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„Geheimsache Mauer – Die Geschichte einer deutschen Grenze“ auf DVD bei Polyband Medien

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„Geheimsache Mauer – Die Geschichte einer deutschen Grenze“ auf DVD bei Polyband Medien

Geheimsache Mauer 150x212 „Geheimsache Mauer   Die Geschichte einer deutschen Grenze“ auf DVD bei Polyband MedienDoku-Drama mit historischen Bildern, Interviews, Spielszenen und Animationen.

In diesen Tagen jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem mit dem Mauerbau die Teilung Berlins, die Spaltung Deutschlands und die Aufteilung Europas in zwei Blöcke begann. Fast 30 Jahre lang steht dieses unmenschliche Bauwerk, doch dann wird der ganze Spuk genauso schnell und überraschend wie er gebaut wurde wieder abgerissen. Von den vielen Fernsehbeiträgen zu diesem Jubiläum beeindruckt besonders das Doku-Drama „Geheimsache Mauer – Die Geschichte einer deutschen Grenze“ von Christoph Weinert und Jürgen Ast. Nach der Ausstrahlung bei arte und der ARD erscheint es jetzt bei Polyband Medien mit Bonusmaterial auf DVD.

Über dieses Thema wurden schon sehr viele Beiträge gezeigt. Dokumentationen bringen meist immer dieselben Wochenschauaufnahmen, fiktionale Filme greifen Einzelschicksale und besonders spektakuläre Fluchten heraus. „Geheimsache Mauer“ erzählt im Gegensatz dazu die Geschichte der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze aus der Perspektive derjenigen, die sie geplant, gebaut und bewacht haben. Er schaut hinter die Kulissen der Mauerstrategen. Dazu konnten einige ehemalige Grenzsoldaten und Politoffiziere gewonnen werden, von denen viele nicht freiwillig den Dienst an der Grenze machten. Einige sind erstaunlich offen und selbstkritisch. Das hat es bisher noch nicht gegeben, dass ein hoher Befehlshaber der Grenztruppen vor der Kamera über strategische Überlegungen und von geheimen Sitzungen des Grenzkommandos sprach. Außerdem erfährt man von Fluchtversuchen einiger Grenzsoldaten und Flüchtlingen, die ihr Leben für die Freiheit riskierten. Einige spektakuläre Szenen wurden nachgespielt, aber ohne viel Dialog und mit unbekannten Darstellern, um nicht abzulenken und den dokumentarischen Charakter zu wahren. Innovativ sind Computeranimationen zur Funktionsweise der Mauer und der DDR-Grenzsicherung. Außerdem zeigt der Film bislang unveröffentlichtes, privates Farbfilmmaterial und Geheimakten zur Sicherung der Mauer und zu Planungen, wie sie noch perfekter gemacht werden sollte. „Geheimsache Mauer“ gewährt tiefe Einblicke in die innere Logik des „Systems Mauer“ und zeigt, wie die Grenze als Symbol des Kalten Krieges funktionierte.

Geheimsache Mauer – Die Geschichte Einer…

1961 droht die DDR zu kollabieren, täglich fliehen 3000 über West-Berlin, die offene Wunde der DDR. Als schon drei Millionen, darunter wichtige Leistungsträger wie junge Ärzte und Lehrer geflohen sind, muss die UdSSR handeln und befiehlt Schutzmaßnahmen als geheime Kommandosache. Obwohl Ulbricht am 15. Juni 1961 noch scheinheilig sagt „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, beginnen am 13. August die ersten Aktionen. Der Marschbefehl lautet Sicherung von 43 Kilometer Sektorengrenze. Die unterirdische Kanalisation wird abgeriegelt, Stacheldraht in großen Mengen bestellt, auch aus dem Westen, Baumaterial vom Hausbau abgezogen. Die Überraschungstaktik ist aufgegangen, die Westmächte in den drei westlichen Sektoren unternehmen nichts dagegen. Für US-Präsident Kennedy ist eine Mauer besser als Krieg. Besonders hart trifft es die Einwohner in der Bernauer Straße. Ihre Häuser liegen direkt an der Sektorengrenze und werden zwangsgeräumt, Fenster und Türen zugemauert. Ein ehemaliger Grenzpolizist erinnert sich an seinen Fluchtversuch und als er von zwei „Freunden“ im Westen betrunken gemacht und nach Ost-Berlin zurückgebracht wird. Dort bleibt ihm nur die Wahl zwischen Gefängnis oder weitere Kameraden zu verraten. Einige Fluchtversuche werden von der DDR propagandistisch ausgeschlachtet. Als Wilfried Tews nach der Flucht über eine Friedhofsmauer in einem Kanal in den Westen schwimmt, wird er von Grenzsoldaten beschossen. Die West-Berliner Polizei gewährt ihm Feuerschutz, dabei wird ein DDR-Grenzer getötet. Die DDR-Oberen feiern ihn wie einen Helden und Märtyrer und lassen in West-Berlin Propaganda-Flugblätter verteilen. Noch heute sieht ein ehemaliger Politoffizier erschossene Flüchtlinge als Straftäter, weil sie sind, wo sie nicht sein dürfen. Auch an der innerdeutschen Grenze gibt es Zwischenfälle. Entlang der 1400 km langen Strecke sind zwei Millionen sowjetische Landminen versteckt. Als sich zwei DDR-Grenzer mit einer westdeutschen Jugendgruppe unterhalten wollen, treten sie auf Minen und werden verletzt. Die Jugendlichen retten sie und bringen sie in ärztliche Behandlung. Danach wollen sie zurück in die DDR wegen ihrer Familien und weil sie dann straffrei bleiben. Auch der Alltag eines Kinderheimes im Grenzgebiet an der Glienicker Brücke ist von der Mauer geprägt. Oft sind Schüsse zu hören, an Weihnachten kommt ein als Weihnachtsmann verkleideter Grenzsoldat zu Besuch.

