Neue Kinderfilm-Edition der ZEIT ergänzt die „Junge Cinemathek“ der SZ
Insgesamt 24 herausragende und preisgekrönte Kinder- und Familienfilme:
Lange vorbei sind die Zeiten, in denen die Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT das Image hatte, vor allem von allein stehenden Lehrerinnen mittleren Alters gelesen zu werden. Ein modernes buntes Layout und viele Themen, die auch ein junges Publikum ansprechen, prägen das heutige Bild des renommierten Blattes. Seit einigen Jahren werden durch Sonderveröffentlichungen, z.B. Studienführern, gezielt der akademische Nachwuchs und neuerdings auch Eltern angesprochen. So wird es bald einen Schulführer geben, der Eltern Ratschläge gibt, wo sie in unserem komplizierten Schulsystem ihre Kinder am besten unterbringen können. Ein besonderes Novum bei den Nebengeschäften des ZEIT-Verlages ist eine DVD-Edition mit zehn ausgewählten und preisgekrönten Kinderfilmen, die von der Filmbewertungsstelle das Prädikat „wertvoll“ oder „besonders wertvoll“ erhalten haben. Sie sind offiziell zwar schon ab sechs Jahren „freigegeben“, jedoch werden erst Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren alles richtig verstehen, ohne eventuell Schaden zu nehmen. Denn jüngere Kinder können oft Fiktion noch nicht von der Realität unterscheiden, sodass das Gesehene sie bis in ihre Träume verfolgt.
Leider sitzen viele Kinder heutzutage viel zu lange vor dem Fernseher oder PC mit oft fragwürdigen oder schädlichen Computerspielen, wodurch weder ihre körperliche noch geistige Entwicklung gefördert wird. DIE ZEIT möchte dem mit ihrer gelungen Auswahl entgegenwirken und empfiehlt den Eltern, die Filme zusammen mit ihren Kindern anzusehen und nachher über das Gesehene zu sprechen, damit sie es richtig verarbeiten können. Dadurch soll „Medienkompetenz“ vermittelt werden, indem die Kinder lernen, das Urteilsvermögen bezüglich ihrer Sehgewohnheiten auszubilden und Wahrnehmung und Konzentrationsvermögen zu schulen. Im Idealfall werden sie durch die Betrachtung eines verfilmten Romans sogar selbst (wieder) zum Lesen angeregt.
Gute Kinderfilme gibt es viele in der Filmgeschichte, etwa die schwedischen Produktionen nach Astrid Lindgrens Romanen oder deutsche Märchenfilme der DEFA. Alle Filme der neuen ZEIT-Edition stammen jedoch aus den letzten zehn Jahren. Somit werden den Kindern hier mit modernen Mitteln und Geschichten „alte“ und zeitlose Tugenden vermittelt. Ein Qualitätskriterium für gute Kinderfilme ist das Vermitteln von Werten wie Toleranz, Freundschaft, Mut, Selbstvertrauen oder Solidarität mit Minderheiten und Schwächeren. Aber auch schwierige Beziehungen, etwa zwischen Kindern und Eltern oder die oft harte Realität des Alltags werden dargestellt, und am Ende siegt wie im Märchen immer das Gute. Gewalt und der erhobene Zeigefinger sind in guten Kinderfilmen tabu. Schließlich sollen sie zwar den kindlichen Blickwinkel darstellen, aber auch Erwachsene ansprechen. DIE ZEIT war bei der Auswahl der zehn Filme auf Abwechslung bedacht, indem verschiedene Genres und Themen gewählt wurden. So werden Kinder, die gerne Fantasystoffe sehen, ebenso bedient wie Stadtmenschen, Naturfreunde oder Fußballfans.
