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„Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes“ vom DDR-Fernsehen erstmals auf DVD – Theologe, Reformator, Revolutionär

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„Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes“ vom DDR-Fernsehen erstmals auf DVD – Theologe, Reformator, Revolutionär

Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum erscheint bei Studio Hamburg der Fernsehfilm „Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes“ von Kurt Veth über den mitteldeutschen Theologen und Reformator in sehr guter restaurierter Bildqualität erstmals auf DVD. Im Endstadium des DDR-Fernsehens wurde am 10. Dezember 1989 hiermit nochmals ein engagiertes Werk ausgestrahlt, das beweist, wie wichtig Thomas Müntzer in der offiziellen DDR-Geschichtsschreibung als Freiheitskämpfer und Revolutionär war. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Martin Luther, der mehr durch theologische und kulturelle Erneuerungen Aufsehen erregte, wird Müntzer im SED-Weltbild im Rang fast noch vor Luther platziert. Bereits 1956 hatte Regisseur Martin Hellberg für die DEFA einen monumentalen zweistündigen Kinofilm über Thomas Müntzer produziert, der sich zur Zeit des Bauernkriegs 1525 vom Reformator zum Revolutionär wandelte. Als Anführer des Aufstands wird er in der Schlacht bei Frankenhausen nach der vernichtenden Niederlage gefangengenommen und hingerichtet. Hier wird Müntzer als Sozialrevolutionär der „frühbürgerlichen Revolution“ dargestellt. Vom Idealzustand eines Lebens ohne Armut und Reichtum träumen Jahrhunderte später auch die Sozialisten. Martin Luther kommt in diesem geschichtsfälschenden Werk gar nicht vor. Auf der Icestorm-DVD gibt es als Bonus deshalb einen 2005 aufgezeichneten Beitrag, in dem die Potsdamer Religionswissenschaftlerin Susanne Galley einige historische Ungenauigkeiten des Films zurechtrückt.

1970 inszenierten Wolf-Dieter Panse und Peter Deutsch den vierstündigen kammerspielartigen Schwarz-Weiß-Fernsehfilm „Denn ich sah eine neue Erde“ über Thomas Müntzer für das Fernsehen der DDR. Wolf Kaiser und Wolfgang Dehler spielen überzeugend die Gegenspieler Thomas Müntzer und Martin Luther. Über zwei Jahre dauerten die wissenschaftlichen Vorbereitungen und literarischen Arbeiten, was beweist, wie wichtig die Angelegenheit den Dramaturgen und Szenaristen war. Das Ergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen und ist als Doppel-DVD bei Studio Hamburg erhältlich. Durch die wissenschaftliche Beratung sind die beiden Fernsehproduktionen von 1970 und 1989 näher an der Realität, fernab von reiner Idealisierung und Verherrlichung Thomas Müntzers als Volksheld und Märtyrer.