An der innerdeutschen Grenze werden ab 1970 über 60.000 Selbstschussanlagen installiert. Vielleicht auch, um die vielen jungen Rekruten während ihres 18-monatigen Grundwehrdienstes nicht in Gewissensnöte zu bringen. Doch der Schießbefehl bleibt bestehen. Ein Zeuge erinnert sich, wie sie mit sechs Grenzposten eines Nachts 176 Schüsse auf einen Mann im Sperrgebiet abgegeben haben. Von der Stasi werden sie zum Schweigen verpflichtet. Der Osten vertuscht den Fall, denn es ist ein betrunkener West-Berliner. Er wird als Unbekannter eingeäschert. Nach dem Transitabkommen von 1972 gibt es neue Fluchtmöglichkeiten auf den Transitstrecken. Die Grenzübergangsstellen werden zu Wehranlagen ausgebaut, wo Stasi-Kontrolleure Fluchtversuche verhindern sollen. Die Passkontrolle ist dabei nur ein Vorwand. Doch die DDR möchte nach der OSZE-Konferenz diplomatisch anerkannt werden und so wenig wie möglich Vorfälle an der Grenze. Dafür wird die „Mauer 75“ modern nachgerüstet, sie wird einheitlich 3,60 hoch und mit weiß gestrichenen Beton-Standardelementen gebaut. Die jährlichen Kosten betragen 10 Milliarden DDR-Mark.

Anfang der 1980er Jahre steckt die DDR in einer schweren Wirtschaftskrise. Franz-Josef Strauß gewährt Milliardenhilfen, im Gegenzug werden die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze abgebaut. Das Grenzsystem in Berlin wird dagegen weiter perfektioniert und eine weite Schneise als trostlose Einöde um die Mauer errichtet. Die im Todesstreifen stehende Versöhnungskirche in der Bernauer Straße wird gesprengt. 1985 wird die „Mauer der nächsten Generation“ als perfekte Anlage ohne Schüsse und Tote geplant. Ziel ist die „Mauer 2000“ als High-Tech-Grenze mit Infrarot-Schranken und Sensoren. Dafür werden politisch zuverlässige Ingenieure beauftragt, die auch westliche Messtechnik einsetzen. Doch diese moderne Grenze wird eine Vision ohne Zukunft, als in Moskau Gorbatschow an die Macht kommt. 1989 zu ihrem 40. Jahrestag ist die DDR ein Land in Agonie. Als eine ungeahnte Massenflucht einsetzt, ignoriert Honecker alles und befiehlt den Kampftruppen wie 1961, die Grenzen zu sichern. Doch auf den Plätzen und in den Kirchen ist kein Klassenfeind, sondern es sind friedliche Menschen, die genug haben vom System. Darauf sind die Grenztruppen nicht vorbereitet, auch wenn einer der Zeugen bis heute kaum Mitleid mit den vielen Grenz-Opfern hat. Denn was die Partei sagt, ist immer recht. Die Mauer war 28 Jahre lang mehr als eine Wand aus Beton, in nur einer Nacht verliert sie ihren Schrecken für immer.

Im Making-of erzählen die beiden Regisseure, paritätisch aus dem Osten und Westen stammend, von der neuen Perspektive ihres Films. Sie wollten keinen Boulevard-Journalismus mit Schwarz-Weiß-Sicht machen. Nach ihren persönlichen Erfahrungen hat die Mauer alles bis in die kleinste Stube bestimmt. Mit offenen und ehrlichen Zeitzeugen und einigen Spielszenen ist es ihnen gelungen, den Zeitgeist von damals zu finden und die Zuschauer mit hineinzuziehen. Aufschlussreich ist „Die Grenze in Zahlen“. Die Gesamtlänge der Grenze zu West-Berlin ist 155 km, die innerstädtische Grenze zwischen Ost- und West-Berlin 43 km, die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR („Außenring“) 112 km. Folgende Sperranlagen waren an der Berliner Mauer: 301 Beobachtungstürme, 259 Hundelaufanlagen, 127,5 km Kontakt- bzw. Signalzäune. Die Kosten für die Sperrelemente an der Berliner Mauer betrugen pro Kilometer für die Grenzmauer-Plattenbauweise ca. 232.300 DDR-Mark, für einen Beobachtungsturm ca. 65.000 DDR-Mark. Zahlen zur innerdeutsche Grenze: 1378,1 km Gesamtlänge, 1185,7 km Grenz- und Signalzaun, 292,5 km Minenfelder, 29,1 km Betonsperrmauern, 1265 km Metallgitterzaun, 71,5 km Hundelaufanlagen, ca. 60.000 Selbstschussanlagen auf ca. 339,1 km Länge (1970-1984), 100 bis 110 Gramm Sprengstoff (TNT) verteilen ca. 80 bis 110 kantige Geschoss-Splitter. Im November 1989 gab es 14 Grenzübergänge, davon 8 Straßen- und Eisenbahnübergänge zwischen Ost- und Westberlin und 6 zwischen der DDR und West-Berlin. Die personelle Stärke der bewaffneten DDR-Organe betrug 50.000 Angehörige der Grenztruppen, 91.000 der Staatssicherheit und 173.000 der Nationalen Volksarmee. Gelungene Fluchten aus der DDR und Ost-Berlin gab es 8507 (August bis Dezember 1961), 5761 (1962), 2329 (1965), 901 (1970), 1245 (1972), 424 (1980), 160 (1985). Aus DDR-Sicht hat sich der immense finanzielle und personelle Einsatz also gelohnt. Aber was war der Preis dafür? (Johannes Kösegi)

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