Tarkowski) der zweiten Verfilmung von Stanis?aw Lems Roman, passieren auf einer Raumstation merkwürdige Dinge. Mitglieder der Crew sind zu Tode erschrocken. Menschen, die sie längst verloren glaubten, erscheinen als lebendige Phantome vor ihren Augen. Als der Psychologe Chris Kelvin (George Clooney) eintrifft, um den Vorfällen auf den Grund zu gehen, sieht er sich mit einer Macht konfrontiert, die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. Sie ist der Schlüssel zu den geheimsten Träumen der Menschheit, oder zu ihren finstersten Albträumen. In John Polsons „Hide and Seek“ (2005) versucht der Psychiater David Callaway (Robert De Niro) ein neues Leben anzufangen. Er zieht mit seiner Tochter Emily (Dakota Fanning), die vom Tod ihrer Mutter traumatisiert ist, in eine Kleinstadt inmitten der Wälder nördlich von New York. Aber schon nach kurzer Zeit werden beide von Emilys imaginärem Freund Charly terrorisiert. David beschleicht nach einer Reihe grauenvoller Ereignisse eine schockierende Ahnung und ist sich bald nicht mehr sicher, ob Charly wirklich nur ein Albtraum ist. Bizarre Visionen über zukünftige Ereignisse plagen den jungen Henry Letham (Ryan Gosling) in Marc Forsters „Stay“ (2006). Er leidet nach einem Unfall unter Gedächtnisverlust. Als er ankündigt, dass er sich an seinem 21. Geburtstag das Leben nehmen wird, beginnt für seinen Psychiater Sam Foster (Ewan McGregor) ein Spiel gegen die Zeit. Er verschafft sich Einblick in Henrys Lebensgeschichte und macht schockierende Entdeckungen, die auch sein eigenes Leben beeinflussen.

„Yella“ (2007) von Christian Petzold ist der einzige deutsche Streifen in der Reihe. Er erhielt viele Preise, darunter den Silbernen Bären für Nina Hoss als beste Darstellerin. Yella steigt in den Zug nach Hannover um ihr altes Leben hinter sich zu lassen, nachdem ihr verschuldeter Noch-Ehemann versucht hat, sie beide im Fluss zu ertränken. Dort lernt sie Philipp (Devid Striesow) kennen, der sie in die Welt des Risikokapitals einführt. Doch die Vergangenheit holt Yella ständig ein, sodass sie nicht mehr weiß, was Traum und was Wirklichkeit ist. Martin Scorseses Psychothriller „Shutter Island“ (2010) erzählt, wie US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) mit seinem neuen Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) nach Shutter Island beordert wird. Dort sollen sie klären, wie es einer psychisch gestörten mehrfachen Mörderin gelingen konnte, aus dem absolut fluchtsicheren Ashecliffe Hospital zu entkommen und spurlos zu verschwinden. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt Teddy immer mehr schockierende und beängstigende Wahrheiten über die abgelegene Insel und erfährt dabei, dass es Orte gibt, die einen nie mehr loslassen.

Mit dieser Sammlung hat die Kino-Redaktion der Süddeutschen Zeitung eine interessante und passende thematische Kollektion zusammengestellt. Geboten wird hier keine leichte Unterhaltungskost zum Zurücklehnen. Vielmehr wird man von vielen Szenen noch im Traum verfolgt. Empfindlicheren Gemütern sei daher empfohlen, vor dem Zubettgehen auf einige der Streifen besser zu verzichten.

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