Neue DVD-Edition „Vielfalt des Lebens“ von der ZEIT
Deutschlands große meinungsbildende Wochenzeitung DIE ZEIT hat in den letzten Jahren mit Erfolg ihr ursprünglich eher geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichtetes Spektrum um naturwissenschaftliche und technische Themen erweitert. Mittlerweile ist das Ressort Wissen das nach Politik am zweithäufigsten gelesene des Blattes. Das zweimonatlich erscheinende Magazin ZEIT WISSEN berichtet in allgemeinverständlichen Reportagen über Themen aus Naturwissenschaft, Medizin und Technik. Neben dem traditionellen Vertrieb von wöchentlich über 500.000 verkauften Zeitungen hat der Verlag ähnlich wie andere seiner Größenordnung mittlerweile ein beachtliches Nebengeschäft entwickelt, das über den eigenen Internet-Shop unter zeit.de/shop abgewickelt wird. Sein Angebot reicht von exklusiven Weineditionen über Musik, Bücher und hochwertigen Accessoires bis zu limitierter Kunst. Auch die eigenen DVD-Editionen zeugen von der erweiterten thematischen Ausrichtung der Zeitung. Zunächst gab es einige DVD-Serien mit zeitgeschichtlichen Themen oder über Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft von Konrad Adenauer bis Alice Schwarzer. Vor kurzem erschien eine Reihe mit hochwertigen Kinderfilmen, und jetzt gibt es die Dokumentarfilmreihe „Vielfalt des Lebens“ mit neun bildgewaltigen Naturdokumentationen auf 10 DVDs. Alle Filme sind aus diesem Jahrhundert und viele mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Ein besonderes Extra ist das 100-seitige Begleitbuch mit Einführungen zu den Filmen und dazu passenden Originalartikeln aus der ZEIT. Ein Auslöser für diese einmalige Zusammenstellung war wohl die zunehmende Ausbeutung unseres Planeten durch den Menschen. Jeden Tag sterben 130 Arten aus, die UN haben 2010 zum Jahr der Biodiversität gewählt, um auf die Erhaltung der Vielfalt in der Natur hinzuweisen. Diesen ausgewählten Filmen mit einer gelungenen Mischung aus Bildungsfernsehen und großem Dokumentarkino ist eine weite Verbreitung zu wünschen. Denn hier wirbt die Natur in herrlichen Bildern für sich selbst. Was könnte besser für Probleme wie Klimaveränderung und Artenschutz sensibilisieren? Die neun Filme aus englischer oder französischer Produktion sind in drei große Themenbereiche mit je drei Filmen unterteilt: „Entstehung des Lebens“, „Artenvielfalt“ und „Gefährdete Lebensräume“. Insgesamt werden fast 19 Stunden mit faszinierenden Naturbildern und vielen neuen Erkenntnissen geboten. Man lernt und genießt, das ist Infotainment auf höchstem Niveau. Bezogen auf den Gesamtpreis von knapp 90 Euro ist diese Edition mehr als eine lohnende Anschaffung.