Der Fantasy-Film „Der Brief für den König“ spielt zur Zeit der Ritter, wo Tapferkeit und Ehre noch viel zählten. Klassische Märchenelemente werden mit einer spannenden Erzählung um Freundschaft und Güte verbunden. Ein junger Schildknappe muss auf einer abenteuerlichen Flucht viele Mutproben bestehen und wendet dadurch schließlich Unheil von zwei Königreichen ab. „Paulas Geheimnis“ ist eine Verbindung der beiden Kästner-Klassiker „Pünktchen und Anton“ und „Emil und die Detektive“ und spielt auf drei gesellschaftlichen Ebenen. Zwei Schulkameraden aus Oberschicht und unterer Mittelschicht sind in einer spannenden Geschichte hinter einer rumänischen Kinderbande her, die von einer Verbrecherorganisation auf Diebeszüge geschickt werden. Am Schluss verstehen sich sogar die Kinder aller drei Gesellschaftsschichten und sind damit ihren Eltern weit voraus. Die Handlung der jüngsten der drei Verfilmungen von Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ spielt beim weltberühmten Thomanerchor in Leipzig und zeigt, dass es auch in Internaten gütige und verständnisvolle Lehrer geben kann. Für die Schüler ist die Freundschaft untereinander wichtiger als die strengen Internatsregeln, sodass einige sogar zu spät zur Fernsehaufzeichnung von Bachs Weihnachtsoratorium kommen. Für Tier- und Naturfreunde geeignet ist der norwegische Thriller „SOS – Ein spannender Sommer“. Ein kleines Mädchen rettet ein Seehund-Baby, das seine Mutter verloren hat, vor den Jägern. Nebenbei klären auch hier wieder einige Kinder eine Straftat auf, indem sie helfen, eine Bande von Drogenschmugglern zu überführen. Besonders die Landschaftsaufnahmen der norwegischen Schärenküste und Unterwasseraufnahmen sind überwältigend. Als eine „Pippi Langstrumpf aus Kroatien“ könnte man „Die Rote Zora“ bezeichnen. Ebenso anarchistisch wie ihr schwedisches Vorbild lässt sie sich mit ihrer Jugendbande nichts vormachen. Sie holen sich von den Reichen und Mächtigen, was sie brauchen. Der sozialkritische Film zeigt Mechanismen auf, wie sie auch heute auf einer anderen Ebene aktuell sind, wenn Wirtschaftslobbyisten oder Großkonzerne mit bestimmen, wie regiert wird. Im Film vertreibt der den Bürgermeister korrumpierende Fischgroßhändler (Ben Becker) den alten Fischer (Mario Adorf) vom Markt und nimmt ihm seine Existenzgrundlage. In der englischen Arbeiter- und Fußballstadt Manchester spielt „Es gibt nur einen Jimmy Grimble“, der als bester Jugendfilm bei der Berlinale 2001 ausgezeichnet wurde. Er zeigt das Schicksal des Fußballtalents Jimmy, der sich vom allseits gemobbten Underdog bis zum gefeierten Fußballstar hochkämpft. Viele der heutigen Fußball-Millionäre haben denselben Aufstieg über mehrere soziale Schichten hinter sich. Jimmys Ähnlichkeit mit dem realen ManU-Star Wayne Rooney ist deshalb wohl kein Zufall. In Detlev Bucks mehrfach preisgekrönter Romanverfilmung „Hände weg von Mississippi“ erlebt die kleine Emma ein lustiges und kurzweiliges Ferienabenteuer bei ihrer Oma auf dem Land. Es geht schließlich um die Rettung einer Stute, aber in Erinnerung bleiben besonders der teils englische Humor und die schönen Landschaftsaufnahmen als Fremdenverkehrswerbung für Mecklenburg. „Misa Mi – Freundin der Wölfe“ zeigt ebenfalls ein Ferienabenteuer auf dem Land. Misa aus Stockholm flüchtet zu ihrer Oma nach Lappland, nachdem ihre Mutter gestorben ist und ihr Vater eine neue Freundin hat. In der herrlichen Natur Nordschwedens lernt sie einen samischen Jungen kennen