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Mediabook: Schwarze Messe auf blutrotem Altar

Ende der 1960er Jahre vollzog sich im angloamerikanischen Gruselgenre ein grundlegender Wandel. Hatte man in den Jahren zuvor verstärkt auf den so genannten Gothic Horror gesetzt, in dem man sehr erfolgreich klassische amerikanische Universal-Grusler in Farbe in den britischen Hammer-Studios neu verfilmte („Dracula“, Frankensteins Fluch“, „Das Rätsel der unheimlichen Maske“), galten diese plötzlich als altbacken und ausgelutscht. Auch in der Gesellschaft hatte sich ein Wandel vollzogen, man lebte nach den Prinzipien der freien Liebe, konsumierte Drogen und machte das London der Swinging Sixties zu einem Hot Spot des Partylebens. Diese Entwicklung schlug sich auch im Gruselkino nieder und brachte solch skurrile Werke wie „Dracula jagt Mini-Mädchen“ hervor. Dabei waren keineswegs Lilliputanerinnen gemeint, sondern junge Dinger in knappen Miniröcken. Diese drogengeschwängerte, sexualisierte Atmosphäre war auch schon 1968 in „Schwarze Messe auf blutrotem Altar“ spürbar, der hierzulande bekannter ist unter seinem Alternativtitel „Die Hexe des Grafen Dracula“. Es handelt sich bei Vernon Sewells Film um die einzige auch hierzulande ausgewertete Gemeinschaftsarbeit zweier Horrorlegenden: Christopher Lee („Dracula“) und Boris Karloff („Frankenstein“).

Der Bruder des Antiquitätenhändlers Robert Manning (Mark Eden) ist verschwunden. Ein Anruf an seinem letzten Aufenthaltsort führt zu nichts, weswegen sich Robert persönlich auf die Reise zu jenem besagten Schloss begibt. Weder der Hausherr J.D. Morley (Sir Christopher Lee) noch dessen Nichte Eve (Virginia Wetherell) wollen Peter jemals gesehen haben. Die seltsamen Vorkommnisse auf dem abgelegenen Landsitz und das mysteriöse Verhalten des wortkargen Butlers Elder (Michael Gough) stimmen Robert zunehmend misstrauisch. Bei seiner ersten Übernachtung auf dem Schloss hat er einen Alptraum, in dem er einem Tribunal der Hexe Lavinia (Barbara Steele) ausgeliefert ist. Die Vorfahrin der Morleys wurde im 17. Jahrhundert von den Dorfbewohnern als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Obwohl sie diese mit einem Fluch belegte, wird dem Jahrestag der Zeremonie im Dorf auch heute noch mit einem großen Fest gedacht. Mit Hilfe des Hexenforschers Prof. John Marsh (Boris Karloff) taucht Robert immer tiefer in die Geheimnisse des Schlosses ein, in der Hoffnung, seinen verschwundenen Bruder doch noch ausfindig zu machen.

„Schwarze Messe auf blutrotem Altar“ ist ein stimmungsvoll eingefangener Gruselfilm, der von seiner exzellenten Ausstattung und seiner grandiosen Besetzung lebt. Die Geschichte selbst folgt den Stereotypen des Genres, was angesichts der beeindruckenden Kameraführung und Lichtgebung aber kaum ins Gewicht fällt. Man kann sich vom sinisteren Gemäuer, den psychedelischen Ritualen und dem elegant-professionellen Spiel von Christopher Lee und Boris Karloff in den Bann schlagen und anderthalb Stunden ironisch-süffisant gruseln lassen. Das Highlight der Mediabook-Veröffentlichung des Films bei Wicked Vision besteht fraglos darin, dass man die lange Jahre als verschollen geglaubte deutsche Kinosynchronisation wieder auftreiben konnte. Diese ist angesichts ihres Alters zwar etwas dumpf ausgefallen und weist mitunter ein leichtes Knistern auf, was die wahren Fans aber keinesfalls stören dürfte. Die Synchronfassung aus dem Jahr 1969, der englische Originalton und die deutsche TV-Neusynchronisation aus den 1990er Jahren liegen alle auf der BluRay jeweils im DTS HD Master Audio 2.0 Mono vor (optional mit deutschen und englischen Untertiteln), auf der DVD in Dolby Digital 2.0. Darüber hinaus ist die Fassung mit einer Laufzeit von 87 (respektive 83 Minuten) nun vollständig unzensiert. Das Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) ist gestochen scharf und hat sehr intensive, frisch wirkende Farben zu bieten.

Neben diesen technischen Highlights wartet die Veröffentlichung auch mit einer Fülle an Bonusmaterial auf, die den Fan einige weitere Stunden bei Laune halten dürften. Ein vierundzwanzigseitiges Booklet führt mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad in die Hintergründe der Entstehung des Films ein. Weitere interessante Einblicke erhält man über den englischen Audiokommentar von Darstellerin Barbara Steele und Filmexperte David Del Valle (optional mit deutschen Untertiteln) oder den deutschen Audiokommentar der Genrekoryphäen Daniel Perée, Ingo Strecker und Jörg Kopetz. Des Weiteren sind ein Extended Cut der Dokumentation „Creating the Curse of the Crimson Altar“ (34 Minuten), ein Interview mit Christopher Lee (25 Minuten), ein Audio-Interview mit Christopher Lee (12 Minuten), eine deutsche Nostalgiefassung des Films (83 Minuten), zwei englische Super-8-Fassungen (zusammen 17 Minuten), eine deutsche Super-8-Fassung (39 Minuten), ein alternativer Vorspann (4 Minuten), der deutsche Kinovorspann (2 Minuten), der deutsche Nostalgie-Kinotrailer, zwei Originaltrailer, Radiospots, Werberatschläge, Pressehefte, Promomaterial und umfangreiche animierte Galerien mit Filmfotos und seltenem Werbematerial im Mediabook, das aus zwei DVDs und einer BluRay besteht, enthalten.

This entry was posted on Dienstag, November 7th, 2017 at 21:29 and is filled under: DVD - News