Aus der ZDF-Fernsehserie „Terra X“ gibt es die fünfteilige BBC-Produktion „Expedition Erde“. ESA-Astronaut Thomas Reiter moderiert eine filmische Schöpfungsgeschichte in fünf Akten. Er trifft Wissenschaftler in aller Welt, klettert auf Vulkane, in Gletscherspalten, mexikanische Höhlen und sucht Meteoriten in Australien. Vulkane waren entscheidend an der Entstehung der Erde beteiligt. Wie sehr es im Inneren der Erde noch immer brodelt zeigen Beispiele aus Island, Äthiopien und Neuseeland. Auf dem flüssigen Erdkern driften sieben große Kontinentalplatten um den Globus, bei ihrem Zusammentreffen entstehen Gebirge und Spalten. Das heute eher negativ betrachtete Kohlendioxid sorgte einst für die Erwärmung, ohne die Leben gar nicht möglich wäre. Noch vor 70 Millionen Jahren war unsere Erde komplett vereist und sah wie ein Schneeball aus. Das Klima wird vor allem von den Ozeanströmen geprägt, was in anschaulichen Animationen demonstriert wird. Die Weltmeere sind ein gewaltiger Energiespeicher für die Sonnenenergie. Ihre Wellen transportieren diese Energie, sie tragen Land ab und siedeln es woanders wieder an. Der Treibhauseffekt durch Wasserdampf sorgt für wärmeres Klima, die obere Atmosphäre schützt die Erde vor Meteoriten und vor gefährlichen Strahlen aus dem All. Das Leben auf der Erde begann vor etwa 3,5 Milliarden Jahren mit den sauerstoffproduzierenden einzelligen Stromatolithen, einer Algenart. Erst die Energie des Sauerstoffs ermöglichte die riesige Artenvielfalt. Schnee und Eis in Form von beweglichen Gletschern formen die Landschaften, jedes Jahr gehen etwa eine Million Lawinen nieder. Heute gilt der Mensch als größte Herausforderung für die Erde, denn er wird durch seine Inbesitznahme des Planeten zum Klimafaktor. Die durch die Treibhausgase erfolgte Erwärmung lässt die Polkappen allmählich schmelzen und wird katastrophale Fluten bringen. Als warnendes Beispiel wird an die Maya-Kultur erinnert, die einer selbst verursachten ökologischen Katastrophe zum Opfer fiel.
Der Kinofilm „Genesis“ zeigt die Evolution aus Sicht der französischen Filmemacher des Welterfolges „Mikrokosmos“. Hier steht nicht die Informationsvermittlung, sondern der Kunstgenuss vieler beeindruckender Bilder im Vordergrund. Es ist kein Tierfilm, sondern ein Film über das Leben. Viele Fragen werden nicht beantwortet und bleiben der eigenen Interpretation überlassen. Woher kommen wir? Was war zu Beginn, was war davor? Man sieht Flussläufe, Lavaeruptionen, dann einen Schlammspringer, der aus dem Wasser steigt. Er kann im Wasser und an Land leben und ist ein Sinnbild dafür, wie vor 400 Millionen Jahren das Leben allmählich vom Wasser auf das Land kam. Aus Flossen wurden Beine. Im Making of gibt es Anschauungsunterricht für gute Naturdokumentationen. Wie in einem Spielfilm wurde ein genaues Drehbuch entworfen mit den Tieren als Hauptdarstellern, die auch Gefühle haben. Einige Szenen wurden aufwendig im Studio inszeniert.
In drei Episoden stellt die BBC-Dokumentation „Naturwunder Galápagos“ ein einmaliges Weltkulturerbe vor. Am Beginn steht das faszinierende Zusammenspiel von Feuer und Wasser. Vulkane spucken glühende Lava, Vogelschwärme stürzen im Synchronflug ins Meer, Meerechsen sonnen sich auf Felsklippen und sprühen Salz von verschlucktem Meerwasser aus ihren Nasenlöchern. Das Besondere an diesem Inselarchipel ist seine Lage auf einer tektonischen Platte und im Einzugsgebiet von vier Meeresströmungen. Hier konnte sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln, die es nirgendwo sonst gibt. Wir begleiten Schwärme von Hammerhaien, Seebären beim Spielen oder Leguane, die Eier im Vulkankrater ablegen. Charles Darwin war vor fast 200 Jahren hier und entwickelte nach der Beobachtung verschiedener Finkenarten seine Evolutionstheorie, nach der sich die Tiere im Gegensatz zur biblischen Schöpfungsgeschichte durch natürliche Selektion ihrer Umgebung anpassen. Ein Beispiel im Film sind Riesenschildkröten, die ein Jahr ohne Nahrung und Flüssigkeit auskommen und mit ihren langen Hälsen die hochgewachsenen Pflanzen erreichen. Ein Problem für die Inseln sind wieder einmal die Menschen. Sie führten Haustiere wie Ziegen ein, die das biologische Gleichweicht der „wilden“ Tiere stören.