Auch in Kurth Veths Film spielt Martin Luther die ihm gebührende Rolle. Schließlich hat derselbe Regisseur im Lutherjahr 1983 für das DDR-Fernsehen auch im Westen vielbeachteten TV-Fünfteiler über den großen Reformator aus Wittenberg inszeniert. Der verbrennt im Dezember 1520 öffentlich die päpstliche Bannbulle, die ihm mit der Exkommunikation droht. Der päpstliche Gesandte, der eigentlich Luthers Schriften dem Feuer opfern wollte, wird von Luthers Anhängern aus der Stadt verjagt. Und der tolerante sächsische Kurfürst Friedrich der Weise lässt Luther gewähren. Der schickt seinen damaligen Freund und Anhänger Thomas Müntzer nach Zwickau, um dort die Reformation durchzusetzen. Hier beginnt die zweistündige Handlung von „Ich Thomas Müntzer, Sichel Gottes“. 1523 bekommt er vom Allstedter Rat die Pfarrstelle anvertraut als ein Mann, „der Geist und Herz stark macht auf der Suche nach mehr Freiheit“ und ein Verbündeter, der dem Grafen die Grenzen seiner Macht aufzeigen soll. In der Stadt gibt es große Armut und unterdrückte Handwerkergesellen. Als Müntzer zum ersten Mal von dieser sozialen Not erfährt, wird er vom Bewunderer und Anhänger allmählich zum Gegner Luthers. Denn dieser fordert vom leidenden Volk immer noch bedingungslosen Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, wie es in den biblischen Schriften des Paulus gefordert wird. Im Gegensatz zu Luther gilt für Müntzer nicht nur die Macht des Wortes, obwohl er auch viele mitreißende Predigten hält, darunter die berühmte Fürstenpredigt. Deshalb kämpft er im Bauernkrieg als Anführer der Aufständischen, die schließlich in der Schlacht bei Frankenhausen dem hochgerüsteten Fürstenheer hoffnungslos unterlegen sind. Aber nicht Schlachtszenen und Hunderte von Statisten aus NVA-Soldaten und Volkspolizisten wie in der DEFA-Produktion bestimmen diesen Fernsehfilm aus der Wendezeit. Es sind vor allem großartige Schauspielerleistungen bis in die Nebenrollen, allen voran Veit Schubert als Thomas Müntzer, die heute durch viele Fernsehkrimis bekannte Dresdnerin Claudia Michelsen als dessen Frau Ottilie von Gersen, Martin Seifert als Luther, Katja Paryla als Äbtissin, Otto Mellies als Friedrich, Arno Wyzniewski als Amtmann Zeys, Hartmut Puls als Bürgermeister Ruckert und Frank Lienert als Ratsherr Knaute.

Bei allen Gegensätzen und unterschiedlichen Auffassungen haben Luther und Müntzer doch vieles gemeinsam. Beide stammen aus derselben Region, Müntzer aus Stolberg im Harz, Luther aus Eisleben im Mansfelder Land. Beide waren Pastoren, führten die deutsche Messe ein, Müntzer noch etwas früher, predigten für die reformatorische Sache, gegen den Ablass und andere Vergehen der römischen Kirche, und beide heirateten entlaufene adlige Nonnen. Zum Konflikt kam es durch ihre unterschiedliche Bewertung der weltlichen Obrigkeit. Luther sah in den Fürsten eine durch die Bibel bezeugte gottgegebene Macht, die unantastbar war. Müntzer dagegen diente die Bibel nur als Anleitung, er wollte keine strikte Trennung von Staat und Kirche wie Luther. Deshalb zog er zusammen mit den unterdrückten Bauern gegen die Obrigkeit zu Felde. Durch Müntzers Predigten lassen sich einige dazu anleiten, kirchliche Reliquien zu zerstören und Kirchen in Brand zu stecken. So hat sich Luther seine „Freiheit eines Christenmenschen“ nicht vorgestellt. Für ihn kann „ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen besser verdienen als mit Beten“. Müntzer dagegen legt die Bibel anders aus: „Gut geschossen ist halb gebetet.“ Anfangs können die aufgebrachten Bauern die fürstlichen Landsknechte überwältigen, doch der Erfolg hält nicht lange an. Müntzer muss nach Süddeutschland fliehen und verbündet sich dort mit den Aufständischen. Als er nach Mühlhausen zurückkommt, liest er den Fürsten in seiner berühmten Predigt die Leviten durch die Erlangung vom Gottesreich auf Erden und der Gütergemeinschaft der Menschen. Jetzt geht die Obrigkeit noch brutaler mit dem Landvolk um. Bei Frankenhausen gibt es ein fürchterliches Massaker gegen die Bauernhaufen durch die große Überlegenheit der Fürstentruppen. Dieser bis heute sehenswerte Film rückt zurecht, was das Historienepos von 1956 vermissen ließ, indem er sowohl die Macht des Wortes der protestantischen Predigt als auch das revolutionäre Potenzial des Christentums veranschaulicht.

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