und rettet zwei junge Wolfswelpen vor den Wilderern. Herrliche Naturaufnahmen begeistern nicht nur Tierfreunde. „Mondscheinkinder“, der „schwierigste“ Film der Reihe, thematisiert das Problem einer ernsthaften Krankheit eines Jungen, der kein Sonnenlicht verträgt und nur bei Nacht oder abgedunkelten Fenstern spielen darf. Seine Schwester hilft ihm liebevoll und stellt sich auf sein nachtaktives Leben ein. Zu Konflikten kommt es, als sie nicht mehr ihre ganze Zeit ihrem Bruder widmen kann, weil sie sich verliebt hat. Später lässt sich vieles in Einklang bringen, doch ein wahres Happy End gibt es nicht. So ist der Film mit seinen teils surrealistischen Bildern hervorragend gemacht, stimmt aber schließlich doch eher traurig und sollte nur mit den Eltern zusammen gesehen werden. Der Film „Hoppet – Der große Sprung ins Glück“ zeigt den Kindern in unserer Wohlstandsgesellschaft, dass es vielen ihrer Altersgenossen nicht so gut geht wie ihnen hierzulande. Azad, ein talentierter Hochspringer, kommt als Flüchtling ohne seine Eltern aus einem Bürgerkriegsgebiet des Nahen Ostens nach Schweden. Zunächst von Schleppern betrogen landet er doch bei freundlichen Menschen und kommt schließlich auch wieder mit seinen Eltern zusammen. Doch zuvor gibt es einige Hindernisse mit den „Ersatzeltern“ und Einwanderungsbehörden zu bewältigen.
Eine ideale Ergänzung zu dieser aktuellen Sammlung ist die „Junge Cinemathek“, die von der Süddeutschen Zeitung (SZ) herausgegeben wurde. Die zwölf Filme mit abwechslungsreichen Geschichten in verschiedenen Genres – ihre offiziellen Altersfreigaben reichen von null bis zwölf Jahren – sind besonders geeignet zur Unterhaltung für die ganze Familie. Zeitlich reicht die Palette vom Märchenmusical „Der Zauberer von Oz“ mit Judy Garland von 1939 bis zum britischen Knetfigurenfilm „Wallace und Gromit“ von 2005. In „20.000 Meter unter dem Meer“ nach Jules Verne versucht Kirk Douglas in spannenden Abenteuern den Ozeanen auf die Spur zu kommen. Freunde des Abenteuerfilms können Burt Lancaster in „Der rote Korsar“ als Kapitän eines Piratenschiffes bestaunen. Eine gelungene Literaturverfilmung bietet „Momo“ nach Michael Endes berühmtem Roman. Zeichentrickfreunde kommen mit dem Klassiker „Alice im Wunderland“ auf ihre Kosten. Fantastisch wird es in Steven Spielbergs frühem Blockbuster „E.T. – Der Außerirdische“, in dem sich ein koboldartiges Wesen mit einer Kindergruppe anfreundet. Australischen Humor bieten die Geschichten mit dem „Schweinchen namens Babe“, und in „Mäusejagd“ gelingt es einer kleinen Maus immer wieder, ihren menschlichen Verfolgern einen Streich zu spielen und zu entkommen. Sehr beliebt waren die Kinderbuchverfilmungen der beiden Sams-Geschichten über das lustige Wesen mit Sommersprossen und Rüsselnase, von denen die erste enthalten ist. Slapstick erster Güte wird in dem Klassiker „Das große Rennen rund um die Welt“ von Blake Edwards geboten. Als Kontrastprogramm zeigt der von der Kritik hoch gelobte iranische Streifen „Kinder des Himmels“ auf realistische Weise, wie Kinder in einer fremden Kultur und Welt leben. So müssen sich zwei Geschwister zunächst ein Paar Schuhe teilen und können deshalb nicht gleichzeitig zur Schule gehen, bis ihr Vater neue Schuhe gekauft hat.
Die Kinderfilm-Edition der ZEIT ist zum Preis von 89,95 Euro unter www.zeit.de/shop erhältlich. Die „Junge Cinemathek“ der SZ gibt es im Handel oder unter www.sz-shop.de.
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