Drei Filme zeigen die Artenvielfalt und erstaunliche Leistungen in der Tierwelt. „Die Reise des Schmetterlings“ begleitet den orangefarbenen Monarchfalter von Kanada bis Mexiko über 5000 Kilometer, durch Sturm und Schnee, über Berge und Seen, im Schnitt 80 Kilometer am Tag. Umgerechnet müsste ein Mensch aus eigener Kraft elfmal die Erde umrunden, um diese Leistung zu erbringen. Immer nach vier Generationen entsteht aus einer Raupe und dem Kokon der nur 0,5 Gramm schwere Falter. Der Film dokumentiert die vielen Gefahren während der Reise wie Katzen, Spinnen oder Wasser. Zwischen den Bildern wird eine kritische Sicht auf das Verhältnis von Natur und Zivilisation deutlich. Die alljährliche Ankunft der Falter in Mexiko hat eine spirituelle Bedeutung für die Einwohner. Sie sollen die Seelen der Verstorbenen und die Rückkehr des Lebens nach dem Winter verkörpern. Als touristische Attraktion ist das Spektakel eine Existenzgrundlage, die durch illegale Rodungen im Winterquartier des Monarchfalters gefährdet wird.
„Animals in Love“ ist ebenfalls eine französische Produktion, was bei dem Thema nicht überrascht. Das Hauptziel der Liebe ist die Erhaltung einer Art, auf ihr beruht das gesamte Leben auf der Erde. In der Natur gibt es jedoch keine romantische Liebe, sondern Rivalität und Dramatik, bei der sich nur die Schönsten und Stärksten lieben dürfen. Über 80 Tierarten, in der Mehrzahl Vögel, wurden fast zwei Jahre lang in 16 Ländern beobachtet. Eitelkeit und Imponiergehabe gibt es beim Paradiesvogel, Pfau oder beim Hirsch zu sehen, aber auch lustige Balzspiele und Liebestänze von Hühnervögeln. Vor der Liebe gibt es oft sehr große Brutalität unter den Männchen wie bei Hirschen oder Giraffen. Viel Geduld und Ausdauer sind hier gefordert. Das Liebesspiel kann auch zum Stress werden und total ermüden wie beim Löwen, der es auf bis zu 40 Begattungen am Tag bringt. Bei den Seepferdchen gibt es einen Rollentausch, wenn das Männchen den Nachwuchs austrägt. Eine große Leistung des Films sind die eingefangenen Szenen größter Intimität, wenn nach dem groben Balzen endlich geflirtet, geküsst und gestreichelt wird. Ist dann erst einmal der Nachwuchs da, folgt eine Zeit der Ruhe und Zärtlichkeit. Es war ein sehr großer Aufwand für die Dokumentarfilmer, diese einmaligen Bilder zu bekommen. Besondere Verstecke, Baumhäuser, und Hochsitze mussten gebaut werden. Aufwendige Tonaufnahmen mit vielen Mikrofonen wurden später mit passender Musik von Philip Glass ergänzt.
„Nomaden der Lüfte“ dokumentiert in bisher nicht gesehenen Bildern den Vogelflug. Es ist der früheste Film der Edition, der Maßstäbe im Naturfilm setzte. Der Zuschauer fliegt mit Graugänsen, Kranichen, Weißkopf-Seeadlern und vielen anderen Vögeln über Kanäle, durch große Städte, unter Brücken hindurch oder über hohe Berge. Die Kamera fliegt neben und über den Vögeln. Beeindruckend sind auch die großen Schwärme bei ihren Synchronflügen. Das Ergebnis rechtfertigt den großen technischen Aufwand. Ultraleichtflugzeuge, Paraglider und Roboter waren im Einsatz. Zwölf Piloten, fünfzehn Kameramänner und drei Regisseure reisten vier Jahre um die Welt. Insgesamt über 500 Mitarbeiter zeigen unter extremen Bedingungen die Leichtigkeit des Fliegens.
Der dritte Themenbereich „Gefährdete Lebensräume“ widmet sich dem ältesten Nationalpark der Welt, dem tropischen Regenwald und den Tiefen der Ozeane. „Yellowstone“ ist eine dreiteilige Fernsehserie der BBC. Der älteste Nationalpark der Welt besteht seit 1872 und lockt jedes Jahr drei Millionen Touristen an. In der geothermisch aktiven Gegend in den Rocky Mountains spucken Geysire heißes Wasser aus. Auf dieser 9000 Quadratkilometer großen Hochebene in 2500 Meter Höhe herrschen im Winter bis minus 50 Grad. Dies ist eine Folge des Vulkans darunter, der eine kalte Narbe in das Gebirge grub und es immer weiter nach oben drückt. Das Gelände ist ein Refugium für seltene Tierarten wie Grizzlybären, Wölfe, Bisons und Wapitihirsche. Der Film folgt der Natur durch die Jahreszeiten. Vor allem der lange Winter macht vielen Kreaturen schwer zu schaffen. Das Leben auf dem Vulkan ist jetzt besonders ein Überlebenskampf um Fressen und Gefressenwerden. Bei Schneehöhen bis 15 Metern haben selbst die großen Bisons Probleme, an Nahrung zu kommen. Besser haben es die Eisbären, die einfach den Winter überschlafen. Kampfszenen wechseln mit schönen Landschaftsaufnahmen, dampfenden Quellen oder Wasserfällen. Doch die unberührte Wildnis ist nur Illusion, vieles ist von Menschen gemacht, um das Naturgleichwicht zu erhalten. So wurden die von Ranchern lange ausgerotteten Wölfe erst 1995 wieder angesiedelt, denn sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem.
„Abenteuer Dschungel“ ist eine dreiteilige lehrreiche und spannende BBC-Dokumentation über die Vielfalt der tropischen Regenwälder am Beispiel von Borneo, Kongo und dem Amazonasgebiet, präsentiert von der charmanten Charlotte Uhlenbroek, die auch in gefährlichen Situationen immer nett lächelt. Die Urwälder bedecken nur sechs Prozent der Erde, in ihnen lebt aber die Hälfte aller Lebewesen, davon viele schöne und gefährliche Tiere. In diesem produktiven Ökosystem werden Energiemengen umgesetzt, die New York tausendmal versorgen könnten. In Borneo gibt es auf den höchsten Bäumen in 90 Metern Höhe kleine Flugdrachen, die bis 100 Meter weit schweben können, und fliegende Schlangen. Im für Menschen ziemlich unbewohnbaren Kongobecken leben einige der gefährlichsten giftigen Tiere. Im Gebiet um den Amazonas gibt es den größten Artenreichtum auf der Erde. Die meisten sind im und am Wasser des 6500 Kilometer langen Stromes, in dem ein Fünftel des Süßwassers der Erde durch neun Länder fließt. Hier am Äquator gibt es nur zwei Jahreszeiten, Trockenheit und Nässe. In der Regenzeit stehen die Riesenbäume bis 20 Meter unter Wasser.
Von den Geheimnissen der Ozeane erzählt der spektakuläre Kinofilm „Deep Blue“. Gezeigt werden die eindrucksvollsten Szenen aus insgesamt 7000 Stunden Filmmaterial, aufgenommen von 20 Kamerateams in fünf Jahren. Auch im und am Wasser herrscht ein harter Überlebenskampf. Sardinen werden von Tölpeln im Sturzflug aus dem Wasser gefischt oder von Delfinen und Haien verschlungen. Es gibt Bilder von bunten Korallenriffen in seichten tropischen Gewässern und aus den dunklen Tiefen 5000 Meter unter dem Meeresspiegel. In dieser sauerstofflosen Welt herrscht ein enormer Druck. Und dennoch gibt es Leben hier in der ewigen Finsternis, gezeigt an Raubfischen und bizarren Wesen in den Farben des Regenbogens. Die Filmer folgen Walen auf dem offenen Meer oder Eisbären und Pinguinen in der eisigen Arktis und Antarktis. Schwertwale hetzen eine Grauwalkuh und ihr Kalb stundenlang, ein Eisbär attackiert Weißwale. Es sind atemberaubende, aber keine blutrünstigen Bilder. Sie bedürfen kaum eines Kommentars, die Begleitmusik, gespielt von den Berliner Philharmonikern, treibt die Spannung an.
Die DVD-Edition kostet 89,95 Euro und ist erhältlich unter www.zeit.de/shop. (Johannes Kösegi)
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Neue DVD-Edition „Vielfalt des Lebens“ von der ZEIT wurde bearbeitet von Johannes Kösegi • Permalink • Kommentar schreiben »












